(Werbung für MILKA – Tradition und Rituale zu Weihnachten)
Zu uns kam und kommt immer das Christkind. Vom Weihnachtsmann mag ich nichts hören. Der steht auf der Hohe Straße, sitzt im Einkaufszentrum, tanzt oder verteilt Geschenke auf dem Weihnachtsmarkt. An ihn habe ich nie geglaubt und auch meinen Kindern haben mein Mann und ich von Anfang an erklärt, das der dicke Mann im roten Mantel nur eine freundliche Figur ist.

Das ist Tradition: Erst zum Friedhof, dann zu Tante Annchen und dann Tante Resi besuchen.
Meine Mama war immer das Christkind und deswegen musste mein Papa mit mir und meiner Schwester am Heiligen Abend auch immer das Haus verlassen. Nach dem Frühstück ging es los, vom Niederrhein über die A57 zum Kölner Westfriedhof. Dort lagen Oma Anneliese und später Opa Leo beerdigt. Oma Anneliese, die Mama meines Vaters habe ich nie kennen gelernt. Sie starb 1969 an Krebs. Wir brachten ihr immer eine weihnachtlich bepflanzte Schale, fegten ein paar Blätter vom Grab und zündeten eine neue Kerze an.
Von dort ging es nach Ossendorf zu Tante Annchen. Tante Annchen war die Tante meines Papas. Sie wohnte in einem Reihenhaus, ganz am Ende einer kleinen Stichstrasse. Ich erinnere mich an den Flur des Hauses, an den Garten und die Küche. In der Wand neben der Haustüre waren Glasbausteinen eingesetzt, die man teilweise öffnen konnte. Wir Kinder fanden das damals toll. Glasbaustein auf! Kuckuck! Glasbaustein zu!
Von Tante Annchen fuhren wir zu Tante Resi nach Rodenkirchen. Wir fuhren über den Gürtel oder, wie der Kölner sagt: über den Jüchtel. Der Kölner Gürtel ist eine Ringstrasse, die halbkreisförmig das linksrheinische Köln umgibt. Wir fuhren über den Melatengürtel, den Stadtwaldgürtel, den Sülzgürtel, den Zollstockgürtel, den Bayenthalgürtel bis zum Bonner Verteiler und von dort nach Rodenkirchen.

Ich erinnere mich ganz genau…
Wenn ich heute über den Kölner Gürtel fahre, dann habe ich eine ganz genaue Erinnerung, wie ich damals mit meinem Papa und meiner Schwester über den Gürtel von Tante Annchen zu Tante Resi fuhr. Ich erinnere mich an die Weinachtsbaumverkäufer, die auf dem Mittelstreifen standen und ich fand die Häuser, die am Gürtel stehen damals schon schön. Ich glaube, dass an diesen Heilig Abenden, an denen wir über den Gürtel durch Köln fuhren, der Wunsch in mir aufkam, eines Tages selbst in Köln leben zu wollen.
Bei Tante Resi gab’s meist Linsensuppe. Tradition! Schliesslich waren wir schon seit dem Morgen unterwegs und hatten langsam Hunger. Anschliessend wechselten wir vom Tisch zur Sofaecke und futterten selbstgebackene Plätzchen.
Am späten Nachmittag ging es über die A57 zurück nach Hause. Durch die kahlen Bäume kann man einen Teil der Bayer Werke sehen und ich hielt immer Ausschau nach einem Weihnachtsbäumchen, welches irgendwo ganz oben auf dem Werk stand. Das taten meine Schwester und ich damals übrigens immer- und das tue ich noch heute mit meinen Kindern: während der Autofahrt Weihnachtslichter in den Fenstern oder auf den Dächern suchen. Und während wir Ausschau hielten, fragten wir uns die ganze Zeit, ob das Christkind wohl zwischenzeitlich da war?
Ob das Christkind schon da war?
Immer, wenn wir zu Hause ankamen, waren die Rolladen vom Wohnzimmer runterglassen, was uns sehr ärgerte. Meine Mama tat so, als habe sie den ganzen Tag geputzt und vom Christkind nichts mitbekommen. Manchmal waren unsere Omas an Heilig Abend dabei, einmal auch Tante Anna aus Gütersloh, die gar keine Tante war, sondern die Cousine meiner Oma. Bis man als Kind die Familienverhältnisse verstanden hat, hat man schon ein eigenes Leben. Die Heilig Abend Tradition und Tour nach Köln wiederholten mein Papa, meine Schwester und ich übrigens so lange, bis ich selbst Mama wurde. Die Tanten lebten da schon lange nicht mehr, aber zum Friedhof fuhren wir immer.
Seit meine Schwester und ich keine Weihnachtsgeschenke mehr bekamen, mit denen man spielen konnte, sondern Bücher, CD’s Schlafanzüge, Strümpfe und sowas, gab’s bei uns immer Raclette an Heilig Abend. Diese Tradition habe ich bei uns weiter fortgeführt. An Heilig Abend gibt es immer Raclette. Letztes Jahr haben wir Erwachsenen diese Tradition über den Haufen geworfen und Kartoffelsalat mit Würstchen auf den Tisch gestellt. Meine Kinder waren sauer und beleidigt, dass sie bei dieser wichtigen Entscheidung einfach überstimmt wurden. Dieses Jahr gibt es wieder Raclette.
Mit Traditionen darf man nicht einfach brechen!
Ich muss ihnen da vollkommen Recht geben- mit Traditionen und Ritualen sollte man nicht einfach brechen. Sie dürfen auslaufen, einstimmig beendet werden, aber nicht Hals über Kopf gebrochen werden.
Als ich noch kein war, ging immer mein Papa als erstes ins Wohnzimmer und läutete das Glöckchen. Dann durften meine Mama, meine Schwester und ich eintreten, mußten aber noch im Türrahmen stehen bleiben, weil mein Papa erstmal ein Gruppenfoto machen musste. Das dauerte. Schliesslich hatte er damals eine analoge Nikon, bei der er Blende und Verschlusszeit einstellen musste. Heute weiß ich, wie schwierig es ist, bei widrigen Lichtverhältnissen ein schönes Foto zu machen. Damals nervte das gefühlt stundenlange Warten, bis endlich das Bild im Kasten war. Während meine Schwester und ich also krampfhaft lächelten, bis Papa endlich abdrückte, hielten wir meist schon Auschau nach dem, was da unter dem Weihnachtsbaum lag.
Das Gruppenbild-Ritual gibt es bei uns nicht. Meist zitiere ich im Laufe des Abends die Familie in unterschiedlichen Konstellationen auf die Couch. Setzt Euch mal zu Oma und Opa, ich möchte ein Foto machen! Und jetzt nochmal mit den Tanten. Und dann mit Papa und mir. Ihr habt’s gemerkt: heute feiern meine Eltern, meine Schwester und meine Schwägerin bei uns Heilig Abend in unseren vier Wänden.
Rituale und Traditionen finde ich etwas ganz wunderbares.
Bis ich selber Mama wurde, waren das für mich einfach nur wiederkehrende Ereignisse oder Situationen, die zum Leben dazu gehören. Sie kamen immer wieder und wurden sie plötzlich geändert, war ich traurig, vielleicht auch erschüttert.
Vom ersten Tag des Mama-Seins wird einem die Sache mit den Ritualen ganz anders bewusst. Da wird einem nämlich förmliche eingetrichtert, wie wichtig Rituale sind: immer schön das Baby zur gleichen Zeit füttern, ins Bett bringen, ihm vorlesen, usw. Kinder brauchen Kontinuität und Regelmäßigkeit, damit sie etwas haben, woran sie sich festhalten können. Und das stimmt.
Hätte mein Vater irgendwann gesagt Nö- wir machen dieses Jahr kein Gruppenfoto hätte ich das ganz schön doof gefunden. Aber das machen wir doch immer so? Und deswegen gibt es auch in diesem Jahr wieder Raclette. Und dazu muss Oma einen Kartoffelsalat machen. Oma, machste einen Kartoffelsalat für Heilig Abend, bitte?!

Ich mag Rituale und ganz besonders zur Weihnachtszeit.
Seit ungefähr 15 Jahren besuchen der Mann und ich im Dezember immer die Kölsche Weihnacht. Eine Tradition, ein Ritual, welches wir nicht aufgeben wollen, egal, wieviele Termine im Dezember im Kalender stehen.
In der Adventszeit lesen der Mann oder ich den Kindern abends eine Weihnachtsgeschichte vor. Und wenn wir mal an einem Abend nicht zu Hause sind, dann lesen wir am nächsten Abend zwei Kapitel (mal sehen, wie lange noch?).
Zum ersten Advent steht immer eine Adventskranz (oder eine Schale, aber auf jeden Fall vier Kerzen) auf dem Tisch und jedes Jahr disktutieren die Kinder, wer Kerze Nr. 1 und 3 und Kerze Nr. 2 und 4 anzünden darf.
Das muss so sein!
Jedes Jahr in der Weihnachtszeit schmücken wir das Haus und hängen Lichter in die Fenster. Meist sind es Papiersterne, die leuchten. Das muss so sein. Genauso wie der Lichterkranz, den ich vor einer Ewigkeit bei Ikea gekauft habe und dem ich schon zum dritten Mal eine neue Lichterkette verpasst habe.
Jedes Jahr, kurz vor Weihanchten, laden wir Freunde auf unsere Garageneinfahrt zum traditionellen Glühweinfest ein. Jeder bringt Plätzchen und Leckereien mit. Dieses Jahr starten wir eine neue Tradition: wir werden den Grill rausfahren und Würstchen zum Abendessen grillen. Meist kommt dann noch ein verspäteter Nikolaus um die Ecke und bringt den Kindern Mandarinchen und Schokolade.
Immer an Heilig Abend besuche ich mit den Kindern das Krippenspiel in der Kirche. Meist begleiten mich mein Papa, meine Schwester und meine Schwägerin, während meine Mama und der Mann zu Hause Christkind spielen.
Es gibt so einige Rituale und Traditionen, die wir in der Weihnachtszeit und an den Feiertagen pflegen, durchführen, feiern, ehren. Würde das ein oder das andere wegfallen, würde etwas fehlen. Ich könnte noch stundenlang weiter erzählen, aber das würde hier wohl den Rahmen sprengen. Deswegen frage ich Euch: wie sehen Eure Rituale und Traditionen in der Adventszeit und an Heilig Abend aus? Pflegt ihr welche, liebt ihr sie oder habt Ihr zu alledem gar keine Lust?
Gib jedem Tag ein bisschen Weihnachtszauber!
MILKA hatte mir genau diese Frage gestellt, auf die ich mit meinem heutigen Artikel antworte. Gib jedem Tag ein bisschen Weihnachtszauber! ist das Motto meiner Lieblingsschokolade. Und dazu hat MILKA drei wirklich schöne und stimmungsvolle Videos gedreht, die Ihr Euch hier ansehen könnt.
So, ich muss jetzt mal weitermachen, denn dieses Jahr muss ich mit einem Ritual brechen: ich bin Team Last-minute-Geschenke-Einpacker. Immer am 23. Dezember stehe ich im Keller und verpacke Geschenke. Dieses Jahr werde ich aber mit meiner Familie im Stadion sitzen und Weihnachtslieder singen und deswegen muss ich mit meiner Last-Minute-Tradition brechen und heute mal Gas geben!
Liebe Grüße, Bine
