Ich habe heute einen neuen Buchtipp für Euch, den sicherlich schon viele kennen: Die Assistentin von Caroline Wahl. Sowohl das Buch, als auch die Autorin waren in den letzten Wochen ja in aller Munde und weil ich die zwei vorherigen Bücher von ihr gelesen und auch die Verfilmung von 22 Bahnen im Kino gesehen habe, war ich nun sehr neugirig, wie das neue Buch von ihr ist.

Direkt vorweg: Ich fand’s richtig gut. Und darum geht’s in der Geschichte:
Charlotte würde am liebsten eine Karriere in der Musikbranche einschlagen. Auf Druck ihrer Eltern bewirbt sie sich jedoch bei einem Verlagshaus in München, bekommt den Job und beginnt dort nun also eine vernünftige Laufbahn. Sie wird die zweite administrative Assistentin des Verlegers.
Charlotte fühlt sich in München nicht wohl. Ihre Wohnung, die sie nur wegen der Nähe zur Isar ausgewählt hat, entpuppt sich als Fehlentscheidung und der Job ist auch eine riesengroße Fehlentscheidung, findet Charlotte. Aber Charlotte gibt sich Mühe, sie will es schaffen. Sie will es in München und auf den Posten der ersten administrativen Assistentin schaffen.
Ihr Chef macht ihr das Leben, den Alltag, den Job schwer. Mal ist er super gut drauf und quatscht mit ihr über Belanglosigkeiten oder über ihre klobigen Schuhe, schmunzelt, macht sich lustig darüber – und dann wird er wieder zum Dämon, kritisiert sie, fordert, nörgelt, motzt, jammert rum, dass es ihm ja auch nicht gut ginge und sie das doch wissen müsse… allein schon beim Gedanken daran läuft es mir eiskalt den Rücken runter. Was für ein furchtbarer Mensch.
Charlotte reiht sich ein, in eine lange Schlange Assistentinnen, die vor ihr bereits geflohen sind und sie wird nicht die Letzte auf diesem Posten sein. Aber sie will es schaffen. Sie will unter allen Umständen gute Arbeit abliefern, immer alles richtig machen, gelobt werden, und somit Erfolg haben. Und gleichzeitig will sie weg, erträgt sie nicht mehr diese Erniedrigungen, diese Stimmungsschwankungen, diese rund-um-die-Uhr-Bereitschaft. Abends flüchtet sie sich in ihre Musik und ins Joggen. Die Eltern sind weit weg, sind telefonisch für sie da, aber eigentlich auch nicht, denn sie verstehen überhaupt nicht, was da in München vor sich geht.
Mir hat die Geschichte nicht nur gut gefallen, auch der Schreibstil hat mich angesprochen. Diese ständigen Wiederholungen einzelner Worte oder Sätze, auch die kurzen Sätze und Abschnitte – es las sich, als ob eine gehetzte und gestresste Charlotte, die einfach wahnsinnig genervt und obendrein auch total hilflos ist, von ihrem Alltag erzählt. Gleichzeitig ist die Erzählerin die Chefin. Sie greift schonmal vor, lässt hier und da fallen, was in der Zukunft passieren wird, holt uns dann aber zurück ins Hier und Jetzt – weil soweit sind wir ja noch nicht.

Über das Buch, über den Schreibtstil und über die Autorin wurde im Netz viel lamentiert und diskutiert. Ich meine, man hätte mal mehr über den Inhalt sprechen sollen, denn von diesen bescheuerten und machtbesessnen Vorgesetzten haben wir wohl alle schonmal gehört, wenn wir sie nicht sogar selbst erlebt haben. Und deswegen habe ich mit Charlotte gelitten, als sie überhaupt keine Kraft hatte, sich gegen den Job und für sich zu entscheiden. Ich war stolz auf sie, als sie es endlich schafft, diesem Typ den Rücken zuzukehren und einfach nicht mehr zurück zugehen.
Gutes Buch, gute Geschichte.
Titel: Die Assistentin
Autorin: Caroline Wahl
Seiten: 368 Seiten
Herausgeben: Rowohlt
Habt einen schönen Freitagabend Ihr Leseratten!
Habt’s gemütlich oder habt’s wild, ganz wie Ihr wollt.
Liebe Grüße Bine
Letzte Aktualisierung am 2025-09-29 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API
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4 Kommentare
Vielen Dank für die Rezension. Jetzt hab ich doch noch Lust, das Buch zu lesen :)
Und ich bin jetzt sehr gespannt, wie Du es dann findest… :-)
Liebe Grüße Bine
Danke für deine Einschätzung. Ich hatte die Leseprobe (das ist nur ein Auszug) gelesen und mich hat das schon so getriggert, dass ich das nicht lesen wollte. Sehr nah an der Realität und darum für mich sehr beklemmend. Das sollten mehr Menschen lesen und erkennen, was Assistentinnen alles so aushalten müssen und was hinter den stylischen Bürotüren so abgeht.
Lieben Gruß
Ilka
Absolut, liebe Ilka, ich weiß, was Du meinst und ich finde auch, dass mehr über das Thema, als über die Autorin gesprochen werden sollte.
GLG Bine