Vor ziemlich genau einem Jahr nahm ich mir, inspiriert durch einen Blog Artikel, vor, jeden morgen um 5 Uhr aufzustehen. In den ersten drei Tagen scheiterte ich kläglich. Immer wieder drückte ich – ach was- schlug ich auf die Snooze Taste des Weckers und schaffte es nicht, meine Beine aus dem Bett zu schwingen.
Ich war frustriert und genervt von mir selbst. Herr Gott nachmal, früher biste doch auch zu den unmöglichsten Zeiten aus der Pofe gekommen. Ich sach’ nur: Hotelfachfrau. Da stehste auf, wenn andere ins Bett gehen und begrüßt schlaftrunkene Gäste mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen. Echt! Das konnte ich richtig gut. Okay, da war ich auch 20 Jahre jünger.
Zurück zu meiner persönlichen Challenge. Nach drei Tagen schaffte ich es! Hammer Gefühl. Du stehst auf, alles ist ruhig. Still. Was war ich stolz.
Seitdem stelle ich für den Mann und mich jeden Morgen meinen Wecker auf 4:55 Uhr. Uahhhhh! Da ist ja noch eine Vier davor! Wie kannst Du nur?!? Höre ich ganz oft von Freunden. Ja, da ist eine Vier davor, weil die Snooze Taste immer noch mein Freund ist und wir zusammen mindestens 10 Minuten mit einander kämpfen. Um spätestens 5:20 sitze ich in meinem Büro. Geduscht, geschminkt, angezogen, mit einer dampfenden Tasse Kaffee vor mir.
Es gibt Morgende, da fällt mir alles leicht. Da ich bin ich fit und motiviert und weiß genau, was ich zu tun habe und tue das auch. Und dann gibt es Morgende, da wollen meine Augen nicht so richtig wach werden. Dann klicke ich mich durch Pinterest oder bearbeite Fotos.
Ist es nicht interessant, dass, obwohl wir immer zur gleichen Zeit ins Bett gehen und immer zur gleichen Zeit aufstehen uns trotzdem jeden Morgen anders fühlen? Es liegt am Schlaf. Mal schlafen wir ruhig und tief, mal unruhig, träumen wirr und sind am nächsten Morgen einfach nicht fit.
An meinem Morgenrhythmus, von dem ich Euch schon vor einem Jahr erzählt habe, hat sich nichts geändert. Ich arbeite (mal mehr, mal weniger- wobei man das Surfen durch Pinterest durchaus als Recherche-Arbeit werten werden darf!) jeden Morgen bis ca. 6.30 Uhr, dann gehe ich in die Küche, bereite das Frühstück vor (den Tisch decke ich immer schon am Abend), schmiere Schulbrote, koche noch einmal Kaffee. In der Zwischenzeit weckt mein Mann die Kinder, eine halbe Stunde später sitzen wir vier am Frühstückstisch. Danach wirbel ich einmal durch’s Haus, mache die Betten, räume auf, trage Schmutzwäsche in den Keller, schmeiße eine Maschine an, verabschiede dazwischen erst das eine, dann das andere Kind. Morgens bekomme ich echt was geschafft. Ich bin eine Lerche.
Danach laufe ich mit Mollie los Richtung Wald und See und marschiere mit ihr eine knappe Stunde. Ich bin so dankbar, dass wir einen Vierbeiner haben, der mich jeden Morgen in die Natur zieht und mir ordentlich Bewegung verschafft.
Am Wochenende und in den Ferien sehe ich es übrigens etwas lockerer. Da stelle ich mir den Wecker meist auf 7 Uhr. Dann habe ich nämlich immer noch ein paar Stündchen für mich, ohne das jemand ruft “Ich habe Hunger!”, “Ich habe keine Socken mehr im Schrank!”, “Was machen wir heute?”.
In letzter Zeit habe ich hier und da von Frauen gehört, dass sie morgens immer total gestresst sind. Kinder wecken, Frühstück zubereiten, Schulbrote schmieren, sich selber hübsch machen, alle vor die Türe scheuchen und selbst zur Arbeit fahren. Der ganz normale Alltagswahnsinn in den meisten Familien.
Das muss nicht unbedingt sein. Selbst, wenn Ihr nicht von zu Hause arbeitet und keine Lust habt schon morgens um 6.30 Uhr den Laptop hochzufahren: steht auf, macht Euch hübsch, kocht eine Tasse Kaffee (oder Tee), blättert in Ruhe durch die Zeitung,… schenkt Euch Zeit. Zeit und einen langsamen und bewussten Start in den Tag. Der wird dadurch so viel besser, da bin ich mir sicher.
Ich weiß natürlich, dass es Menschen gibt, die morgens einfach nicht zu gebrauchen sind. Die erst am Abend auf Hochtouren laufen und dann aktiv, kreativ und zielsicher sind. Das war ich mal. Vor 20 Jahren habe ich die Nächte zum Tag gemacht, konnte arbeiten, feiern oder mit Freunden abhängen und kam trotzdem morgens aus der Kiste.
Heute schaffe ich das nicht mehr. Gegen 22.30 Uhr ruft mich mein Bett und mein Kindle. Dann scheuchen wir Mollie einmal vor die Türe und dann ab ins Bett. Nach rund 18 Stunden auf den Beinen, ist das absolut legitim.
Probiert es mal aus. Vielleicht denkt Ihr- Nä! Das ist nichts für mich! Ich komme nicht gut aus dem Bett! Aber vielleicht empfindet Ihr das frühe Aufstehen als gar nicht so dramatisch und entdeckt, wie schön es ist, sich morgens eine halbe oder eine ganze Stunde Zeit zu schenken. Nur für Euch!
Versuch macht kluch! Lasst mich wissen, wenn Ihr es ausprobiert habt und schreibt mir, wie es Euch gefällt. Oder steht Ihr sowieso morgens früh auf?
Frische Lerchen-Grüße, Bine
