(Werbung) Welche Bilder entstehen in Deinem Kopf, wenn Du die Wörter “Regionale Lebensmittel” hörst? Vielleicht solche: Fussballfeldgroße Kartoffelacker, Maisfelder, Himbeerplantagen unter weißen Zeltplanen? Fröhlich summende Bienenvölker am Waldrand? Knallrote Traktoren, die Anhänger mit einem riesigen Zuckerrübenberg hinter sich herziehen? Bauernhöfe, die im Freilandgehege Hühner halten, deren Eier am Sonntag auf Deinem Frühstückstisch stehen? Erdbeeren, die im Freiland auf Stroh gebettet heranreifen und mit viel Sorgfalt geerntet werden? Glücklich grunzende Schweine, die in offenen Stallungen gehalten werden? Ja, ich habe solche Bilder im Kopf.
Artgerechte Haltung, biologische Kulturen, kurze Wege vom Feld oder Acker zum Supermarkt schmecken uns doppelt so gut!

Regionale Lebensmittel- wir hören und lesen diese zwei Worte und empfinden ein heimeliges Gefühl. Heimat, aus der Region, aus dem Umkreis, Ursprung, direkt vom Bauern, vor den Toren der Stadt, dort wo die Welt noch in Ordnung ist. Die möchten wir uns ins Haus holen.
Früher ging man auf dem Markt. Also ganz früher. So viel früher, dass ich mich nicht daran erinnern kann… wobei, nein- ich erinnere, dass meine Mama früher oft mit mir in die Krefelder Markthalle (die es schon viele viele Jahre nicht mehr gibt) ging, um dort an den verschiedenen Ständen ihren Wocheneinkauf zu erledigen. Zum Fleischerstand, zum Gemüsehändler, zum Eierstand, zum Käsestand.
Jahre später überollen die Discounter deutsche Lande. Auch die gut situierte Dame aus Köln Hahnwald oder Hamburg Blankenese kauft neuerdings dort ein. Es ist hipp Schnäppchen zu jagen und Wasserflaschen in großen Plastikumverpackungen in den Einkaufswagen zu stellen.
Wieder ein paar Jahre später: urbanes Gärtnern, fröhliches Schnabulieren an coolen Street Food Ständen, Bauernmärkte in den Städten, Bio-Angebote, Food-Revolutionen in Form von super gesunden Superfoods, Marktfeeling in den Gemüse- und Obstabteilungen der großen Supermärkte, kleine Schildchen mit dem Hinweis “Aus der Region von Bauer Fritz”. Seit einigen Jahren steuern wir wieder in in eine andere Richtung. Ich finde das super.
Wir wünschen uns gesunde und gute Lebensmittel. Lebensmittel, die nachhaltig angebaut und produziert werden, deren Herkunft wir kennen. Wir wollen Kohl im Winter essen und Erdbeeren im Sommer genießen und würden am liebsten dem Bauern, der uns die Früchte vom Feld holt, die Hand reichen. Natürlich wollen das nicht alle. Aber viele. Immer mehr Menschen interessieren sich dafür, woher ihre Lebensmittel kommen; wünschen sich, dass sie unter fairen und nachhaltigen Bedingungen gezüchtet, gewachsen, geerntet, abgefüllt, abgepackt, abgewogen, geliefert und verkauft werden.
REWE fragte mich, ob ich Lust hätte in meiner Region nach Geschäften, Läden und Angeboten Ausschau zu halten, wo es genau darum geht: Nachhaltigkeit und Regionalität. Ja, wo gibt es das? Ich fragte Freunde, ich googelte und fand das hier:

Kölner NeuLand. Zwischen der Kölner Südstadt und Bayenthal liegt ein 115 ha großes Brachland. Bis 2008 stand dort die Dombrauerei. Abfüllanlagen, Tanks, Silos, Schornsteine, ein gemütlicher Biergarten.
Auf diesem ungenutzten städtischen Raum, auf den viele Menschen von ihren Wohnungen aus schauen, entstand ein mobiler Gemeinschaftsgarten auf Zeit. Ein Garten, der nicht nur die Gegend optisch aufwertet, sondern der sich auch für Umweltbildung, Naturschutz und bürgerliches Engagement einsetzt. Auf der NeuLand Webseite las ich von der Kräuter AG, die ich einige Tage später spontan besuchte.
Ich traf auf ein paar Frauen und einen jungen Mann. Sie treffen sich wöchentlich, mal sind es mehr, mal sind es weniger, um sich um den Kräutergarten zu kümmern. Da wird Unkraut gezupft, Beete neu angelegt, Namensschilder in die Erde gesteckt, Samen für die nächste Saison in Umschlägen gesammelt. Ich unterhielt mich mit Semra. Ob sie einen grünen Daumen habe und warum sie das hier machen würde, fragte ich sie. Nein, einen grünen Daumen habe sie nicht, deswegen wäre sie hier. Um Neues zu lernen, um sich mit anderen Menschen auszutauschen, um die ein oder anderen geernteten Radieschen mit nach Hause zu nehmen.

So wie alle anderen NeuLand Gärtner bewirtschaftet sie eine Pflanzkiste für sich und eine weitere für die Gemeinschaft. Das tun alle. Es geht ja um die Gemeinschaft. Eine andere Frau erzählte mir, dass sie ihre Pflanzkiste bewirtschaftet, um sich von den Erzeugnissen selbst zu versorgen. Regionale Nachhaltigkeit.
Die Damen führten mich ein wenig rum, ließen mich an Kräuter schnuppern und so roch ich Cola und Curry und war ganz begeistert. In meinem Kräutertopf auf der Terrasse wachsen nur Mainstream-Kräuter: Minze (ein Muss im Sommer für Aperol Spritz oder Hugo!), Schnittlauch, Basilikum, Bohnenkraut. Habt Ihr schonmal an Cola Kraut geschnuppert? Das riecht echt nach Cola. Das Kraut heißt natürlich nicht Cola Kraut, sondern eigentlich Eberraute. Sie ist der Jungfern Verderben. Es heißt, sie habe aphrodisierende und belebende Wirkung.

Während ich also mit den Damen quatschte, fiel mein Blick auf zwei Imkerinnen, die zwar keine Zeit zum Reden hatten, aber mir erlaubten näher zu treten. Ich solle nur aufpassen, dass mich das emsige Bienenvolk nicht steche.
Bei NeuLand wird also ökologisch gegärtnert, Honig produziert, sparsam mit Ressourcen (Wasser) umgegangen, Brot gebacken (jeden Donnerstag), Zeit mit Menschen verbracht, Kinder bespaßt… eine tolle regionale Community. Leider war an diesem Tag im August nicht viel los. Das Wetter war nicht besonders gut, es waren Sommerferien.
Meine zweite Station war der Gertrudenhof in Hürth, nur ein Steinwurf von meinem zu Hause entfernt. Seit Jahren fahre ich immer mal wieder zum Hof und kaufe dort ein. Als die Kinder noch klein waren, war das erste Ziel der Streichelzoo und der Spielplatz, dazwischen flitze ich kurz durch den Hofladen und kaufte Äpfel, Bohnen und Tulpen ein.

Peter Zens arbeitet mit 12 Höfen aus der Region zusammen. Er selbst, bzw. sein Vater Hubert baut Kohl, Himbeeren, Kartoffeln, Kirschen, Zwiebeln, Zucchini, Zuckerrüben,… auf den eigenen Feldern an. Der Ertrag wird u.a. im eigenen Bauernladen verkauft. Sind die Felder abgeerntet, die Saison aber noch nicht zu Ende, läßt er sich von seinen Partnerhöfen beliefern. Alles, was er nicht selbst oder von den anderen Bauern erhält, bekommt er von Landlinie, einem regionalen Großhandel. Peter Zens bietet in seinem Hofladen die Produkte an, die seine Kunden wünschen und die Produkte, die er für gut befindet. Krumme Gurken, zweite Wahl Äpfel, alte Möhrensorten. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Natürlich auch Ananas und Bananen. Die wachsen zwar nicht in der Region, aber wer möchte schon darauf verzichten?

Sein Herzenswunsch und seine Lebensaufgabe: ein Bewusstsein für gute Lebensmittel schaffen. Deswegen hat er auch auf dem Spielplatz ein Kräuterbeet angelegt, damit die Kids Thymian, Rosmarin, Petersilie sehen, riechen und fühlen können. Damit sie verstehen, wie das funktioniert mit dem Säen, Pflegen, Heranziehen und Ernten.
In den letzten Jahren vergrößerte er sein Sortiment. Neben Obst, Gemüse und Blumen kann man heute auch Fleisch, Milchprodukte, Marmeladen, Apfelmus und Birnenkraut im Bauernladen kaufen. Der Familienbetrieb Land-Metzgerei Hammes in Dormagen-Stürzelberg produziert Fleisch- und Wurstwaren für den Hof. Natürlich hergestellt aus deutschem Tieren, die artgerecht gehalten werden. Die Milchprodukte kommen von den rund 200 Kühen vom Thomas Hof im Bergischen.
Vor einigen Jahren führte Peter Zens auf seinem Hof die Schlemmermeile ein. Kleine Holzhütten drängen sich dicht aneinander; erstehen kann man dort u.a. Brot, Bauernkuchen (und was für Kuchen!) und warme Suppen.

Das Angebot kommt selbstverständlich aus der Region und wird nicht industriell hergestellt. Seine Bäcker backen das Brot nach traditionellen Rezepturen, ohne Konservierungsstoffe und nach handwerklichen und alten Verfahren. “Wenn ich neues Brot haben will, muss ich das zwei Tage vorher bestellen, damit der Bäcker den Sauerteig ansetzen kann!”. Slow-baking! Dieses Zertifikat haben nur 30 Bäcker in ganz Deutschland inne, einer davon in Köln. Natürlich kostet genau dieses Kartoffelbrot, dieses Roggenbrot, dieses Kürbiskernbrot ein paar Cent mehr, als beim Bäcker um die Ecke. Peter Zens ist mit dem Ertrag seiner Brothütte nicht zufrieden, aber er bleibt dabei. Was anderes kommt ihm nicht auf den Hof! Wären wir mehr bereit diese paar Cents zu zahlen, würden nicht so viele kleinere Bäckerein die Schürze an den Nagel hängen müssen. Bewusstsein schaffen! Bewusstsein für gute Lebensmittel!
Neben dem FairShare Kühlschrank, wo jedermann Lebensmittel, die nicht mehr gebraucht werden, hineinlegen und jeder sich raus nehmen kann, was er benötigt, führte Peter Zens kürzlich die Aktion “Gib Plastik einen Korb” ein. Sein Wunsch und seine Bitte an alle Kunden: bringt Euren eigenen Einkaufskorb oder Euren Beutel mit! Er führte ein Punktesystem ein. Läßt Du die Plastiktüten (Bio Plastiktüten aus Zuckerrohr) links liegen, gibt’s nach dem vierten Mal eine Waffel am Stiel auf’s Haus. “Das läuft leider noch nicht so gut!” erzählte er mir. Schade findet er das und wünscht sich, dass seine Kunden öfter an den eigenen Einkausforb denken würden.
Meine dritte und letzte Station war am vergangenen Mittwoch der Besuch der Food Assembly Köln. Blöder Name! Klar, es ist eine internationale Organisation, aber hätte man nicht hierzulande dem Kind einen deutschsprachigen Namen geben können? Bei der Food Assembly (Lebensmittel Versammlung) handelt es sich um eine Art Online-Bauernmarkt für Großstadtmenschen. Es funktioniert babyleicht: Man meldet sich auf der Webseite der Assembly an und bestellt dort einmal in der Woche Lebensmittel von den teilnehmenden Bauernhöfen. Im Angebot sind Obst und Gemüse, Bio Fleisch, Bio Käse, Bio Brot und Feinkost.

Jeden Mittwochnachmittag bringen die Bauern die bestellten Lebensmittel in Kisten nach Köln Ehrenfeld und überreichen sie dort rund 70 Kunden, die nur ihren Bestellschein (meist auf dem Handy) vorlegen und damit ihre Bestellung abholen. Federführend und Chefin der Kölner Assembly ist Katharina. Eine quirlige junge Frau, die beinahe alle Kunden mit Namen kennt, die den Kontakt zu ihren Lieferanten pflegt, die die Online Bestellungen verwaltet und die Ausgabe jeden Mittwochabend organisiert. “So eine Assembly kann wirklich jeder organisieren,” sagt sie. Und, dass es in Köln leider nur eine einzige gibt, findet sie sehr sehr schade. In Berlin sieht das ganz anders aus. Rund 15 Ausgabestelle gibt es dort.
Geben Sie ihrem Bauern die Hand, unterstützen sie die regionale Landwirtschaft! Das ist das Motto der Assembly, die 2010 in Frankreich gegründet wurde. 2013 schwappten die ersten Assemblies nach Deutschland über. Ziel der Assemblies ist es, ein nachhaltiges Konsumverhalten in der sich immer weiter entwickelnden und globalisierten Welt zu fördern. Und hier sind wir wieder bei Bildung und Weiterbildung. Wo kommen meine Lebensmittel her? Wie werden sie produziert? Wie können wir die biologische Vielfalt erhalten, Traditionen bewahren und eine gesunde Esskultur schaffen?
Katharina ist voll in ihrem Element. Wir kommen kaum zum Quatschen, denn immer kommen neue Kunden, begrüßen sie, haben Fragen. Dafür habe ich mich mit Frau Moll vom Bauernhof Moll in Kerpen unterhalten. Der Familienbetrieb führt zwei Hofläden und freut sich über diesen dritten Vertriebszweig ihrer Gemüse und Früchte in der Stadt.

Ihr seht, ich habe ich mich in den letzten zwei Wochen viel mit Nachhaltigkeit, regionalen Lebensmitteln und deren Produktion beschäftigt und es hat mich wirklich beeindruckt. Das NeuLand werde ich sicherlich noch einmal besuchen, die Food Assembly ist für mich persönlich nichts, weil ich für den Einkauf dort viel zu weit fahren müßte.
Ich habe das Glück, dass der Gertrudenhof bei uns um die Ecke liegt. Aber ich habe ebenso Glück, dass es in Gleuel, einen Ort weiter, einen REWE gibt, der mir alles bietet, was ich für uns einkaufen möchte. Nutella, Zucker und Mehl, Quark, Käse, Müsli und viele regionale Produkte. Schon seit vielen Jahren achte ich auf die Hinweisschilder, woher die Lebensmittel kommen. Rindfleisch von Familie Mager aus Erdstadt-Gymnich, Kohl, Salate und Beeren von Familie Boley aus Brühl, Tomaten von Familie Bong aus Niederaussem.

Es geht mir dabei nicht nur um das gute Gefühl, sondern auch um die Unterstützung der Bauern, Bäckereien, Molkereibetrieben und Metzger. Und um kurze und umweltschonende Lieferwege. Im Sommer und Herbst diesen Jahres steht das Thema Regionalität bei REWE im Mittelpunkt. Regionale Lebensmittel kann man eben auch kaufen, wenn man keinen Bauernmarkt und keine Assembly in der Nähe hat. Achtet in Eurem REWE mal auf die gelbe Kennzeichnung mit dem Traktor. Schon gesehen?
Obendrein finde ich es ausserdem wichtig, dass man sich beim Einkauf nach dem Saisonkalender richtet. Erdbeeren im Herbst oder gar an Heilig Abend? Geht gar nicht! Apfelsinen im Sommer? Warum kaufen, wenn es köstliche Himbeeren und Brombeeren aus der Region gibt?
Ich bedanke mich recht herzlich für diese aufschlussreiche Kooperation bei REWE, bei der ich interessante Projekte und Angebote kennenlernte und nette Gespräche mit aussergewöhnlichen Menschen führen konnte.
Und jetzt würde mich natürlich interessieren: Habt Ihr schonmal bei einer Food Assembly in Eurer Stadt bestellt? Gibt es in Eurer Stadt einen Bauernmarkt? Ist es Euch überhaupt wichtig regionale Lebensmittel zu kaufen?
Herzliche Grüße, Bine
