Manchmal rattert das Gedankenkarussell, dann muss ich aufschreiben, was mir im Kopf herumschwirrt. Unter “Gedachtes” sammel ich alle Gedankenschnipsel-Artikel. Es geht ums Leben, um den Alltag, um Wünsche und meine Meinung. Ich freue mich auf den Austausch mit Euch!
Erledigungswahn |
Es gibt solche und solche Tage. Solche, an denen man morgens fit und frisch aus dem Bett springt, an denen man alles mit links erledigt und abends glücklich und tiefenentspannt auf der Couch liegt.
Und dann gibt es solche, an denen überhaupt nix rund läuft, man dauernd irgendwelche, ja teilweise sogar unnütze To Do Listen schreibt, die meistens viel zu voll und zu lang sind und somit deren Erledigung einfach utopisch ist oder – und das ist viel schlimmer: Tage, an denen man sich einfach zu nix aufraffen kann.
Aktuell erlebe ich ersteres. Gerade bin ich ziemlich motiviert, schlafe gut, erledige das meiste sofort, brauche mir nicht mal was auf zuschreiben, weil ich einfach weiß was zu tun ist. Ich ermahne mich sogar selbst den Kram, der auf Treppenstufe eins bis sieben liegt, sofort mit rauf oder runter zu nehmen und pronto wegzuräumen. Ich ärgere mich zwar oft über meine Familie, dass sie Treppenkram grundsätzlich ignorieren, aber wenn ich ehrlich bin, ich bin nicht besser als sie.
Die besten Tage sind die, an denen Du nix geschafft hast, ausser Dir Zeit zu schenken.

An solchen Tagen fühle ich mich mies und auch ein bisschen wertlos.
Tage die rund laufen, an denen alles fluppt und nix kneift sind wunderbar und müssen eigentlich nicht groß erwähnt werden. Es sind die anderen Tage, die uns runter ziehen, die uns immer wieder sagen “Du schaffst nix, Du bist zu langsam, nicht kreativ, nicht aktiv und obendrein läuft das business gerade auch noch schleppend”. An solchen Tagen fühle ich mich mies und auch ein bisschen wertlos. Schluss damit!
Ich habe gelernt damit klar zu kommen, ja, diese Tage einfach hinzunehmen und zu akzeptieren, denn ich weiß, dass solche Tage auf wundersame Weise von ganz alleine wieder verschwinden. Wenn der Kopf, der Körper und auch das Herz mal nicht wollen, dann kann man sie nicht zwingen. Ich kann das zumindest nicht gut, denn es bringt meistens sowieso nix. Da fange ich einen Blogartikel an, komme aber überhaupt nicht in den Flow und tippe nur Mist. Ich räume kopflos mein Büro auf, schiebe Dinge von A nach B und lasse mich irgendwann wie ein Sack auf den Stuhl sinken, schaue mich um und denke: wohin mit dem ganzen Scheiß? Ich schaue in den leeren Kühlschrank und tippe etwas lustlos Lebensmittel in meine Einkaufsapp, kann mich aber einfach nicht entscheiden, was ich heute, morgen, übermorgen kochen soll.
Was ist da los?
Na, das Leben. Der Mensch. Die Gefühle. Vielleicht auch die Hormone.
Ich habe mir abgewöhnt, mich dann zu ärgern und mit mir selbst zu schimpfen. Im Gegenteil. Ich lasse es laufen, stresse mich nicht, setze mich nicht unter Druck, denn ich weiß, morgen sieht die Welt wieder ganz anders aus.
Ich weiß einfach, dass es solche und solche Tage gibt und diese unterschiedlichen Tagesformen, die ich so habe, versuche ich einfach hinzunehmen, ja sogar auszukosten: Wenn mir keine Worte für einen Blogbeitrag einfallen, dann setze ich mich eben an meine Nähmaschine. Wenn ich keine Lust habe, die Naht wieder und wieder zu trennen, dann greife ich eben zu Pinsel und Farben. Und wenn das Bild einfach nix wird, dann räume ich eben meinen Kleiderschrank auf. Entscheidungen fallen mir grad einfach schwer? Dann gehe ich eben eine Runde mit Mollie. Wenn es draußen zu ungemütlich ist, dann bügel ich eben Wäsche weg und schaue nebenbei eine Serie auf dem Handy. Es gibt immer was tun, was uns gerade leichter von der Hand geht. Und wenn wir mal was nix geschafft haben, dann ist das nicht dramatisch. Dann schenken wir uns eben selber ein bisschen Zeit… und der Erledigungswahn wird einfach bei Seite geschoben.
Statt mich selbst zu zwingen, statt diese schrecklichen To Do Listen abzuarbeiten, nehme ich meinen Gemütszustand hin und koste ihn aus. Tue das, wozu ich gerade in Lage bin, was mir einfach leicher fällt, statt mich selbst zu überreden, dieses Kleid jetzt endlich fertig zunähen. Denn ohne Lust und Leidenschaft muss ich die Naht am Ende sowieso wieder auftrennen.
Klaro gibt es auch Dinge, die erledigt werden müssen- auch, wenn ich keine Lust habe. Das Leben ist kein Ponyhof. Das tue ich dann auch. Aber mehr eben nicht.
Erledigungswahn? Stresst mich! Das Wichtigste zuerst und dann sehen wir weiter.
An meinem Bildschirm und an den Küchenschränken kleben ein Haufen Zettelchen mit Erinnerungen und To Dos. Generell helfen sie mir, mich zu fokussieren und nicht das Ziel aus den Augen zu lassen, aber oft nerven sie mich auch. Wir versuchen alle das Leben dauernd abzuarbeiten, schreiben wie wild Listen, wollen immer optimale Leistung bringen und meinen, wenn wir alles aufschreiben, was wir zu tun haben, dann haben wir das meiste schon geschafft. Dabei kann dieser Häkchen – und Erledigungswahn einen auch ganz schön stressen und unter Druck setzen.
Wenn ich Listen für den Tag schreibe, dann halte ich diese so knapp und genau wie möglich. Dann schreibe ich nur auf, was wirklich erledigt werden muss und was ich auf keinen Fall vergessen darf. Zum Beispiel den Zahnarzttermin machen. Oder diese eine bestimmte Email beantworten. Den Kinderausweis für die Klassenfahrt kopieren. Mehr nicht. Schluss mit den Erledigungswahn! Am Ende des Tages möchte ich mich lieber über einige wenige Häkchen freuen, als wegen nicht gesetzter Häkchen frustriert zu sein.
Und weil’s gerade fluppt, habe ich heute seit langem mal wieder einen aus-dem-Bauch-raus-Artikel geschrieben und obendrein noch ein passendes Aquarellbild gemalt. Dass ich den Korb Wäsche deswegen nicht weggebügelt habe, juckt mich jetzt erstmal nicht. Der Tag hat ja noch ein paar Stunden und vielleicht bügel ich heute Nachmittag noch eine Runde. Häkchen dran, fertig!
Ich wünsche Euch einen entspannten uns stressfreien Mittwochnachmittag!
Liebe Grüße, Bine
