Im Urlaub habe ich sechs Bücher gelesen. Und das, obwohl ich fast immer sofort von der Liege aufgesprungen bin, sobald meine Kinder riefen “Mama, komm’ ins Wasser! Mama, wir gehen jetzt rutschen! Maaaammaaaaa!”. Zwischen rutschen und planschen lag ich im Schatten und las Romane. Ich hatte mir schon in den Wochen und Monaten davor immer mal wieder verschiedene Bücher auf den Kindle geladen. Manches mal wusste ich gar nicht mehr, warum sich dieses oder jenes Buch auf meinem Reader befindet. Also klickte ich einfach wahllos ein Buch nach dem anderen an und las. Ausserdem habe ich zwei Flows durchgelesen. Für eine Flow braucht man Ruhe und Zeit. Oft liegen hier 2-3 Ausgaben ungelesen auf dem Stapel. Deswegen nehme ich mir immer welche mit in den Urlaub.
In den Romanen ging es u.a. um ein kleines Mädchen, dass mit dem Auto zu Tode gefahren wird, um eine ältere Dame, die in der Blüte ihres Lebens einer schrecklichen Intrige zum Opfer fällt und nie wieder glücklich wird, um eine tollpatschige junge Frau, die ihren Job verliert und von ihrem Zukünftigen sitzen gelassen wird, um einer Horde Mütter, deren liebste Beschäftigung das Lästern und Hintergehen anderer ist, um eine Frau, die von ihrem narzisstischen Mann auf’s übelste gedemütigt und geschlagen wird.

Ach, könnte ich doch auch so schreiben, denke ich beim Umschlagen jeder Buchseite oder besser bei jedem Tippen auf die rechte Ecke meines Kindles. So schreiben zu können… ein Traum. Und dann denke ich: was wäre wenn? Was wäre, wenn ich Ideen und Gedanken, Phantasien und Irrgespinste in Worte fassen würde? Würde ich sie hier veröffentlichen?
Beim Lesen eines Romanes und Krimis frage ich mich zum Beispiel oft: hat die Autorin das wirklich erlebt? (ich lese tatsächlich mehr Bücher von Autorinnen, als Autoren. Das ist nicht böse gemeint. Ich weiss auch nicht wieso.). Oder vielleicht hat die beste Freundin der Autorin das erlebt und ihr ihre Geschichte im Vertrauen erzählt und dann hat die Autorin das einfach aufgeschrieben? Blöde Gans! Oder hat sie einfach nur kranke Phantasien? Männer, die beim Sex auf Würgen stehen! Hallo? Hat sie das etwa lebt? Echt jetzt? Wurde sie gewürgt oder würgt sie gerne? Oder kam ihr die Idee, als sie eine Frauenzeitschrift beim Friseur las – Der letzte Schrei (haha): Überraschen sie ihren Partner doch mal mit Würgen! Das bringt wieder Schwung ins Schlafzimmer!
Also, wenn ich über eine nie wahr gewordene, verflossene und gekränkte Liebe schreiben würde, über einen schrecklichen Todesfall, über Intrigen und Falschaussagen, über eine blöde Kuh… was würden meine Leser, meine Freunde, meine Eltern denken? Ach, das sind ja ganz neue Bine-Seiten. Interessant. Ähem. So so. Hat sie das erlebt?
Alternativ könnte ich natürlich einen Zweitblog schreiben. Vielleicht anonym? Hab ich schon mal drüber nachgedacht. Ich wollte mal so ein 365-Tage-Projekt-Blog starten. Zum Beispiel jeden Tag ein Bild von einem Baum posten. Wie spannend! Oder einen Gedichtblog! Das wäre doch nett, oder? Ich habe im Leben noch nie ein Gedicht geschrieben. Wahrscheinlich wurde ich vor 100 Jahren mal in der Schule dazu gezwungen. Ich hab’s verdrängt. Gedichtblog fällt also flach.
Nein, ein Zweitblog kommt mir nicht in die Tüte in den Heinrich. Zu viel Arbeit. Ich kenn mich. Erst würde ich euphorisch starten, dann immer seltener posten und irgendwann würde es ganz einschlafen und ich wäre am Boden zerstört, weil ich versagt hätte.
Ich könnte hier zu meinen Alltagsgeschichten, meinen Meinungen und meinen Gedanken einfach ein bisschen was dazu erfinden. Den Geschichten ein bisschen Pfeffer untermischen. Und mich dabei einen Scheiß darum scheren, ob Ihr denkt: ist das jetzt sie, die das schreibt oder ihre zweite Persönlichkeit? Och Gottchen, die Arme! Sie weiss ja selbst nicht mehr, wer und wenn ja, wieviele sie ist. Ja, das könnte ich tun. Aber ich fürchte, dafür fehlt mir der Mut.
Könnt Ihr mir eigentlich folgen? Versteht Ihr, was ich meine? Habt Ihr schonmal eine Geschichte geschrieben? Eine erfundene Geschichte oder eine autobiographische Geschichte, die ihr mit Eurer Phantasie aufgepeppt habt? Und wenn ja, wart Ihr so mutig, sie zu veröffentlichen oder liegt sie in Eurer Schreibtisch Schublade? Sagt mal!
Als ich diesen Artikel “Anonym” hier schrieb, hatte ich großen Spass. In dem erfundenen (!) Dialog steckt nämlich ein bisschen was von mir, eine Menge Phantasie und ein paar Erinnerungen an Gespräche mit Bloggerfreundinnen. Ich hatte meinen Spass, als ich Eure Kommentare las, denn sie zeigten mir, dass einige von Euch nicht genau einschätzen konnten, ob dieses Gespräch wirklich statt gefunden hat oder ob das alles auf dem Mist meines irren Einfallsreichtums entstanden ist. Das ist bestimmt das Geheimnis eines Autors, das ist der besondere Kick, den er hat, wenn er schreibt. Den Leser im Ungewissen lassen, ob das nun alles erfunden ist oder, ob das alles wirklich statt gefunden hat.
Ich beneide Autoren, die ihre Ideen und Gedanken in Worte fassen können. In so gute Worte und Sätze, die den Leser in den Bann ziehen und ihn zwingen, eine Seite nach der anderen umzublättern. Sätze, die auf der Zunge zergehen wir Zuckerwatte. Die so ein wohliges Gefühl in der Bauchgegend verursachen. Oder einen Krampf im Herzen, weil man so furchtbar mitleidet.
Was will sie uns mit diesem Artikel eigentlich sagen, fragt Ihr Euch bestimmt gerade. Keine Ahnung, ich hatte einfach nur Lust zu schreiben. Drauflos schreiben. Ohne viel dabei zu denken.
Habt einen schönen & sonnigen Tag!
Beste Grüße, Bine
