Guten Morgen, Ihr Lieben! Es ist Sonntag. Es ist Herbst. Morgen ist nochmal Sonntag, ich bin ein Kassettenkind und ich habe nur einen Wunsch: Ich will meinen Laptop zurück! *knatsch*
Nachdem ich in den letzten Wochen, alle paar Tage immer mal wieder ganz plötzlich, eine neue Bildschirmfarbe zu sehen bekam- mal wurde er schwarz, mal grau, mal oliv und auch gestreift und gesprenkelt- habe ich ihn vergangenen Freitag an der Genius Bar im Apple Store zurück gelassen. Der Apple Mann da war sehr nett. Besonders nett fand ich ihn, als wir uns über’s Nähen von Kosmetiktäschchen unterhielten. Als er mir aber sagte, dass das Austauschen der Platine (was auch immer das ist?!) ca. 7-10 Werktage dauern würde, fand ich ihn nicht mehr sooo nett. Na ja. Wat mut dat mut!
Nun sind fünf Werktage vergangen. Seitdem steht auf meinem Schreibtisch ein älterer Computer, der eigentlich schon an einen Freund verkauft ist, den ich aber übergangsweise noch nutzen darf.
Ich habe Internet und ich habe Email. Mehr nicht. Kein Photoshop, kein WhatsApp, keine Excel, kein Numbers, kein Schreibprogramm. Nüscht. Ich kann keine Fotos bearbeiten und meinen Blogplanner nicht vernünftig führen.

Meine Daten liegen hier neben mir auf einer externen Festplatte. Und Bilder kann man ja auch mit PicMonkey oder anderen kostenlosen Diensten bearbeiten, aber da hatte ich letzte Woche keine Lust zu. Ich möchte mit meinem Laptop und meinem ollen Photoshop arbeiten. Und ich möchte in meine Numbers-Listen schreiben und nicht alles per Hand auf einem Block notieren. Es fühlt es sich jetzt alles nur so halb an.
Es zeigt nur mal wieder, wie abhängig wir von dieser Technik sind.
Natürlich ist das nicht dramatisch. Er kommt ja wieder. Und die Welt geht davon auch nicht unter. Es zeigt mir nur mal wieder, wie abhängig ich von diesem Ding bin. Von dieser Technik. Ist sie plötzlich weg, fühle ich mich, als hätte man mir eine Hand abgehackt. Gut, man muss an dieser Stelle auch erwähnen: das Ding brauche ich für meinen Job. Ich bin nun mal Bloggerin und Online-Shop-Betreiberin und keine Gärtnerin. Oder Verwaltungsfachangestellte.
Wird mir die Technik ungewollt aus der Hand gerissen, hat das natürlich auch Vorteile: Ich konnte zwar in der letzten Woche surfen, was ich auch ausgiebig auf Pinterest tat- ich fühle mich jetzt schon richtig weihnachtlich bei all den vielen Deko-Bastel-Plätzchen-Bildern – aber ich habe auch ganz viel genäht. Eine größere Bestellung muss bis zu den Herbstferien fertig werden. Und obendrein habe ich für den Shop genäht, der nicht so richtig aus der Sommerpause raus kam.
Wir Mamas jammern, dass unsere Kinder am liebsten vor dem Computer sitzen und dort spielen, statt im Wald Kastanien zu sammeln.
Internet, Handys, Ipads, MineCraft… das alles sind immer wieder Themen in meinen Mädels-Freundeskreisen. Wir Mamas jammern, dass unsere Kinder am liebsten vor dem Computer sitzen und dort spielen, statt im Wald Kastanien zu sammeln. Sie verbinden ihre (unsere!) iPads miteinander und bauen aus Klötzen Welten, während die Mama daneben sitzt, in einer Zeitschrift blättert (oder auf dem Handy rumtippt) und ganz grün im Gesicht wird, weil ihr bei der Geschwindigkeit dieses Spieles schlecht wird “Guck mal Mama, da habe ich den Garten gebaut!”. “Nee, lass mal, ich muss sonst kotzen!” Sie hören Spotify und unterhalten sich mit ihren Freunden über Spiele und Anwendungen, von denen wir rein gar nix verstehen.
Und ich- die Mama- denkt: mein Gott, Du wirst alt. Dabei bin ich gar nicht alt. Ich gehöre nur dieser Zwitter-Generation an. Die, die mit dem ganzen Zeug nicht groß geworden ist. Die, die abends Hanni und Nanni in den Kassettenrecorder eingelegt hat. Die, die am Nachmittag ein Colt für alle Fälle geguckt hat. Die, die stundenlang mit ihren Freundinnen an der Strippe hing und zwischendurch böse Blicke von ihrer Mama erntete, weil das Telefonieren damals noch so teuer war.
Ich bin die, die stundenlang vor dem Kassettenrecorder lag, um die neusten Hits aus dem Radio aufzunehmen (und sich maßlos ärgerte, wenn der Radiosprecher am Ende ins Lied reinquatschte!).
Ich bin eine von denen, die mit Anfang 30 noch sagte “Internet auf dem Handy? Brauche ich nicht!” und die, die sich um drei Uhr verabredete und um drei Uhr da war oder sich verspätete, aber das war egal. Man musste nicht alle paar Minuten eine Statusmeldung abgeben, wann man da sein und ob man es pünktlich schaffen würde.
Ich bin überaus Technik-Internet-affin. Ich bin Bloggerin und Online-Shop-Betreiberin. Ich habe mein Handy immer bei mir. Immer. Ich finde es irre, was wir heute für Möglichkeiten durch die Technik haben und wie schnell wir kommunizieren können (wenn wir wollen).
Der totale Kommunikationswahnsinn!
An manchen Tagen rappelt mein Handy ohne Ende. Dann wird in allen Gruppen gequasselt. Neuste Thermomix Rezepte müssen ausgetauscht werden, ein neuer Termin mit meinem Schulfreundinnen wird ausgehandelt (was bei neun Frauen mindestens 72 WhatsApp bedeutet!), in der geheimen Geburtstagsgruppe muss besprochen werden, wer wann welches Geschenk besorgt, mit den Bloggerfreundinnen wird bequatscht, welcher Plotter denn nun gut ist und welcher nicht, in der Sportgruppe wird besprochen, wer die Kinder hinfährt und wer sie abholt; in der Nähgruppe werden immer lustige Filmchen hin- und hergeschickt, in der Familiengruppe werden alle mit Fotos der Kinder genervt und dann gibt es da noch einen Haufen einzelner Chats. Der totale Kommunikationswahnsinn!
An machen Tagen ist nicht viel los. Das ist dann auch mal schön.

Neben all dem privaten und natürlich wichtigem Geschnattere flattern Nachrichten via Facebook und Instagram (bis ich mal gerafft hatte, dass man sich über Insta Nachrichten schreiben kann…. oh Mann, ich alte Frau!) von Kunden und Bloglesern rein und dann gibt es ja noch die gute alte Email. Fast schon ein bisschen oldschool.
Aber es ist okay. Ich kann das handeln. Echt! Ich schaffe fast immer alles (irgendwann!) zu beantworten. Schickt Ihr nur alles zu mir. Bine macht das schon! Und irgendwann schmeisst Bine ihren ganzen Technikkram aus dem Fenster und zieht in eine Blockhütte in die Berge. Mit Feuerstelle und Strohbett, zwei Ziegen im Stall und Wurst und Käse auf dem Tisch. Merkt man, dass ich Freitagabend Heidi gesehen habe? ;-) Wahrscheinlich finde ich gar keinen Platz in der Hütte, weil da schon ganz viele andere Menschen hocken. Menschen, die ihren Technikkram aus dem Fenster geschmissen haben. Menschen, meiner Generation, die sich lieber vor den Kassettenrecorder legen und sich wünschen, dass Elmar Hörig nicht am Ende des Liedes reinquatscht.
Ob es wohl schon schon Therapiezentren und für Menschen gibt, die mit dem ganzen Nachrichtenscheiss nicht mehr klar kommen? Die dauernd diese Tippbewegung mit ihren Fingern machen, obwohl sie gar kein Handy in der Hand halten? Nein? Wie wäre es mit einer Blockhütte? Mit Feuerstelle, Strohbett und Kassettenrecorder?
Ich finde ich wirklich genial, wen ich durch dieses Internet alles kennen gelernt habe und was ich dadurch für Möglichkeiten habe! Ich blogge für mein Leben gern, freue mich, dass es mal jemanden gab, der den Online-Shop erfunden hat und ich will meinen Laptop zurück!
Aber manchmal fühle ich mich alt. Dann nörgel ich rum, dass mir das alles auf den Keks geht und motze meine Kinder an, dass sie dieses scheiß iPad weglegen sollen und sich einfach mal langweilen sollen. Bastelt doch mal Kastanienmännchen! Oder starrt die Wand an! Oder legt doch mal eine Kassette in den Recorder. So, wie ich das früher gemacht habe.
…. wirre Gedanken eines Achtziger-Kindes, welches Euch heute einen schönen Sonntag wünscht! Und für morgen wünsche ich Euch auch schonmal einen schönen Sonntag!
Bist Du auch ein Kassettenkind?
Liebe Grüße
Bine
PS.: Das Buch Wir Kassettenkinder* wurde mir kürzlich zugeschickt. Ich habe es noch nicht gelesen, aber ich bin mir sicher, ich komme in dem Buch vor. Und Ihr vielleicht auch?! *Amazonlink
