~ Corona Alltag ~
Was für Zeiten! Ich schwanke zwischen Gelassenheit, fast schon Entspannung und dann wieder Unruhe, Unbehagen und Sorge.
Ich habe noch nie in meinem Leben so viele politische Pressemitteilungen online verfolgt, so viele Zeitungen und Berichte gelesen und Podcasts gehört.

Eine starke Empfehlung an dieser Stelle: Der Podcast von NDR Info “Das Coronavirus-Update mit Christian Drosten”, dem Leiter der Virologie in der Berliner Charité. Diesen Podcast höre ich seit Beginn an jeden Tag. Sachlich und unaufgeregt beantwortet er Fragen und klärt auf. Und danach bin ich immer ein bisschen beruhigter – obwohl er Fakten nennt, bei denen es mir schlecht wird. Trotzdem finde ich es beruhigend gut informiert zu sein.
Nein, ich bin kein panischer Mensch. Ich mache mir Sorgen. Sorgen um meine Familie, meine Eltern, unsere Freunde und das, was da alles noch kommt… Letzte Woche hätte ich niemals für möglich gehalten, dass wir heute da sind, wo wir sind. Vor zwei Wochen war das für mich noch alles utopisch. Mittlerweile erwarte ich alles und nichts.
Wie es hier gerade so läuft.
Wir bleiben zu Hause und das schon seit einer ganzen Weile. Der Kühlschrank ist recht gut gefüllt – es reicht tatsächlich einmal in der Woche mit Köpfchen und Einkaufsliste einkaufen zu gehen. Wir haben hier genügend Platz um uns aus dem Weg zu gehen oder gemütlich beisammen zu sitzen. Wir haben einen kleinen Garten, wo ich am Nachmittag eine Tasse Kaffee in der Sonne genießen kann. Uns geht es gut. Das wusste ich schon vorher und dankbar war ich für unsere familiäre Situation schon immer. Jetzt noch ein bisschen mehr.
Im Lebensmittelgeschäft halte ich Abstand, drehe mich weg. Nicht nur aus Angst, sondern auch aus Solidarität und Rücksicht. Gerade älteren Menschen gegenüber. Mir begegnen Menschen mit Panik in den Augen, die sich nicht trauen, an mir vorbei zu gehen und Menschen, die sich knatschig neben mich stellen, um nach Joghurt im Kühlregal zu greifen. Idiot denke ich und gehe weg, gehe weiter.
Ich drehe morgens meine Runde mit Mollie, treffe nach wie vor Freundinnen zum gemeinsamen Spaziergang. Küsschen, Drücken, Nähe sind dabei tabu. Es geht auch so. Mit Abstand, mit Rücksicht.
Es ist eine Krise. Da kann man nix schönreden. Aber diese Krise hat auch gute Seiten. Zumindest in meiner Welt. Ich weiß, dass es woanders ganz anders aussieht. Das Menschen um das Leben anderer Menschen kämpfen, dass Menschen ihren Job nachgehen müssen, obwohl sie vielleicht viel lieber zu Hause wären. Dass Menschen zu gerne ihren Job erledigen würden, das aber zur Zeit nicht dürfen.
Mittel fehlen in allen erdenklichen Formen: Einnahmen, Kittel, Mundschutz, Kunden, Anfragen, Freunde, bestimmte Lebensmittel … Die Berichte über’s Fehlen, die bewegen mich sehr.
Was mir derzeit ein bisschen Glück und Frohsinn beschert, was mich gerade aufmuntert:
Familienzeit.
Seit neun Tagen glucken wir hier zusammen. Mal wurschtelt jeder in seinem eigenen Zimmer vor sich hin, dann treffen wir uns wieder in einem Raum zum gemeinsamen Essen, zum Reden, zum Filme gucken. Mal nerven wir uns gegenseitig, dann lachen wir wieder zusammen. Familie ist und war mir schon immer wichtig. Diese Tage erlebe ich uns besonders intensiv. Sie bringen mich mal an den Rand des Wahnsinns und dann erfüllen sie mich wieder mit Glück.
Videochat ist der neue Kaffeeklatsch.
Die Kinder machen es uns vor, sie quatschen online mit ihren Freunden, manchmal auch per Video-Chat. Auch ich habe in den letzten Tagen immer öfter auf die kleine Kamera getippt und Freundinnen oder meine Eltern mit der Videofunktion angerufen. Sehr lustig ist das! Ganz besonders, wenn man gleich mehrere Leute in einen Chat einlädt. Wusstet Ihr, dass man bei Whatsapp mit bis zu vier Personen Video-chatten kann? Probiert es mal aus! Heute Abend treffe ich ein paar Mädels virtuell zum Quatschen.
Wenn der Lehrer lustige Emails schreibt.
Alle paar Tage trudeln hier Emails von den Lehrerinnen und Lehreren meiner Kinder ein. Über die mitgeschickten Aufgaben können sich die Kids jetzt nicht so freuen, aber die Ansprache aller Lehrer ist einfach toll. Mit Witz und Humor liefern sie Aufgaben, versuchen uns Eltern zu entlasten, geben uns Raum für Fragen oder Unterstützung, fragen die Kinder, wie es ihnen geht. Ich finde das großartig und sage: Danke!
Lachen ist die beste Medizin.
Ich bin ein Fan von schwarzem Humor und könnte mich über die kleinen Videos und lustigen Grafiken, die von einer Whatsapp-Gruppe zur nächsten geschickt oder bei Facebook geteit werden, manchmal echt kaputt lachen. Humor ist in gutes Anti-Stress-Mittel und wenn wir uns gegenseitig ein Lächeln auf die Lippen zaubern, dann hilft das vielleicht ein bisschen dieser Krise zu trotzen.
Hilfe und Unterstützung in der direkten Umgebung.
Kaum war abzusehen, dass wir erstmal nicht mehr raus gehen sollen, wurden die ersten Hilfsangebote geteilt. In den sozialen Netzwerken sowieso, aber auch in meiner direkten Umgebung. So bin ich z.B. in einer Whatsapp-Gruppe, in der Einkaufszettel von älteren Menschen aus unserem Dorf geteilt werden. Jüngere übernehmen das Einkaufen. Oder das Speisen-Abhol-Angebot unserer Dorfkneipe. Es wurde online rasant ge- und verteilt, die Betreiber des Restaurants verkaufen seitdem Speisen durch’s Fenster. #supportlocal wird dieser Tage immer größer. Vergesst nicht die, die um Euch herum leben und arbeiten und denen gerade massiv die Einnahmen wegbrechen.
Der Lerneffekt – Selbstständigkeit & Mitarbeit.
Diese außergewöhnlichen Ferien, die eigentlich keine Ferien sind, fordern gerade auch die Kinder. Die finden diese “Corona-Ferien” übrigens total doof. Ich werde sie daran erinnern, wenn sie irgendwann wieder zur Schule müssen und dann darüber meckern. Für sie ist die Organisation ihres Tages eine echte Herausforderung. Hausaufgaben für Englisch, Deutsch, Mathe und Latein müssen erledigt werden, beide lesen aktuell eine Lektüre, sie sollen sich bewegen, aber keine Freunde treffen, sie sollen arbeiten, aber auch mal eine Pause machen. Sie dürfen ausschlafen, sollen aber nicht den Tag vertrödeln. Sie machen das gut, brauchen aber dennoch Motivation und Unterstützung. Sie lernen gerade Emails zu schreiben und mit ihren Lehrern zu kommunizieren und sich auf der Online-Plattform der Schule zurecht zu finden. Ich glaube, dass auch sie an dieser Situation wachsen, auch wenn ich ihnen – uns allen – diesen aktuellen Alltag zu gerne erspart hätte.
Alle müssen anpacken – Feldwebel Mutti gibt den Ton an.
Wie gesagt, es sind keine Ferien. Wären Ferien, wäre ich um einiges entspannter und in allem lockerer. Wir haben aber alle was zu tun und da ertrage ich so ein Lotterleben nicht. Also habe ich Pläne geschrieben, die täglich abgehakt werden müssen. Zu allererst Schulaufgaben, dann Instrumente üben, Bewegung, Zimmer aufräumen, kreativ sein, im Haushalt mithelfen. Mittlerweile hat es sich so eingespielt, dass die beiden mir hin und wieder beim Kochen helfen und auf jeden Fall jeden Mittag die Küche aufräumen, die Spülmaschine ein- und ausräumen, den Abwasch machen. Und zwar so, dass es nachher nix zu Meckern gibt. Läuft (mittlerweile) richtig gut. Die Küche ist jeden Mittag blitzsauber, es darf ein Häkchen gemacht werden.
Ein freundlicher Ton.
Wie gesagt, ich drehe morgens nach wie vor große Runden mit Mollie. Je früher, desto weniger Menschen. Und wenn ich doch jemanden treffe, dann wird immer freundlich gegrüßt. Freundlich mit Abstand, nickend, wie Verbündete. Auch im Netz lese ich dieser Tage wahnsinnig viele freundliche Kommentare. Die bösen, die, die immer meckern, die blende ich bewusst aus. Verlasse ich doch mal unsere vier Wände, um das Nötigste für den Kühlschrank zu kaufen, dann begegnet mir auch da meist ein freundlicher Ton. Die Kassiererin, die Menschen, die die Regale auffüllen, sie alle absolivieren einen Knochenjob und schenken mir dennoch ein Lächeln.
Solidarität, gemeinsames Singen, Kerzen anzünden.
Da bekomme ich eine Gänsehaut. Die Solidaritätswelle, die durch die sozialen Medien rollen, berührt mich immer wieder auf’s Neue. Da wird gemeinsam gesungen und musiziert, Hilfsangebote gemacht, Mundschutze genäht und gespendet, Kerzen analog oder virtuell angezündet. Ich hoffe, dass wir diese Menschlichkeit auch noch nach der Krise beherzigen!
Ordnung ist das halbe Leben.
Ich bin nicht der ordentlichste Mensch unter der Sonne, aber eine gewisse Grundordnung brauche ich, sonst werde ich verrückt. Parktischer Nebeneffekt eines absolut leeren Kalenders: Man kann sich jetzt durch unsere Garage bewegen, ohne vorher einen Flugschein zu machen. Das Vorratsregal im Keller ist tip top aufgeräumt und sortiert und ich kann freudig verkünden: sollte mal Mangel an Hagelzucker bestehen, dann kommt gerne zu mir. Ich kann da aushelfen. Für die nächsten sieben Jahre ungefähr. Woher kommt dieser ganze Hagelzucker?
Positiv denken in schwierigen Zeit ist nicht so einfach.
Immer die gute Seite in einer schwierigen Situation suchen und finden ist manchmal einfach nicht möglich. Aber, wenn man nicht völlig durchdrehen möchte, wenn man das Privileg hat, nicht an der vordersten Front kämpfen zu müssen, dann sollte man das Gute und das Schöne nicht vergessen und nicht vernachlässigen.
Ich bin gespannt, wie ich meine eigenen Gedanken hier in einer Woche lesen werde? Wird es bis dahin schlimmer, dramatischer, gefährlicher sein? Oder werde ich zurück blicken können und merken, es geht jetzt bergauf.
Ich hoffe inständig auf Letzteres.
Ich wünsche Euch einen schönen Mittwoch!
Haltet durch, haltet Abstand und bleibt … ach, Ihr wisst schon.
Liebe Grüße
Bine
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