Zum ersten Mal schrieb ich in ein Tagebuch am 29. Dezember 1987. Da war ich 12 Jahre alt. Inspiriert durch die Geschichte der Anne Frank und einer damaligen Freundin, kaufte ich mir ein kleines blaues Heft und schrieb beinahe jeden Tag ein paar Zeilen hinein – insbesondere Schwärmereien zu Patrick Bach (was jetzt bitte unter uns bleibt!). Ich horte in einer Kiste im Schrank alle Tagebücher, die ich seitdem mit meinen Gedanken gefüllt habe… es sind ca. 27. 
Als ich auf die weiterführende Schule kam lernte ich Mädels kennen (die heute noch zu meinen besten Freundinnen gehören), die der gleichen Leidenschaft frönten wie ich: das Schreiben. Wir kauften uns kleine bunte Schreibhefte, schrieben unsere Namen hinein und dann nahm eine von uns das Heft mit nach Hause, schrieb einen Brief an die Freundin und gab ihr das Heft am nächsten Tag in der Schule. Die jeweils andere schrieb am Nachmittag einen Antwortbrief in das Heft und gab es am nächsten Tag in der Schule wieder zurück. So ging das hin und her. Über Mooonate. Diese etwas schräge Leidenschaft brachte es auf über 25 Hefte, Kladden, Ordner, die ich in der Kiste sammel. Die anderen rund 25 Hefte besitzen meinen Freundinnen, denn ich bekam immer jedes zweite Heft für mich. Das war alles vertraglich geregelt :-)
Als ich 1995 für ein Jahr nach Amerika ging, hatte ich zwar schon von Emails gehört, aber niemand in meinem Freundeskreis besass eine Emailadresse. Also schrieb ich mit den daheim gebliebenen Freunden Briefe. Unmengen von Briefen. Seitenlange Briefe. Traurige, glückliche, lustige Briefe. Noch vor Ort fing ich an, meine Geschichte aufzuschreiben und sah vor meinem inneren Auge schon den Bestseller vor mir “Aus dem Leben eines Au-Pairs” oder so ähnlich. Der Entwurf meines Bestsellers liegt ebenfalls in der Kiste.
Erst als ich mit der Ausbildung anfing trat meine Schreib-Leidenschaft immer mehr in den Hintergrund. Keine Zeit, keine Lust,… und dann entdeckte ich Blogs. Wie alles anfing, das habe ich schon oft hier geschrieben.
Ich entdeckte meine Leidenschaft zum geschriebenen Wort wieder. Ich schrieb und postete, weil ich gerne schrieb. Irgendwann kamen bei ‘was eigenes’ immer mehr Leser vorbei. Kommentierten. Kamen wieder. Trugen sich als regelmäßige Leser ein. Ich dachte mir, da geht was. Meine Leser spornten mich an. Besser zu sein. Mehr zu schreiben. Öfter zu schreiben. Bessere Fotos zu schießen. Noch mehrt DIY Ideen auszudenken und umzusetzen.
Ich lernte Blogger-Mädels virtuell und anlog besser kennen. Wir tauschten und aus. Über Zahlen, Statistiken, Reichweiten. Ich erhielt Anfragen von Unternehmen, Anfragen von kleineren Shops, Anfragen für Giveaway-Aktionen … Ihr wisst, worauf ich hinaus will. Ich gab ordentlich Gas. Ich wollte mehr. Der Druck wurde größer, überall poppten die schönsten Blogs und Postings auf.
Ende letzten Jahres war bei mir die Puste rauss. Zu viel Stress. Zu viele Hochzeiten, auf denen getanzt werden “musste”. im Shop brummte das Weihnachtsgeschäft, der Blog “musste” jeden Tag gefüttert werden. Ich machte mir zwischen den Jahren Gedanken und sagte mir: 2013 wird anders. Ruhiger. Entspannter. Kein Stress. Bloggen, wenn mir nach Bloggen zu Mute ist.
Im Sommer traf ich einige Blogger bei Ricardas Buchparty und dort wurde ich gefragt, wie ich denn das Bloggen so sehe? Zahlen, Fakten, Seitenaufrufe, Reichweite…?
Meine Antwort: Ich schreibe, weil ich gerne schreibe.
Dann kam die #blogst13 und dort ging es wieder um diese Themen, wie Blogger besser mit Unternehmen arbeiten könnten, SEO, Reichweite, bekannte Blogs, weniger bekannte Blogs. Bei einer Diskussion, die den ganzen Saal einbezog, meldeten sich viele Bloggerinnen. Sie erzählten von dem ganzen Stress rund ums Bloggen. Und ich horchte während der Diskussion immer wieder in mich hinein und fragte mich: Bist Du gestresst? Sag mal ehrlich! Mein innere Antwort: Nö. Nein. Nicht mehr!
Ich schreibe, weil ich gerne schreibe. Ich blogge für mein leben gerne. Ich freue mich über jeden Kommentar. Ja, ich schaue in meine Statistik, um zu sehen, welche Postings Euch am meisten gefallen haben. Ich freue mich, wenn sich neue Email Abonnenten anmelden, um hier auf dem Laufenden zu bleiben. Ich freue mich auch, wenn mich Firmen anschreiben, die bei mir einen Bannerplatz buchen möchten. Ich freue mich, wenn ich eine Email von bloglovin’ erhalte, dass sich neue follower angemeldet haben. Ich freue mich über Anfragen von Firmen, die mit ‘was eigenes’ und mir kooperieren wollen (wobei ich dieses Jahr beinahe jede Anfrage abgelehnt habe!). Ich freue mich über all das, denn ich bin Bloggerin. Bloggerinnen freuen sich über sowas! Bloggerinnen bloggen, weil sie sich auch wünschen, dass da draußen jemand ist, der das liest, was sie schreiben. Aber, unterm Strich schreibe ich, weil ich gerne schreibe. Ohne Stress. Ohne Druck.
Es gab mal eine Zeit, da erklärte ich meinen Stress und Druck damit, dass ich eine gewisse Verpflichtung meinen LeserInnen gegenüber hätte. Irgendwann zeigte ich mir selbst einen Vogel. So ein Blödsinn- hier steht nirgendwo geschrieben: willkommen bei ‘was eigenes’! Es erwarten Sie jeden Tag neue Beiträge und wenn nicht, dann bekommen Sie Ihr Geld zurück.
Was ich damit sagen will… Mädels, stresst Euch nicht. Denkt nochmal drüber nach, wieso Ihr mit dem Bloggen überhaupt angefangen habt. Ich schreibe hier, weil ich gerne schreibe. Und, weil ich so gerne fotografiere. Und, weil ich noch lieber Geschichten erzähle… von Ausflügen und Trips, von misslungenen Tarte Tatins, von noch mehr misslungenen Macarons, von Dingen, die mich glücklich machen, von Inspiration und woher sie kommt, von Kreativität, uvm. Und ich schreibe hier gerne, damit ich mir keinen Verleger für meinen Bestseller (s.o.) suchen muss, denn dafür schreibe ich heute einen Blog.
In 2012 habe ich (bis einschl. November) rund 340 Postings veröffentlicht, in 2013 (bis zum heutigen Tag) 223 Postings. Das sind über 100 Postings weniger. Ich bin meinem gesteckten Ziel treu geblieben und froh und dankbar, denn 2013 war ein tolles Bloggerjahr für mich mit eindeutig weniger Stress und weniger “jetzt”, “sofort”, “müssen” und “verdammt nochmal!”.
Und mit genau diesem Gefühl und diesem Ziel werde ich im Dezember und im neuen Jahr weitermachen. Weniger ist mehr. Qualität, statt Quantität. Alles kann, nichts muss.
In diesem Sinne… wünsche ich Euch einen gemütlichen Restsonntag, den Ihr hoffentlich mit Familie und/ oder Freunden verbracht habt und nicht (nur) an Euren Blog gedacht habt.
Liebe Grüße, Bine
PS.: Ich gratuliere alle Leserinnen, die es bis hierhin geschafft haben zu lesen und nicht nur Bildchen geguckt haben :-)
Und noch ein PS.: Ich freue mich auf Short Stories in 2014, bei denen unsere Geschichten und Gedanken wieder mehr Raum haben werden. Aber: Ohne Stress. Ohne Druck. Einfach nur, weil wir gerne schreiben!
