Gelesen: Das Jahr des Rehs | Elisabeth wird vermisst | Die dreizehnte Fee.

Durch mein persönliches Experiment, um 5.00 Uhr morgens das warme Bett zu verlassen, kam ich vor den Sommerferien kaum dazu, meiner Leseleidenschaft zu frönen. Zu müde war ich abends, mir fielen schon auf dem Weg vom Badezimmer zum Schlafzimmer die Augen zu. Nun waren wir aber im Urlaub. Hach, Urlaub! Ich könnte schon wieder die Koffer packen. Dort am Pool, auf dem Balkon und im Bett habe ich alles verschlungen, was so lange darauf wartete verschlungen zu werden. Hier die ersten drei Empfehlungen für Euch:Buchempfehlung: Das Jahr des Rehs | waseigenes Blog

Das Jahr des Rehs* Ein wunderwundervoller Briefroman. Eigentlich ein Emailroman. Bella Becker und Sabine Born waren in der Jugend unzutrennlich. Nach dem Studium verloren sie sich aus den Augen. 17 Jahr später schreibt Bella eine Email an ihre alte Freundin Bine. Sie ist ein bisschen aufgeregt, weil sie zum einen gar nicht sicher ist, ob sie die richtige Email Adresse von Bine im Internet gefunden hat, zum anderen hat sie die Befürchtung, dass Bine vielleicht gar keine Lust auf die Wiederbelebung der alten Freundschaft hat. Bine hat aber große Lust und freut sich sehr über die Email ihrer Freundin. Die beiden schreiben sich fortan regelmäßig Mails, lachen und weinen über alte Zeiten, schreiben aber meistens über das Hier und Jetzt.

Bella lebt mit ihrem Sohn in Berlin. Sie ist Journalistin und hält an der On-Off-Beziehung zu ihrer Jugendliebe fest. Sie kann Gefühle so schön in Worte fassen, ist mal fröhlich glücklich und dann wieder traurig und betroffen. Bine ist in ihrem hessischen Heimatort hängen geblieben, ist erfolgreiche Architektin, hat zwei Kinder, Mann und Hunde. Sie ist unglücklich, die Ehe steht vor dem Aus. Immer mal wieder treffen sich die Freundinnen, was in weiteren Emails erkenntlich wird, aber die meiste Zeit schreiben sie.

„Schon 6.45 Uhr, guten Morgen nach Engbach, jetzt brauch ich ein Schokocroissant und einen starken Kaffee. Ob der Bäcker unten das weiß?! Und dann leg ich mich noch mal ins Bett, wenn die Sonne aufgeht an diesem Sonntag und der Mond sich versteckt bis zur nächsten Runde…

Mir hat dieses Buch unglaublich gut gefallen. Das Leben der beiden Frauen, die beide um die 40 Jahre sind, wird so real und greifbar erzählt. Es ist ein Gegenwartsroman, in den ich mich sehr gut reindenken und einfühlen konnte. Kurzweilig und inspirierend, selbst mal wieder mehr zu schreiben und zwar richtig zu schreiben, nicht nur Kurznachrichten zu verfassen. Vielen vielen lieben DANK, liebe Sarah, für dieses schöne Geschenk.

Elisabeth wird vermisst* Maud hat Alzheimer. Langsam aber stetig übernimmt diese Krankheit immer mehr ihren Geist, ihr Handeln, ihre Gedanken. Sie ist eine alte Dame, der niemand glaubt; eine alte Dame, die sich manchmal nicht sicher ist, ob sie sich selbst glauben kann. In ihrer Handtasche befinden sich unzählige kleine Notizzettel, auf denen Maud sich Dinge notiert hat, die sie nicht vergessen darf. Auf den meisten Zetteln steht „Elisabeth wird vermisst“. Maud ist sich ganz sicher, dass ihre Freundin Elisabeth vermisst wird. Bei ihr zu Hause macht niemand auf und ans Telefon geht sie auch nicht. Maud sucht Elisabeth und sucht immer wieder bei ihrer Tochter Helen Hilfe.

„Da hängt ein großer Zettel über dem Ofen, auf dem steht, dass ich mir nichts kochen soll, aber ich hätte doch so gerne ein Ei zu meinem Toast. Ein Ei zu kochen ist doch sicherlich erlaubt. Schließlich kann man das kaum kochen kennen. Ich drehe das Gas auf und fülle einen Kochtopf mit Wasser….

Helen kümmert sich um ihre Mama. Sie geht für sie einkaufen, wobei Maud selbst gut und gerne einkauft, am liebsten Dosenpfirsiche, und bittet sie immer  wieder, nicht den Gasherd anzustellen. Aus Mauds Sicht wird beschrieben, wie sie durch den Tag geht, wie sie vergisst, dass sie schon gegessen hat und sich deswegen schon wieder ein Toast mit Käse belegt. Sie vergisst den Weg von Elisabeths Haus zu ihrem eigenen Haus und so ist Helen immer wieder gefordert, ihrer Mama zu Hilfe zu eilen.

Maud kann das Hier und Heute nicht mehr verstehen, aber die Vergangenheit, die sieht sie gestochenscharf vor ihrem inneren Auge. Ihre Kindheit und Jugend, die Kriegsjahre, das Familienleben, der Untermieter Doug und das schlimmste und einschneidendste Ereignis: das Verschwinden ihrer älteren Schwester.

Emma Healey erzählt zwei Zeitebenen und das mag ich sehr. Mal machen wir uns auf die Suche nach Elisabeth, mal auf die Suche nach Mauds Schwester. Ob die beiden gefunden werden, verrate ich nicht. Elisabeth wird vermisst ist eine einfühlsame und spannende Geschichte und trotz der tragischen Umstände kommt der Humor keineswegs zu kurz.

Die dreizehnte Fee* Dieses Buch ist etwas für große Mädchen und große Märchen- und Fantasy-Fans. Es geht um Lilith, die 13. Fee. Bevor sie in einen tiefen und langen Schlaf fiel, tat sie Böses und hatte nie Mitleid. 1000 Jahre sind vergangen, sie ist erwacht und muss zu ihrem großen Schrecken feststellen, dass die Magie sie verlassen hat.

Das einzige, was sie sich wünscht ist Rache. Und doch erlernt sie von Tag zu Tag, was es bedeutet Trauer, Verlust, Eifersucht und Liebe zu erleben. Sie lernt Gefühle zu spüren und zu empfinden. Zusammen mit dem Hexenjäger macht sie sich auf die Suche nach ihren 12 Schwestern, die sie allesamt töten will. Auf der Reise durch das Märchenland fühlt sie sich immer mehr diesem rauen Kerl verbunden. Sie glaubt, Liebe zu empfinden, was sie nicht darf, denn die beiden verbindet ein trügerisches Band. Er ist der Hexenjäger. Er sucht und findet sie, um sie zu töten. Lilith weiß, wenn all ihre Schwestern, alle Feen,  getötet sind, wird er sie töten.

„«Es ist also wahr», seufzt sie leise lächelnd. «Als ich vom Ende der Kinderfresserin hörte, konnte ich es kaum glauben. Aber du hast sie wahrlich getötet.» «Ihr Name war Gretchen.» Meine Schwester wirkt erstaunt, so als habe ich ein gut gehütetes Geheimnis verraten. «Ach ja?» Ihr Blick findet den Hexenjäger, zuckt zurück zu mir. «Du reist mit ihm?» «Wir reisen nicht. Wir jagen.»…

Obwohl Lilith eine Antiheldin ist, war ich von ihr ganz begeistert. In einem Rutsch habe ich dieses moderne Märchen verschlungen und war am Ende zu traurig, dass ich nun erstmal auf den zweiten Teil warten muss! Der Schreibstil ist sehr eingängig, locker und doch auch berührend und poetisch!

Allen Fantasy-Fans möchte ich die 13. Fee sehr ans Herz legen, denn Julia Adrian ist eine sogenannte Indie-Autorin, die den Traum vom Schreiben eines Romans selbstständig in die Tat umgesetzt hat.

Dies waren die ersten drei Leseempfehlungen für den Sommer. Demnächst folgen: Die letzten Tage von Rabbit Hayes (sooo traurig-schön!), Der Club der Traumtänzer (so lustig!) und Sehr geehrter Herr M. (so anders)!

Sommerliche Schmökergrüße, Bine

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11 Kommentare

  • Reply
    Sylke
    17. Juli 2015 at 14:23

    Moin Bine,
    lieben Dank für die Buchtipps. Ich muss gestehen, dass ich im Moment kaum zum Lesen komme.
    Dank Hochzeiten, Taufen, Abi und Einschulung habe ich ja kein Sommerloch.
    Daher höre ich viele Bücher.
    ABER, was völlig an mir vorbei gegangen ist, ist Dein persönliches Experiment. Das habe ich mit Begeisterung gelesen und bin nachdenklich geworden. Vielleicht sollte ich das auch einmal probieren. Obwohl ich eher eine Nachteule bin.
    Ich muss das noch einmal etwas sacken lassen und werde es dann vielleicht auch einmal ausprobieren.
    Stehst Du nun nach dem Urlaub weiterhin um 5. 00 Uhr auf?
    Liebe Grüße aus dem Norden
    Sylke

    • Reply
      Bine [waseigenes]
      17. Juli 2015 at 19:58

      Seit wir aus dem Urlaub zurück sind, stelle ich den Wecker auf 6.00 Uhr.
      Das ist gerade OK für mich, weil die Kinder ja länger schlafen und ich somit
      weiterhin genügend Morgenstunden für mich habe :-)
      GLG Bine

  • Reply
    Sarah
    17. Juli 2015 at 19:18

    Hach, ich freue mich, dass ich mit dem Buch so ins Schwarze getroffen habe. Als es mir in der Buchhandlung in die Hände fiel, musste ich sofort an dich denken :-)
    >Elizabeth wird vermisst< habe ich letztes Jahr auch gelesen – schön und traurig zugleich, die Geschichte hing mir noch lange nach.
    Einen dicken Drücker aus H nach H, Sarah

    • Reply
      Bine [waseigenes]
      17. Juli 2015 at 19:57

      Liebelein, absoluter Volltreffer! Ganz toller und leichter Roman- perfekt für Sommertage!
      GLG Bine

  • Reply
    Tina
    18. Juli 2015 at 05:56

    Liebe Bine,

    danke fürDeine Tipps. Das erste habe ich mir gestern schon gekauft und nach dem zweiten schaue ich im Urlaub.

    Liebe Grüße
    Tina

  • Reply
    Biene
    18. Juli 2015 at 06:54

    Buchempfehlungen kann ich immer gebrauchen, vielen Dank dafür! Vor allem die ersten zwei klingen sehr gut. Sind direkt mal auf meiner Wunschliste gelandet :)

    Liebe Grüße, Biene

  • Reply
    Katrin
    18. Juli 2015 at 10:56

    Danke für die Tipps. Klingen alle Drei super. Kommen gleich auf meine Wunschliste!

  • Reply
    Ulla
    18. Juli 2015 at 15:51

    Danke, gute Buch-Tipps sind hier immer sehr willkommen.
    Herzlichst Ulla

  • Reply
    Sabine
    25. Juli 2015 at 23:53

    Ich wollte mich bedanken für diesen tollen Buchtipp. ( Elisabeth wird vermisst)Ich habe mir das Buch letzte Woche sofort gekauft, ist vorgestern angekommen. Bin gestern angefangen und lese in jeder freien Minute. Habe schon lange nicht mehr die Zeit und Ruhe gefunden und ein Buch, das mich so fesselt. Kann ich wirklich nur weiterempfehlen!
    DANKESCHÖN!!
    LG Sabine

  • Reply
    Franzy vom Schlüssel zum Glück
    28. Juli 2015 at 11:32

    Hachja..
    ich muss mir wirklich mal wiede rmehr Zeit zum Lesen nehmen.
    klappt bei mir irgendwie auch immer nur im Urlaub….

    Viele liebe Grüße

    Franzy

  • Reply
    Brieffreundschaften -
    13. September 2015 at 11:09

    […] Buch heißt “ Das Jahr des Rehs“ (ich werde sicher ganz bald berichten), und wurde von Bine auf Ihrem Blog  „was Eigenes“ empfohlen. Hach, dieses Buch erinnert mich, auch wenn ich noch nicht ganz durch bin ,so sehr an […]

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