Buchtipp: Unterleuten von Juli Zeh

Buchtipp: Unterleuten von Juli Zeh | waseigenes.com

640 Seiten Konflikte und Lebensschicksale, komplex und vielschichtig, knackig und raffiniert auf den Punkt gebracht. Es ist ein Gesellschaftsroman. Es geht um Menschen. Menschen, die seit eh und je in diesem Dorf Unterleuten in Brandenburg leben oder ganz neu dahin gezogen sind. Raus aus der Stadt, rein in die Natur. Und sie haben so wenig Ahnung von dem, was da alles schon vor ihrem Eintreffen passiert war.

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Sie leben in ihrer eigenen Welt, sind ein verschrobenes Volk, diese Unterleutner, wollen eigentlich niemandem etwas Böses, aber sie leben schon zu lange zusammen, sind zu sehr vernetzt, verzweigt, verwandt. Streitigkeiten schlummern unter dem Idyll, alte Fehden, Verletzungen, Intrigen, Machtgeschacher. Sie regeln alles alleine. Polizei wird nicht gebraucht, ist nicht erwünscht, man kennt sich, man hilft sich, irgendeiner hat immer eine Rechnung offen und das wird nicht vergessen.

[Zitat] „Unter Leuten, die daran gewöhnt waren, ihre Angelegenheiten selbst zu regeln, ging es eben manchmal etwas rau zu. Natürlich gab es auch haufenweise Legenden, die dabei halfen, sich gegenseitig verdächtig zu finden. Wie Grombowski mit seiner LPG-Umwandlung das halbe Dorf betrogen habe. Wie es bei dem schrecklichen Unwetter, in dem Erik sein Leben und Kron die Beweglichkeit seines Beins verloren hatte, nicht mit rechten Dingen zugegangen sei. Wer alles für die Stasi gearbeitet habe.“

Uli Zeh ist eine Sprachkünstlerin, zeichnet die Charaktere so treffend und ohne Schnörkel, baut langsam eine Spannung auf, läßt mich unruhig im Sessel hin und herrutschen. Das darf doch alles nicht sein? Wie kann er nur? Die haben doch nicht wirklich? Was für eine blöde Gans!

Nein, sie wollen alle nichts Böses, aber sie wollen alle ihren Vorteil. Der alte Kron, eine DDR Relikt, immer wütend, immer anti-Widervereinigung; Grombowski, der fette Hund, der nur das Beste will und doch nie die erhoffte Symphatie erlangen kann; das schräge Paar Jule und Gerhard- sie junge, völlig apathische Mutter mit Tragetuch, er vogelschützender Korinthenkacker; Linda und Frederic, Pferdeflüsterin und Computernerd; Hilde, kleine häßliche Vogelscheuche und- ja, was noch?

Ich sage ja immer, dass ich mindestens einen Protagonisten in einem Roman gut, nett, interessant finden möchte- Juli Zeh hat mich enttäuscht und eines besseren belehrt. Alle, wirklich alle Menschen, die in dieser Geschichte vorkommen, gingen mir gegen den Strich. Zu intregant, zu hinterhältig, zu gewalttätig, zu schwach, zu nervtötend, zu still, zu pathetisch, zu altklug.

Einzig, Arne, der Bürgermeister. Irgendwie mischt er mit, hält sich aber doch zurück. Klar, er stünde heute nicht da, wo er steht, hätte Grombowski ihm nicht unter die Arme gegriffen. Aber trotzdem, Arne ist ok und was seine Frau ihm angetan hat… da hat er gleich 100 Sympathiepunkte von mir erhalten.

Der Schreibstil ist flüssig, sarkastisch, lebendig. Fazit: unbedingt lesen!

Liebe Grüße, Bine

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5 Kommentare
  1. Gabi sagte:

    Das Buch liegt auf meinem Nachttisch und wartet darauf, das ich mich endlich ran traue…. aber da ich mir in diesem Jahr eine Leseliste auferlegt habe und das Buch auch mit drauf steht, werde ich es anfangen, sobald ich meine momentane Lektüre beendet habe. Leider macht mir dein Bericht jetzt nicht gerade Mut, von wegen, du magst niemanden aus dem Buch….
    Seufz!
    Liebe Grüße
    Gabi

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  2. Anita Fröhlich sagte:

    Ich habe das Buch letztes Jahr in den Sommerferien gelesen- eins der Highlights! Schon den Titel find ich herrlich zweideutig: zu Beginn ein normaler Ortname, wird es im Verlauf rasch zu unter Leuten. I love it!

    Antworten
  3. Ilka sagte:

    Oh ja, es ist so gut und so gruslig und so echt (und ich komme aus Brandenburg, mir gruselt um so mehr, wenn ich „zur Sippe auf´s Land“ fahre).
    Lieben Gruß
    Ilka

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