Buchtipp: Trümmerkind – ein historischer Kriminalroman.

Buchtipp: Mechthild Borrmann Trümmerkind | waseigenes.com

Hanno ist immer unterwegs. Manchmal nimmt er seine kleine Schwester mit, wenn er in den Trümmern des vom Krieg zerstörten Hamburgs nach Gegenständen sucht, die er auf dem Schwarzmarkt verkaufen kann. Meist sucht er Brennholz. Seit sein Vater als vermisst gilt, fühlt er sich verantwortlich für seine kleine Familie. Hanno, Wiebke und deren Mama Agnes leiden an Hunger und Kälte. Während Hanno immer unterwegs ist, nimmt seine Mama Näharbeiten an. Sie bessert Kleidungsstücke aus; immer darauf bedacht, dass der Faden nicht reißt, dass die Nadel noch lange gut näht. Neues Material kann sie sich nicht leisten, gibt es sowieso nicht zu kaufen.

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Eines Tages bringt Hanno einen etwa dreijährigen Jungen mit nach Hause. Das Kind ist völlig verdreckt und anfangs ganz still. Dass Hanno in der Nähe des Kindes die Leiche einer toten, nackten Frau in den Trümmern gesehen hat, das verschweigt er seiner Mutter zunächst. Die ist nicht glücklich über einen Esser mehr in der Familie, aber sie bringt es nicht übers Herz das Kind wegzugeben. Sie gibt ihm einen Namen und zieht ihn fortan auf. Joost wird später Anwalt in Hamburg. Dass er ein Findelkind ist, erfährt er viele Jahre später durch einen Zufall.

Parallel erzählt Mechthild Borrmann die Geschichte um Heinrich Anquist und seiner Familie, die in der Uckermark ein großes Gut besitzen, 1945 aber vor der roten Armee flüchten müssen. Über Umwege und viele Unwägbarkeiten, landet dieser zusammengewürfelte Haufen Menschen in Lübeck. Heinrich, zunächst verhaftet, trifft dort seine Tochter Clara, die wiederum Heinrichs Schwiegertochter und Enkel sowie Alfred und Luise Brandner im Schlepptau hat. Sein Sohn ist im Krieg gestorben. Eigentlich wollen sie weiter nach Spanien, raus aus dem zerbombten Deutschland, rein in ein besseres Leben, aber es kommt alles anders. Alles viel schlimmer.

Wieder ein Schnitt, wieder eine neue Erzählperspektive: 50 Jahre später macht sich eine junge Frau namens Anna auf die Suche nach ihrer Familiengeschichte. Ihre Mutter ist eine mürrische alkoholkranke Frau, die die Vergangenheit endlich ruhen lassen will. Statt dem Wunsch der Mutter nachzugeben kommen Anna immer mehr Zweifel. Sie reist in die Uckermark und was sie daraufhin alles zu Tage fördert ist haarsträubend.

Zum Ende hin bildet sich ein Gesamtbild, auf das ich als Leserin natürlich gewartet habe. Mechthild Borrmann hat mich jedoch ziemlich lange im Dunklen gelassen- die Bombe platzt zum Schluss.

Es ist ein historischer Kriminalroman*, der mich manches Mal erschauern ließ. Die Handlungsstränge, die anfangs scheinbar nichts miteinander zutun haben, fördern nach und nach Familiengeheimnisse zu Tage, die mal gute, mal böse Absichten hatten. Es geht um Hoffnung und ums Überleben, aber auch um Skrupellosigkeit und Vertuschungen. Und es geht ums Verschweigen und Verdrängen, Nicht-wahr-haben-wollen und dieses „lass gut sein, es ist vorbei“.

Ich mag mir darüber kein Urteil bilden – das dürfen nur die Menschen, die diese grausame Zeit durchlebt haben, aber dennoch hat es mich manches mal wütend und traurig gemacht und ich frage mich, in wievielen Familien während der Kriegszeit ähnliche Dinge vorgefallen sind?

Das Büchlein- ich schreibe Büchlein, denn es hat nur 300 Seiten, habe ich in einem Rutsch gelesen, weil ich es einfach nicht aus den Händen legen konnte. An manchen Stellen hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht- andererseits war ich fasziniert von der knackigen und lebendigen Erzählweise. Auf 300 Seiten wurde alles gesagt.

Ich wünsche Euch viel Freude beim Lesen. Lasst mich wissen, wie Euch Trümmerkind* von Mechthild Borrmann gefallen hat, ja?

Liebe Grüße, Bine


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9 Kommentare
  1. Gabi sagte:

    Liebe Bine,
    wieder mal ein Buchtipp, dem ich sicher gerne folgen werde… wir scheinen einen ganz ähnlichen Geschmack zu haben, was Bücher angeht!
    Deine Beschreibung hat mich auf jeden Fall sehr neugierig gemacht und ich das Buch steht jetzt auf meiner Urlaubs-Bücherliste.
    Einen schönen Sonntag noch…
    Liebe Grüße
    Gabi

    Antworten
  2. Janine sagte:

    Hallo Bine :)
    Das Buch klingt sehr interessant & ich habe es sofort auf meine Hørbuchliste gesetzt.
    Mittlerweile gehøren deine Buchvorstellungen zu meinen Lieblingsposts auf deinen Blog – du hast da einen echt tollen Geschmack.
    Ich wünsche dir eine tolle Woche.
    Alles Liebe
    Janine

    Antworten
  3. Pamela sagte:

    Also das Buch hat mich auch angesprochen….werde mal in unserer Bücherei schauen und mir das dann auch mal „reinziehen“….Mich interessieren solche Geschichten auch…..es sind die kleinen aber feinen Geschichten, die das Leben schrieben….

    Antworten
  4. Beate Kalauch sagte:

    Liebe Bine,
    das Buch ist sehr lesenswert, ich habe es vor einiger Zeit aus der Bücherhalle gehabt und es ist mir durchaus noch sehr präsent. Erschütternd, aber auch informativ, man kann sich heute nicht vorstellen, wie das wirklich gewesen sein mußte. Und eigentlich wiederholt sich Geschichte immer wieder und auch heute gibt es Menschen, die Flüchtenden nicht das Schwarze unter dem Nagel gönnen oder abgeben mögen….
    Liebe Grüße und eine schöne Woche für Euch!
    Beate

    Antworten
  5. Petra sagte:

    Liebe Bine, ich habe das Buch schon vor einiger Zeit gelesen. Es hat mich sofort in seinen Bann gezogen und ich war sehr oft über die Handlung erschüttert. Dabei möchte ich mich meiner Vorrednerin anschließen, Geschichte wiederholt sich. Denken wir doch an die vielen jungen Menschen, die in unser Land geflüchtet sind und sich ein besseres Leben wünschen. Liebe Grüße Petra

    Antworten
  6. ina sagte:

    Liebe Bine, habe das buch sogleich beim hörbuchdealer runtergeladen und höre es seitdem auf dem weg zur arbeit und wieder nach hause. kann das ende kaum erwarten und will doch nicht, dass es zu ende geht. bis jetzt gefällt es mir sehr gut. geschichte wunderbar in verwobenen familiengeschichten eingebunden.
    Danke für den tipp!
    schönes WE

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  7. Ursel sagte:

    Ich habe das Buch gehört und kann es wirklich auch sehr empfehlen. Man kann schon eine Gänsehaut bekommen, wenn man das hört/liest.

    LG Ursel

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