Manchmal rattert das Gedankenkarussell, dann muss ich aufschreiben, was mir im Kopf herumschwirrt. Unter “Gedachtes” sammel ich alle Gedankenschnipsel-Artikel. Es geht ums Leben, um den Alltag, um Wünsche und meine Meinung. Ich freue mich auf den Austausch mit Euch!
Hier, in meinem Backend- also, der Teil meinem Blogs, in dem ich meine Artikel schreibe, auf Eure Kommentare antworte und mir meine Statistiken anschaue- hier liegen mindestens drei angefangene Blogposts zu den Themen: Snapchat, neue Apps, heißer Scheiss und lass’ mich damit in Ruhe.
Als Snapchat sich langsam aber ziemlich bestimmt seinen Weg in meine social media Kanäle grub und schlug und ich immer mehr davon mitbekam und las, war meine allererste Reaktion: Ach komm! Das geht auch wieder weg. Ist nur was für Teenies. Trotzdem war ich neugierig und lud mir die App auf’s Handy. Ich fand einige mir bekannte Gesichter dort und schaute ihnen zu, wie sie in ihren vier Wänden, meist auf der Couch, manchmal im Bett, sassen und erzählten. Über dieses und jenes, über nix Besonderes, mal lustig, mal langweilig.

Neuer heißer Scheiß? Wohl eher neuer heißer Zeitfresser. Aber gelöscht habe ich die App dennoch nicht. Ich versuchte mich mit ihr auseinander zu setzen, sie zu verstehen. Selber dort einmal ein Video hochladen? Gott bewahre! Nein! Warum? Weil ich weiche Knie und schlimmes Herzrasen bekomme, wenn ich in eine Kamera sprechen soll. Das ist gefährlich in meinem Alter. Mit mit einem möglichen Herzinfarkt sollte man nicht spaßen.
Einmal lud ich trotzdem einen kurzen Snap hoch. Das war aber ein Versehen. Ich ging mit Mollie spazieren und filmte ihren wackelnden Hintern und meine Füße. Zu hören waren nur die knirschenden Steine unter meinen Füßen und wahrscheinlich mein Keuchen und Schnaufen. Zack war dieser kleiner Film online und zack kamen die ersten Nachrichten: “Oh, hallo Bine! Biste jetzt auch hier?” Ich bekam einen mords Schreck und lösche sofort mein Schnaufen und Mollies wackelnden Hintern. Scheiße, ich bin zu alt dafür!
Nee, Snapchat ist nix für mich, sagte ich immer und unterstrich meine Meinung mit Kopfnicken. Und dabei dachte ich: Aber, wenn das alle machen? Wenn das irgendwie dazu gehört? Wenn man das irgendwie machen muss? Wenn das jetzt doch in ist und nie nie nie wieder weg geht? Wenn man mit diesem Internet ja auch irgendwie Geld verdient… muss ich dann nicht auch dort präsent sein? Ich möchte ja schon gerne mitspielen!
Ich traute mich nicht. Ich finde es ätzend meine eigene Stimme zu hören. Filme ich mein Gesicht von unten, habe ich ein Doppelkinn. Filme ich mich von oben, sieht man meine grauen Haare. Du bist bescheuert, sagte ich mir. Die anderen quatschen so unverkrampft ohne Make-Up in die Kamera, … trau Dich. Zur Not gibt’s ja diese Beautyfilter. Die glätten die Haut und lassen Pickel verschwinden.
Bis heute habe ich keinen (weiteren) Snap bei Snapchat hochgeladen.
Dann kamen plötzlich die Instagram Stories. Oh! Ah! Na sowas! Da hat sich der kleine Mark Elliot seine eigene Spielwiese gebastelt, wenn er die Spielwiese von Evan Thomas schon nicht kaufen kann. TsTsTs!
Ich sah plötzlich zig Menschen in Aktion, denen ich bei Instagram folge. Ich konnte ja gar nicht dran vorbei gehen, denn die Stories werden mir in meinem Feed ganz prominent da oben angezeigt. Ich klickte mich durch und schaute zu, was sie zu sagen oder zu zeigen hatten. Bäm! Das mache ich jetzt auch! Vergiß Doppelkinn und graue Haare. Ich setzte mich ins Wohnzimmer, nahm drei Anläufe und lud dann meine erste Story hoch. Die Resonanz war einfach nur schön. Viele Follower schrieben mir kurze Direct-Messages “Schön, Dich mal in echt zu sehen!”. “Sympathisch, Deine Stimme!” und sowas eben. Lauter Nachrichten, die mich überwältigten und mir ordentlich Honig ums Maul schmierten. DANKE!
Cool, ich kann das, dachte ich. Und es hat nicht weh getan. Seitdem habe ich drei Stories hochgeladen. Gestern waren wir z.B. in Köln frühstücken. Ich zeigte nur ein paar kurze Stories von der Aachener Strasse. Nix Besonderes. Aber: ich habe gesprochen. Einfach drauf los und habe, ohne es zu kontrollieren und nochmal selbst zu hören, einfach hochgeladen. So what?! Das bin ich und in 24 Stunden ist es eh wieder weg.
Ich mag Instagram Stories. Und ich mag Snapchat (gucken). Ich mag die Stories aber ein bisschen lieber. Hier meine persönlichen Pros & Contras:
Instagram Stories:
+ alles in einer App. Fotos und Stories. Quasi ein all-inclusive-Paket.
+ Menschen, die mir folgen und denen ich folge, sind schon da und müssen nicht gesucht werden.
– der User ist geneigt, zu allererst die Stories anzusehen und hat dann keine Zeit oder keine Lust mehr, durch die Fotos zu scrollen. Das passiert mir seit ein paar Tagen. Zu viele Stories. Zu wenig Zeit und das ist doof, denn eigentlich ist Instagram ja eine Foto-App.
+ Die Bedienung ist einfach und leicht verständlich.
– Viele User scheinen sich noch nicht zu trauen richtige Stories zu erzählen und reihen nur Standbilder aneinander. Finde ich persönlich langweilig. Diese Fotos könnte man auch in den eigenen Feed hochladen.
+ Die Reichweite ist schon da. Die muss ich man sich nicht aufbauen.
– Huch, die habe ich mir aber ganz anders vorgestellt! Mit den Stories kann man durchaus Follower verlieren. Aber auch gewinnen.
+ Man kann Stories (noch?!) nicht abonnieren. Es wird alles in den Feed gespült, was hochgeladen wird. Manches will ich aber nicht sehen.
+ Viele Instagram Nutzer legen Wert auf ästhetisch schöne Bilder und das zeigt sich auch in den Stories.
– Dadurch wirken manche Stories aber auch langweilig. Da ist kein Bums hinter, kein Boah-ich-muss-Euch-mal-was-erzählen. Lauter Blümchen und Kaffeetassen.
Snapchat:
– Die Handhabung und Bedienung ist nicht einfach. Man braucht ein paar Tage (Wochen?!), um die App wirklich zu verstehen.
+ Lustige Filter peppen die Snaps auf.
– Lustige Filter können auch ganz schön nerven. Kotzende Einhörner? Dafür bin ich zu alt.
+ die User (die ich bisher gefunden habe) erzählen. Von ihrem Tag, von Erlebtem, von ihrer Meinung. Großer Unterhaltungswert.
+ Dadurch empfinde ich einige Snaps als sehr viel gehaltvoller.
+ Snapchat ist der Pionier. Das sagt #TeamSnapchat. Stimmt. Aber, ganz ehrlich: wer hat’s erfunden? Ist ein alter Hut.
+ Bietet Geotags. Interessant aber nicht wirklich wichtig.
– Was hat diese Zahl unter meinem Namen zu bedeuten?
– Wer folgt mir? Wem soll ich folgen? Warum gibt es keine Vorschläge. Es bleibt mysteriös.
Mein persönliches Fazit: Ich werde Snapchat nicht von meinem Handy löschen. Ich werde weiterhin reinschauen. Aber ich werde sicherlich nicht nach neuen Snapchattern suchen. Um meine exhibitionistische Seite ausleben zu können- oder, nur um über meinen eigenen Schatten zu springen (raus aus der Komfortzone!), werde ich hin und wieder die Stories nutzen. Ein bisschen was zeigen und dabei erzählen.
Und am Ende bleibt eine einzige Frage: warum laden wir Gesagtes und Gemachtes in dieses Internet hoch und nehmen in Kauf, dass es nach 24 Stunden wieder weg ist? (Was ist das für eine neue Kultur? Wäre es nicht viel erfüllender und befriedigender etwas Bleibendes zu schaffen?)
Es bleibt auf jeden Fall spannend. Wie ist Eure Meinung zu den Instagram Stories? Zu Snapchat? Zu beidem? Zu 24-Stunden-Videos? Fällt es Euch z.B. leicht in die Kamera zu quatschen? Und habt Ihr es auf dem einen oder anderen Kanal schon getan?
Liebe Grüße, Bine
PS. Weitere gute und interessante Ansichten zu diesem Thema gibt es auch bei wired, Luzia Pimpinella, Amigaprincess, Andyssparcles. Sonst noch jemand?
