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be a little analog.

Ich kann keinen genauen Zeitraum bestimmen, aber ich würde behaupten, dass  bis vor rund 10 Jahren  in meinem Sprachgebrauch das Wörtchen analog nicht vorkam. Bevor analog in meine Gerhin-Sprachproduktionsstätte einzog, machte sich dort erstmal das Wort digital breit. Ziemlich breit. Irgendwann gesellte sich analog dazu und nahm immer mehr Platz ein. Digital und analog. Zwei Wörter, die vor noch wenigen Jahren für mich völlig uninteressant waren, weil sie mein Leben nicht betrafen.

Ausser vielleicht im Informatikunterrricht der 7. (oder 8.?) Klasse bei Herrn S.. Gott, fand ich das doof. Vielleicht, weil ich auch einfach zu doof dafür war. Wir sollten damals irgendeinen oder irgendeine Niki so programmieren, dass er oder sie durch ein Labyrinth laufen könne. Der, die, das Niki hat’s nicht geschafft. Ob das Ding sich überhaupt mal von seinem Feld wegbewegt hat… ich kann mich nicht mehr erinnern, wage es aber zu bezweifeln.

be a little analog | Buchtipp | waseigenes.com

Danach hatte ich lange Jahre nix mit Digitalisierung zu tun. Als meine Eltern in ihrer kleinen Firma damals den allerersten Computer geliefert bekamen, der die gute alte Schreibmaschine und Rechenmaschine meiner Mama ersetze, das war schon spannend. Aber ich durfte nur gucken. Mit den Augen gucken! Nicht mit den Händen!

Ende der 90er legte ich meine allererste Email Adresse mit meinem damaligen Freund und heutigen Mann bei AOL an. Wahnsinnig aufregend war das und gleichzeitig sterbenslangweilig, weil kaum jemand in unserem Freundeskreis überhaupt eine Email Adresse besaß.

Trotzdem reizte mich das Thema Internet immer mal wieder und so kam es auch, dass ich während einer meiner Jobs die Internetbeauftragte war. Wohoo! Man muss dazu wissen: in unserem Marketingbüro gab es damals einen einzigen PC, der überhaupt einen Internetanschluss hatte und nur an diesem einen PC konnte man Recherche im Internet betreiben und Emails abrufen. Die druckte ich dann aus und legte sie dem  jeweiligen Empfänger-Kollegen ins Fach. Krass, ne‘? Wir hatten damals nicht mal personalisierte und individuelle Email Adressen, sondern das waren ewig lange Hieroglyphen, die sich a) kein Mensch merken konnte und b) immer vom kompletten Büro- also allen Mitarbeitern- gelesen werden konnten. Heute- unvorstellbar.

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Nun, Jahre später lebe ich also ein digitalisiertes Lebens, stehe immer mit einem Bein im Netz. Ich bin Bloggerin, betreibe einen online-Shop, tippe meinen Einkaufszettel in eine App, unterhalte mich einzeln oder in Gruppen via Whatsapp, poste Bilder meines Mittagessens bei Instagram und trage immer meinen digitalen Kalender mit mir rum. Nicht erwähnt, 235 weitere Apps, die ich teilweise regelmäßig, teilweise gar nicht nutze.

Und je mehr wir uns in der digitalen Welt rumtreiben, desto größer werden die Rufe nach einer analogen Welt. Ist immer so. Wenn alle weiß eingerichtet sind, kommt irgendwann der Wunsch nach schwarz. Wenn ich eine Woche lang nur Gemüse futtere, lüstert es mich irgendwann nach Steak.

be a littel analog* ist eine Sammlung von vielen kleinen Denkanstößen, die uns dazu bewegen wollen, eine digitale Handlung durch eine analoge Handlung zu ersetzen.

Schreibe einem lieben Menschen eine Postkarte, statt ihm online Schnappschüsse zu schicken.Vermeide Emoticons- fasse Deine Gefühle in Worte. Nimm ein Feuerzeug mit zu einem Konzert und sei zusammen mit anderen ein Licht in der Dunkelheit. Denke über ein Problem nach, bevor Du es googelst, vielleicht weiß ein Freund einen Rat.

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Auf jeder Seite steht eine Aufforderung oder eine Idee. Und beim Lesen der vielen Aufforderungen dachte ich: Ja, recht hat er, der Julius Hendricks, der irgendwo in Köln in einer Buchhandlung arbeitet und seinen Freunden immer Bücher schenkt. Mehr habe ich über den jungen Mann im Netz nicht finden können, denn oh Wunder- ein Facebook Profil hat er nicht. Auch kein Smartphone. Ein bisschen schräg finde ich das und absolut bewundernswert.

Das Büchlein sollte bei jedem von uns auf dem Wohnzimmer- oder Nachttisch liegen, denn es inspiriert und liefert uns schöne Denkanstöße von fast vergessenen Handlungen.

Feiere ein Fest, verschicke handgeschriebene Einladungen per Post! Drehe Däumchen! Blättere in einem Atlas!

In diesem Sinne wünsche ich Euch ein schönes Wochenende mit hoffentlich vielen analogen Momenten!

Liebe Grüße, Bine

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19 Comment

  1. Reply
    Simone
    4. März 2017 at 08:29

    Guten Morgen liebe Bine,

    Vielen Dank für Deinen tollen Text.
    Ich begleite Deinen Block schon ewig, so zu sagen, inkognito :-) Und gerade habe ich mir gedacht: die Bine kann ja gar nicht wissen, wie super ich ihren Block finde, wenn ich ihr es nicht einfach einmal sage/ schreibe! Also liebe Bine: ich kenne Dich nicht persönlich, aber dass was ich hier von Dir lese und erfahre finde ich super ! ;-) Manchmal müssen digitale Nachrichten halt mal sein, aber ich unterschreibe den Aufruf nach mehr analogen Kontakt !! Mein Beitrag dazu ist, dass ich seit einigen Jahren in der Fastenzeit WhattsApp vom Handy werfe. Ich erfahre trotzdem alles was wichtig ist und schenke mir somit einfach Zeit!

    So genug von mir, ich wünsche Dir und Deinen Lieben ein tolles Wochende und mach‘ bitte weiter so!

    Viele Grüsse
    Simone

    1. Reply
      Bine | was eigenes
      4. März 2017 at 08:33

      Liebe Simone, ich bedanke mich für Deine schöne digitale Nachricht! :-) Ich finde es super, dass Du es hier super findest und ich bewundere Dich, dass Du vier Wochen lang Whatsapp von Deinem Handy runterschmeißt. Das könnte ich nicht. Aber der Gedanke, es mal weniger zu nutzen, der gefällt mir. Ich werde ihn mir zu Herzen nehmen!
      Ich wünsche Dir auch ein tolles Wochenende! Liebe Grüße Bine

  2. Reply
    Karin
    4. März 2017 at 08:35

    Hallo Bine.
    Was für ein toller Artikel! Es regt wirklich zum nachdenken an, wie man sich so im Alltag verhält. Auch ich muss mir da an die eigene Nase fassen. Ich habe ja auch selbst einen Blog und manchmal merke ich es auch ganz von allein, das ist mir einfach zu viel digital in meinem Alltag ist. Was ich auf jeden Fall schon immer beibehalte, sind schriftliche Einladungen, Postkarten schreiben aus dem Urlaub und Briefe an Weihnachten. Das sind solche Traditionen die mir einfach sehr wichtig sind und die ich nie digital ausführen würde! Also nochmals vielen Dank für den Denkanstoß und ein wunderschönes Wochenende.

    1. Reply
      Bine | was eigenes
      4. März 2017 at 08:45

      Liebe Karin, danke für Deinen Kommentar. Ohne Digitalisierung kann ich mir unsere Welt auch gar nicht mehr vorstellen… aber ich gebe Dir absolut recht- die ein oder andere Handlung sollten wir mal wieder analog umsetzen. Postkarten und Briefe an Weihnachten zum Beispiel! Oder in einem Reiseführer lesen und blättern, statt alles online zu recherchieren.
      Liebe Grüße Bine

  3. Reply
    Ani lorak
    4. März 2017 at 08:56

    Hm. Ich denke, der allgemeine Lauf führt zunächst zu nur digital zählt und dann gibt es die Rückbewegung hin zu analog und dann nimmt man beides an und stellt fest, dass ein Anruf keine whatsapp Nachricht ersetzt und keine Email eine Postkarte. Ich kann mich mit ebooks nicht anfreunden, es muss ein Buch sein. Manches mag ich nur digital und nutze es. Schönes Wochenende!

    1. Reply
      Bine | was eigenes
      4. März 2017 at 12:01

      Warum einen Anruf tätigen, wenn man das auch in 27 Whatsapp Nachrichten regeln kann :-))
      Ich liebe Bücher- lese aber auch super gerne mit meinem Kindle. Gerade wenn ich unterwegs bin und ein
      Buch mitnehmen möchte. Darauf mag ich nicht verzichten ;-)
      Liebe Grüße Bine

  4. Reply
    Ramona T.
    4. März 2017 at 11:24

    Hallo liebe Bine,
    Ich muss dir heute einfach schreiben! Endlich mal jemand, der auch Niki kennt. Auch ich habe im Informatikunterricht unter (vielleicht auch mit) Niki gelitten. Er bewegte sich manchmal schon von der Stelle, aber es hat soviel Schweiß und Nerven gekostet! Ich glaube Herr R. hatte schon Albträume von mir und meiner Freundin!
    Liebe Grüße Ramona

    1. Reply
      Bine | was eigenes
      4. März 2017 at 12:02

      Ha, Ramona! Du kennst Niki auch. Herr R. war bestimmt in einer Selbsthilfegruppe mit meinem Herr. S.!
      Der bekam nämlich auch die Krise mit uns Weibern damals! :-)))
      Liebe Grüße Bine

  5. Reply
    ´Heike
    4. März 2017 at 11:38

    Toller Tipp, habe es gleich mal als Geschenk bestellt (auch wenn meine 14jährige Tochter mit den Augen rollen wird). Obwohl ich Instagram sehr mag, muss mehr echtes Leben her….gerade jetzt, wenn es wieder warm und frühlingshaft wird. Also raus ins pralle Leben. Dir und deinen Lieben in diesem Sinne ein schönes Wochenende!

    1. Reply
      Bine | was eigenes
      4. März 2017 at 12:06

      Oh ja, Heike! So ist es bei mir auch… bei schönem Wetter mag man doch nicht drinnen am Computer sitzen- dann lieber mit dem Handy im Liegestuhl. :-) Nein, Quatsch! Mit einem Buch im Liegestuhl oder mit den Liebsten raus
      in die Natur!
      Liebe Grüße Bine

  6. Reply
    Shirley | live4happiness2day
    5. März 2017 at 08:30

    Vielen Dank für diesen liebevoll Tipp. Das Buch sieht nach einer wahren Inspirationsquelle aus! Hab noch einen schönen, zumindest teilweise analogen, Sonntag!

  7. Reply
    anja | das tuten der schiffe
    5. März 2017 at 09:33

    ach bine, das fenster öffnen, bevor ich in meine messages gucke… cooler tritt in den hintern. ich bin echt etwas online-verseucht und muss mich da disziplinieren. offline is the new luxury! hab einen schönen sonntag! herzlich aus hamburg, anja

  8. Reply
    Christiana
    5. März 2017 at 14:15

    Hallo Bine, als ich von Niki gelesen habe, war ich sofort wieder in die 11. Klasse versetzt. Ganz stolz wählte ich das neue Fach Informatik und stand genau wie Du auf Kriegsfuß mit dem dem blöden Programm Niki. Zum Glück hatte der Junge neben mir mehr Ahnung und hat mir geholfen. Also: aus mir ist keine Programmiererin geworden. Obwohl ich das Internet als Bibliothek absolut schätze, schreibe ich auch weiterhin Briefe, Tagebuch und alles Mögliche per Hand. Ich liebe diese wundervollen Blankbooks, die es zu kaufen gibt und ich bastel auch gern mal selber eins. Ein Freund von mir, der in der digitalen Welt erst richtig auflebt, hat mir vor Jahren prophezeit, daß so Sachen wie Scrappen (Fotoalben gestalten), handgeschriebene Karten usw. verschwinden werden, aber ich glaube fest daran, daß es immer Menschen wie uns gibt, die es lieben Sachen in der Hand zu halten, den schönen Einband eines Buches zu befühlen und sich nicht daran stören einen Krampf vom Schreiben zu bekommen.
    Vielen Dan für Deine Inspirationen!!
    Mein Fazit lautet: ich brauche beide Welten, denn ohne www hätte ich ja Deinen Blog nicht gefunden.
    :-)
    Deine Christiana / Phantasiana

  9. Reply
    Tanja (vom Schloss)
    5. März 2017 at 15:40

    Oh wie schön, danke für den (Buch-) Tip! Das Buch werde ich sicher verschenken, mir fallen da diverse Menschen ein :)
    Liebe Güße, Tanja

  10. Reply
    Renaade
    5. März 2017 at 22:29

    Liebe Bine,

    das Buch hört sich einfach hinreissend an, danke für den tollen Tipp!

    Ganz liebe Grüße,
    Renaade

  11. Reply
    Verena
    7. März 2017 at 09:55

    Superschöner Artikel und sooo wahr! Ich habe in den Flitterwochen noch mit meinem Mann sinniert, dass man mittlerweile auch beim Reisen irgendwie nicht mehr so richtig weg ist, weil es zwischendurch auch am Ende der Welt immer mal wieder Hotels mit WLAN gibt. Ich glaube, der letzte komplette „Digital Detox“ war bei meiner Kubareise vor vier Jahren – da gab es in den Familien, bei denen ich übernachtet habe, nämlich kein WLAN (und wenn überhaupt Internet, dann nicht für die zahlenden Gäste, weil es pro Monat sehr begrenzt und über Modem zugänglich war). Habe ich was verpasst in den 16 Tagen? Nö. Gar nicht. Aber trotz dieser Erfahrung fällt es mir schwer, mein iPhone mal zu Hause zu lassen oder mal einen Urlaub zu verbringen, in dem ich komplett offline bleibe. Das Buch klingt auf jeden Fall nach einer tollen Inspiration für mehr analog, danke für den Tipp :-).
    Liebe Grüße
    Verena

  12. Reply
    Verena
    7. März 2017 at 09:58

    Superschöner Artikel und sooo wahr! Ich habe in den Flitterwochen noch mit meinem Mann sinniert, dass man mittlerweile auch beim Reisen irgendwie nicht mehr so richtig weg ist, weil es zwischendurch auch am Ende der Welt immer mal wieder Hotels mit WLAN gibt. Ich glaube, der letzte komplette „Digital Detox“ war bei meiner Kubareise vor vier Jahren – da gab es in den Familien, bei denen ich übernachtet habe, nämlich kein WLAN (und wenn überhaupt Internet, dann nicht für die zahlenden Gäste, weil es pro Monat sehr begrenzt und über Modem zugänglich war). Habe ich was verpasst in den 16 Tagen? Nö. Gar nicht. Aber trotz dieser Erfahrung fällt es mir schwer, mein iPhone mal zu Hause zu lassen oder mal einen Urlaub zu verbringen, in dem ich komplett offline bleibe. Das Buch klingt auf jeden Fall nach einer tollen Inspiration für mehr analog, danke für den Tipp :-).
    Liebe Grüße
    Verena

  13. Reply
    San
    22. März 2017 at 00:43

    Ach was, den, die, das Niki mussten wir damals auch programmieren… ich fand das damals furchtbar spannend :)

    1. Reply
      Bine | was eigenes
      25. März 2017 at 07:41

      San, Du bist komisch.
      ;-))))

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