Agnes ist eine bemerkenswerte Frau. Was sie sagt, wird getan. Dagegen kann sich auch ihre Enkelin Birte nicht wehren. Kaum jemand schafft es, sich Agnes zu widersetzen. Agnes ist eine ältere Dame, ihr Geschäft ist der Tod. Gestorben wird immer*.
Als junges Mädchen flüchtete sie mit ihren Eltern von der Stadt auf’s Land. Den Grund kann und will sie da noch nicht verstehen. Sie ist am Boden zerstört, fügt sich aber ihrem Schicksal, heiratet in die Familie Weisgut ein und mausert sich zu einer starken und pragmatischen Persönlichkeit.

Während Ihr Mann in den Krieg ziehen muss, führt sie den Steinmetzbetrieb allein, erträgt es mit Ruhe und Gleichmut, dass sie nach jedem Heimaturlaub ihres Mannes wieder schwanger ist, bietet ihrer ungerechten und herrschsüchtigen Schwiegermutter die Stirn, kümmert sich nebenbei um ihre eigenen Eltern, flüchtet ein weiteres Mal, schützt und liebt alle diejenigen, die zu ihr gehören.
Der Roman beginnt in der Gegenwart. Agnes möchte endlich reinen Tisch machen, möchte über die Vergangenheit sprechen. Sie befiehlt ihrer Enkelin Birte, die ein Luxusleben in Hamburg führt und ihrer Oma sehr nahe steht, die Familie zusammen zutrommeln. Birte ist stinksauer, schliesslich soll sie nicht nur ihre zwei Onkel, ihre Tante, ihren Cousin, Vater und Bruder, sondern auch ihre verrückte Mutter Martha suchen, finden und zu Agnes bringen.
Von Kapitel zu Kapitel springt die Erzählung zwischen Agnes’ Leben, dem ihrer Tochter Martha und dem Leben ihrer Enkelin Birte. Alle drei erleben in ihrer Kindheit und Jugend teilweise dramatische Dinge, die sich ein Leben lang auf ihr eigenes, aber auch auf das Leben der anderen Familienmitglieder auswirken. Scheibchenweise erzählt Alexandra Fröhlich was zwischen 1935 und heute in dieser Familie passiert ist. Es sterben Menschen, es wird gelogen, es wird unter den Teppich gekehrt. Die Rückblicke in die jeweiligen Vergangenheiten, in die Zeit, als die drei Frauen noch Kinder oder Teenies waren, fand ich faszinierend und erschütternd zugleich. So sehr Agnes rigoros und unbarmherzig als ältere Dame daher kommt, so liebevoll, kämpferisch und erfindungsreich war sie als junge Frau.
Birte, die heute erfolgreich und attraktiv ist, war früher ein dickes Mädchen. Ihr Verhältnis zu ihrem Vater und Bruder ist auf’s Tiefste gestört und das hat einen Grund.
Von Martha erfährt der Leser nicht all zu viel. Sie ist die Verrückte, die, die damals abgehauen ist. Die, die voller Ängste und immer auf der Suche nach ihrer Heimat ist.
Agnes ist die einzige, die die Zusammenhänge versteht und weiß, warum dieses oder jenes Familienmitglied in der Vergangenheit so gehandelt hat. Auch sie trägt ein folgenschweres Geheimnis in sich und nun ist Zeit mit der Wahrheit rauszurücken.
Ich konnte das Buch kaum aus den Händen legen, habe es verschlungen. Die Geschichte – oder besser: die Geschichten um diese Familie gingen mir sehr unter die Haut. Der Schreibstil ist flüssig, unterhaltend und eingängig.
Fazit: Leseempfehlung für nass kalte Herbstabende. Oder Morgende. Oder einfach immer mal wieder zwischendurch.
Liebe Grüße, Bine
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