Als ich damals, vor fast 10 Jahren durch Zufall auf Blogs stieß, immer weiter und immer tiefer in diese digitale Welt eintauchte, da kam ziemlich schnell der Wunsch in mir hoch, dass ich sowas auch machen möchte. Jajaaa, ich weiß, die Geschichte kennt Ihr schon, denn ich habe sie schon manches mal hier erzählt, aber wartet! Ich möchte auf ein bestimmtes Thema hinaus:

Ich erzählte also damals meinem Mann von meinem Wunsch selbst einen Blog zu schreiben, worauf er mir antwortete: Wir haben doch eine ungenutzte Webseite. Nimm die doch. Okay, dachte ich und fing an, die Webseite neu zu gestalten. Ich hatte so eine Farbvorstellung von mint und hellbraun im Kopf- früher waren die Hintergründe der Blogs noch farbig. Oft bunt. Nicht wie heute. Ich wurschtelte mich also so durch die Webseiten-Möglichkeiten, versuchte eine Art Postings zu verfassen, merkte aber nach ein oder zwei Tagen, dass es nicht das war, was ich wollte.
Der entscheidende Unterschied zwischen Blog und Webseite war nämlich (früher): auf einer Webseite kann man nicht kommentieren. Aber genau das war es, was mich an der Bloggerwelt so faszinierte. Die Kommentare. Der Austausch. Die Fragen und Antworten. Das Hin- und Herschreiben. Die Kommunikation.
Nee, das ist alles Driss, dachte ich, löschte sämtliche Einstellungen auf der Webseite und meldete mich kurzer Hand bei blogspot an. Von da an hatte ich was eigenes.
Heute, beinahe 10 Jahre später habe ich immer noch was eigenes, aber die Bloggerwelt hat sich verändert. Sie ist größer geworden und bunter – nicht was die Blogdesigns betrifft, die sind heute eher schwarz und weiß- nein, die Bloggerwelt ist bunter im Sinne von vielfältiger geworden. Sie bietet mittlerweile wirklich für jedermann was zu Lesen, zu Gucken, zu Lernen und zu Staunen an.
Aber die Kommentare werden weniger. Immer weniger. Heute lesen Blogleser nämlich nicht mehr nur die Blogs an sich, sondern auch die dazugehörigen Facebook Fanpages, die Instagram und die Twitter Accounts. Über die sozialen Netzwerke werden Blogleser auf neue Blogposts aufmerksam gemacht und weil immer mehr über’s Smartphone gelesen wird und das Kommentieren mit diesem auf den sozialen Netzwerken viel einfacher ist, als auf dem Blog, wird oft dort der Kommentar zum Blogpost hinterlassen.
Nicht mehr im Blog selber.
Ausserdem ist es einfacher und geht es schneller ein Herzchen oder einen gehobener Daumen anzuklicken, als einen ganzen Satz zu schreiben. Wir haben ja schliesslich keine Zeit! Wer hat schon Zeit? Ich nicht.
Neulich wurde in einer Facebook Gruppe darüber gesprochen und diskutiert, ob die Kommentarfunktion noch zeitgemäß ist oder ob man sie nicht einfach abstellen solle. Der Blogschreiber wäre dadurch nicht enttäuscht, wenn nur wenige Kommentare auf ein Posting rein kämen, der Blogleser fühle sich nicht unter Druck gesetzt, etwas schreiben zu müssen. Einer von vielen Gedanken die dort geäussert wurden.
Das klingt einleuchtend. Ich lese auch viele Blogs, kommentiere aber selten. Manchmal verlasse ich einen Blog mit einem schlechten Gewissen, weil ich nicht meine Wertschätztung geäussert, sondern nur still konsumiert habe.
Also, was tun? Die Kommentarfunktion abstellen? Arbeiten wie ein Magazin, das Inhalte veröffentlicht, aber keine Reaktion der Leser erfährt (abgesehen von den Leserbriefen, bzw. Leser-Emails)? Auch, wenn ich hin und wieder enttäuscht bin, dass auf dieses oder jenes Posting kaum Reaktionen im Blog kommen, so kann ich mich mit dem Gedanken dennoch nicht anfreunden.
Manchmal sprechen mich Freundinnen darauf an und bedauern, dass ich auf ein Posting so wenige Reaktionen erhalten habe. Das stimmt, sage ich dann, aber dafür habe ich Kommentare, Herzen und Daumen auf Instagram und Facebook als Feedback erhalten. Es gibt eben nicht mehr nur die Bloggerin. Es gibt die Bloggerin, die gleichzeitig Facebook Fanpage Betreiberin ist, die einen Instagram Account hat, die ihre Inhalte auf vielen Kanälen veröffentlicht.
Kommentare zu erhalten und Kommentare zu hinterlassen- das war der Grund, warum ich da mitmachen wollte. Und weil ich selbst selten kommentieren, bin ich meinen LeserInnen nicht böse, wenn sie “nur” lesen, aber keinen Kommentar hinterlassen. Ich sehe ja im Hintergrund, was hier jeden Tag los ist.
Den Leser gänzlich auszuschliessen und keine Möglichkeit mehr zu geben, eine schriftliche Reaktion zu hinterlassen- das fühlt sich für mich seltsam an.
Deswegen wage ich es und stelle eine Frage- in der Hoffnung, dass Ihr mir hier eine Antwort gebt- auch, wenn Ihr eigentlich keine Zeit oder vielleicht keine Lust habt zu kommentieren: Wie seht Ihr das, ist die Kommentarfunktion noch zeitgemäß? Fühlt Ihr Euch unter Druck gesetzt oder gar aufgefordert, einen Kommentar zu hinterlassen? Oder möchtet Ihr am liebsten nur lesen und gar nicht erst die Möglichkeit haben, einen Kommentar zu schreiben?
Ich bin Euch aber auch nicht böse, wenn Ihr diesen Text nur gelesen habt und ohne eine Antwort weiterklickt. :-)
Habt einen schönen Dienstag! Liebe Grüße, Bine
