Rückblick

Das war mein August 2020 – ein halbes Jahr Corona.

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Der 1. August startet – wie jedes Jahr – mit einem Ständchen und Geschenken. Doch dann gibt’s dieses Jahr etwas ganz Besonderes: wir packen das Auto und fahren nach Noordwijk. Dort verbringen wir zwei traumhafte Tage mit Freunden am Strand. So beginne ich gerne das neue Lebensjahr.

Ein paar Tage später bin ich im Zentrallager von REWE zu Besuch. Ich darf einen Blick hinter die Kulissen werfen, was so ein Sendung-mit-der-Maus-Gefühl ist. Ich finde sowas ja immer großartig und unglaublich spannend.

In dieser ersten Woche im August verkündet Frau Gebauer, dass die Schulkinder der weiterführenden Schulen, nach den Ferien, Masken tragen müssen. Ja, sie tun mir leid, denn das Wetter ist bombastisch und sehr heiß, aber mein Gott! Es hat einen Grund!

Kaum sind die Koffer ausgepackt und alles gewaschen, müssen wir schon wieder packen. Wir düsen runter in den Schwarzwald, denn mein Schwiegervater zieht um und da packen wir alle mit an. Bei 38° Grad ist das ganz schön schweißtreibend, aber wir belohnen uns abends im Biergarten mit Maultaschen und einem oder zwei oder drei Radler.

Am vorletzten Ferientag lassen wir es nochmal krachen und gehen zur viert in Kölle frühstücken. Das Wetter ist toll, das Essen lecker, nur die vielen Wespen nerven. Ich führe mein neues Shirt aus.

Genäht habe ich das Schnittmuster Maseike von Kibadoo. Der Viskose-Jersey ist von Stoff & Stil. Und der Schriftzug – Wouldn’t it be good (to be in your shoes… even if it was for just one day?) habe ich selbst gemacht. Habt Ihr jetzt einen Ohrwurm? Gern geschehen.

12. August 2020 – Schulstart in NRW und gleich die ersten Schlagzeilen, dass Schulen schon wieder geschlossen wurden oder Lehrer und Schüler teilweise in Quarantäne geschickt wurden. Zum russischen Impfstoff sag ich jetzt mal nichts.

Damit die Kinder im Laufe des Schultages ihre Masken wechseln können, habe ich noch flott einen Schwung genäht.

Am nächsten Wochenende treffen wir die liebe (kleine) Familie, denn ein runder Geburtstag muss gefeiert werden. Ich koste zum ersten Mal gegrillte Lauchzwiebeln im Speckmantel und bin ganz begeistert.

Wir übernachten bei meinen Eltern am Niederrhein und am nächsten Tag fahren wir vier nach Xanten. Den Ausflug haben mir die Kids zum Geburtstag geschenkt. Ich glaube, ich war selbst zuletzt in Xanten, als ich selbst noch Kind war. Der Archäologische Park ist so ein bisschen toll, aber dafür ist die Stadt Xanten ganz bezaubernd.

Was mich im Laufe des Tages immer wieder bewegt: ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie während des Shot Downs der Bürgermeister von Xanten im WDR sagte: Bitte kommen Sie uns nicht besuchen, alle Geschäfte haben geschlossen. An diesem Tag im August haben alle Geschäfte und Cafés geöffnet, es ist nicht voll, aber auch nicht leer.

Ach so – ich habe schon wieder ein neues, selbst genähtes Shirt an. Wieder eine Maseike, diesmal mit „hello again“ Schriftzug.

Am 14. August sind die Fallzahlen höher als Mitte Mai. Mallorca wird zum Risikogebiet erklärt, das geplante Konzert in Düsseldorf wird in den Medien rauf und runter diskutiert. Mir wird ein bisschen schlecht. Vielleicht, weil ich schon wieder so viel Normalität im Alltag erlebe, aber ganz genau weiß, dass hier noch gar nix normal ist.

Ich habe schon wieder dieses Sendung-mit-der-Maus-Feeling, denn ich besuche einen Milchbauern in Erftstadt, der mich ebenfalls mit hinter die Kulissen nimmt. Davon berichte ich Euch demnächst ausführlich. Jedenfalls bringe ich vom Hof Vla mit und den esse ich zusammen mit Johannisbeeren – köstlich!

Der erste Elternabend findet statt. In diesem Jahr nicht analog in der Aula der Schule, sondern zu Hause am Küchentisch.

Am nächsten Tag bringe ich den Mann zur Darmspiegelung und am Tag darauf passiert mir etwas wirklich Bescheuertes. Ich verletzte mich selbst am Auge – Riss in der Hornhaut – und liege dann erstmal das Wochenende über flach. Was für scheiß Schmerzen. Ich creme und tropfe und tropfe und creme, denn am Sonntag will ich wieder fit sein.

Da findet nämlich die Konfirmationsfeier unserer kleinen Freundin statt. Wir genießen das sehr – aber diese Warnung, dass gerade bei Familienfeiern die Ansteckungen steigen verunsichert mich. Mittlerweile mehr als 2.000 Neuinfektionen, höchster Wert seit Ende April. In den Medien wird mittlerweile das Thema Karneval diskutiert.

Ein schöner Nachmittag unter freiem Himmel: Konfirmationskaffee mit lecker Kuchen, Sekt und Latte Macchiato.

Ein paar Tage späte erwähnt der Sohnemann im Klassenzimmer, dass er Halskratzen habe. Daraufhin wird er gleich nach Hause geschickt und muss am nächsten Tag auch dort bleiben. Wir beide nutzen die Chance und fahren Oma und Opa und das Apfelparadies besuchen.

Das Kind hat übrigens nur einen leichten Schnupfen. Und Oma und Opa drücken und küssen wir schon seit einem halben Jahr nicht mehr.

Das Land NRW verkündet: ab 1. September müssen die Kinder an ihren Plätzen in der Klasse keine Masken mehr tragen.

Das erste Turnier der Tochter findet statt. Am Platz müssen wir Besucher unsere Daten aufschreiben.

Meine erste Kürbissuppe in diesem Jahr. Die habe ich allerdings nicht selbst gekocht, dafür liegt aber hier schon ein Hokkaido parat.

An diesem Tag findet diese Demo in Berlin statt. Dass dürfen wir hier in Deutschland, wir dürfen demonstrieren! Aber: wenn ein anderer in der Demo eine bestimmte Flagge schwenkt, dann spätestens sollte der Groschen gefallen sein, dass man sich auf der falschen Demo befindet. Dass einige Demonstranten die Absperrung vor dem Reichstag durchbrechen, finde ich einfach nur widerlich und verachtenswert. Auch die Pfiffe gegen Spahn in Bergisch Gladbach… was für Idioten!

Nun haben wir also den 1. September 2020. Hatte ich im Frühjahr noch die Hoffnung, dass sich zum Herbst wieder etwas Normalität einspielen wird, weiß ich heute, dass das nicht so sein wird. Die Kölner Weihnachtsmärkte wurden teilweise schon abgesagt und auch Karneval werden wir im nächsten Jahr wohl nicht feiern. Alles bleibt beim Alten. Beim neuen Alten.

Aber so ist es eben. Da gibt’s nichts zu meckern und zu jammern, da müssen wir jetzt durch und da müssen wir mit leben.

Liebe Grüße
Bine

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14 Comment

  1. Reply
    Doro
    1. September 2020 at 13:07

    Hallo Bine,

    normalerweise schaue ich auf diesem Blog nach Rezepten und Genähtem und und und … dafür ist er ja auch da. Aber es freut mich, dass du mit deinem sonst unpolitischen Blog so deutlich Stellung beziehst, was die Demo in Berlin und den „Empfang“ von Spahn angeht. Manchmal muss man einfach Klartext reden. Danke!

    Viele Grüße
    Doro

    1. Reply
      Bine | was eigenes
      1. September 2020 at 20:33

      Liebe Doro, ich freue mich, dass Du zu mir kommst, um nach Rezepten, Genähtem, usw. zu schauen. Ja, das sind meine Themen. Politik hat hier nicht viel zu suchen… aber in diesem Fall konnte ich meine Meinung nicht zurückhalten. :-)
      Liebe Grüße, Bine

  2. Reply
    Indina
    1. September 2020 at 13:19

    Liebe Bine,
    mir ging’s gerade ebenso wie meiner Vor-Schreiberin: DANKE für die klaren Worte!
    LG Indina

    1. Reply
      Bine | was eigenes
      1. September 2020 at 20:33

      Nichts zu danken, liebe Indina!
      Ich danke Euch, dass Ihr bis zum Schluss gelesen habt! ;-))
      Liebe Grüße, Bine

  3. Reply
    nic
    1. September 2020 at 13:29

    Von allen die die ganze Corontäne durchgearbeitet haben, weil wir an der frontline sind – Danke für’s Nicht-Jammern, von dem wir schon viel zu viel lesen und hören. Wir mit den Hazmat-Anzügen und Gasmasken im Schrank denken dabei jedes Mal nur müde: Wollt Ihr lieber tauschen? In diesem Sinne – bleibt sicher, bleibt vorsichtig, schützt Andere. ♥nic

    1. Reply
      Bine | was eigenes
      1. September 2020 at 20:35

      Liebe Nic,
      nichts liegt mir ferner, als zu jammern – denn uns geht es durchaus gut. Und die Einschränkungen sind absolut zu ertragen.
      Da danke ich lieber Dir von Herzen für`s Arbeiten ganz vorne mit Gasmasken….
      Bleib auch Du gesund und vorsichtig!
      Liebe Grüße, Bine

  4. Reply
    Martina
    1. September 2020 at 14:06

    Liebe Bine.
    Ich bin ja immer auf der Suche nach offenen ehrlichen Meinungen va auch um meinen Blickwinkel auf die Dinge zu erweitern und deshalb frage ich jetzt heute mal frei heraus die für mich eingefleischteste Karnevalistin, die ich kenne: „Wie schmerzhaft wäre es für dich auf Karneval 2021 zu verzichten?“Du musst natürlich nicht antworten. Aber es würde mich einfach interessieren, für mein Grundgefühl. Wieviel man aushalten kann und was dann eben auch mal zu viel des Guten ist.
    Liebe Grüße aus dem warmen Spätsommer Hamburg
    Martina.

    1. Reply
      Bine | was eigenes
      1. September 2020 at 20:39

      Liebe Martina,
      ich freue mich, dass Du an mein Karnevalsherz denkst!;-))
      Ja, es blutet. Natürlich bin ich traurig… aber jetzt aktuell kann ich es mir überhaupt nicht vorstellen Karneval zu feiern. In unserer geliebten Dorfkneipe, mit vielen Freunden und bekannten Gesichtern, eng, schunkeln, singen… wie soll das funktionieren? Ich habe aus genau diesem Grund meine Geburtstagsfeier dieses Jahr abgesagt. Wenn ich feier, dann bitte richtig. So macht das keinen Spaß.
      Aber, von nicht-Karneval-feiern geht für mich die Welt nicht unter. Irgendwann werden wir es wieder tun dürfen, da bin ich mir sicher.
      Liebe Grüße, Bine

  5. Reply
    Brigitte
    1. September 2020 at 16:31

    Hallo Bine,

    ein schöner Rückblick, du/ihr habt viel erlebt, trotz der Einschränkungen.

    Auch ich bin der Meinung, so lange es keinen Impfstoff gibt, müssen wir uns und unsere Mitmenschen schützen. Wir können und sollten verzichten und bescheidener werden, denn Tote bringt niemand zurück. Was ist da schon dabei, eine Maske zu tragen?

    Ich habe gerade noch in der Zeitung einen Artikel gelesen, in dem der Leiter der größten Lungen-Reha-Klinik schreibt, dass es den betroffenen Menschen nie so gut wie vor der Infektion geht. Zwei der ersten Corona-Infizierten können nach 5!!! Monaten Reha endlich beginnen, auf den Rollator zu verzichten. Und das waren junge Leute!

    Die Leute in Berlin – da fehlt mir wirklich das Verständnis – wo haben die ihr Gehirn gelassen? Wie kann man sich so instrumentalisieren lassen? Manchmal glaube ich, uns geht´s zu gut, wenn ich da z.B. nach Belarus schaue….

    Beste Grüße aus dem klimatisch endlich ertragbarem Münsterland – Brigitte

    1. Reply
      Bine | was eigenes
      1. September 2020 at 20:42

      Liebe Brigitte!
      Ja, wahrscheinlich geht es uns zu gut. Was wir alles dürfen, das wird überhaupt nicht gesehen. Wenn ich da an Italien und Spanien vor wenigen Wochen noch denke… Ausgangssperre! Und wir? Hatten nur Toilettenpapier-Not.
      Ich sehe es ganz genauso, wie Du: was ist schon dabei, eine Maske zu tragen. So viele Menschen müssen dies den ganzen Tag tun, weil es ihr Job von ihnen verlangt.
      Liebe Grüße, Bine

  6. Reply
    Iris
    1. September 2020 at 20:21

    Was für ein schöner Rückblick. Ich teile deine Ansicht vollkommen. Danke, dass Du das so offen ansprichst.
    LG

    1. Reply
      Bine | was eigenes
      1. September 2020 at 20:43

      Nichts zu danken, liebe Iris.
      Musste raus, konnte ich nicht bei mir behalten.
      Ausserdem ist der Monatsrückblick für mein ein Tagebuch Eintrag – ich bin jetzt schon gespannt, wie ich diesen Blogpost in einem Jahr lese…
      Liebe Grüße, Bine

  7. Reply
    Kathrin
    1. September 2020 at 21:03

    Hallo liebe Bine,

    ich mochte deine Monatsrückblicke schon immer wirklich gern, aber mittlerweile finde ich sie echt bewegend. Weil du eine klare Meinung hast. Und weil ich mich in deinen Gedanken total wiederfinde. UND: weil diese irre Zeit so irre ist, dass ich am Ende deines August mal resümiere, wie meiner war. Das hätte ich fast vergessen. Irgendwie hält man vor lauter informieren, überlegen, abwägen und nicht zuletzt organisieren garnicht mehr inne.

    Wir waren am Sonntag in Köln im Zoo. Der erste große Ausflug in diesem Jahr. Wir sind ganz früh hin. Es sollte ein toller Tag werden und es war ein toller Tag. Aber die ganze Zeit war ich angespannt, damit meine Kinder niemandem zu nahe kommen und vor allem, damit niemand uns zu nahe kommt.
    Ich war danach platter als meine Kinder. Weil es toll und schön und wunderbar war. Aber immer mit Anspannung.

    Ich wünsche uns allen, dass bald wieder Zeiten kommen, in denen die Kinder einfach Kinder sein dürfen und wir Eltern ganz entspannt und lächelnd dabei zuschauen.

    Viele Grüße, Kathrin

  8. Reply
    Herzliebchen
    2. September 2020 at 16:09

    Liebe Bine,
    ich kann mich den Vorrednerinnen/Schreiberinnen nur anschließen – DANKE, dass Du klare Worte findest und nicht „meckerst“.
    Dein „Ja, so ist es jetzt halt“ tut gut.
    Vielen Dank dafür!
    Herzlich Herzliebchen

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