Corona Alltag, Rückblick

Das war mein März 2020 – ein Rückblick auf einen Monat, den ich nie vergessen werde.

Diesen März 2020 werde ich niemals nie nicht vergessen. Und ich hoffe, dass ich das nicht auch für den Mai und den Juni, den Juli und weitere Monate sagen werde. Dass der April dem März ziemlich ähnlich sein, davon gehe ich ganz klar aus. Aber fangen wir von vorne an:

Am ersten März schreibt der Kölner Stadtanzeiger auf seiner Titelseite: „Covid-19 breitet sich in NRW aus“. Am gleichen Tag sind wir bei Freunden zum Kaffee eingeladen, mümmeln leckere Zimtschnecken und Nusskuchen (ohne Mehl), dessen Rezept ich meiner Freundin abschwatze und später dann hier mit Euch teilen. An diesem Nachmittag machen wir auch Pläne für ein gemeinsames Holland-Wochenende. Zuerst wollten wir im Mai zusammen verreisen, haben uns dann aber für den August entschieden. Das war eine gute Entscheidung. Zum jetzigen Zeitpunkt. Wer weiß, was dann ist?

Ein paar Tage später feiert ein Freund seinen Geburtstag. An diesem Tag wird die Leipziger Buchmesse abgesagt, die Lit.Cologne soll da aber noch statt finden. Die Gäste stehen an diesem Abend dicht gedrängt auf der Terrasse, essen Currywurst, feiern zusammen, wir kommen uns nah. Einen Tag später darf ich Reste vom Ferrero-Geburtstagskuchen vernaschen. Köstlich!

In der ersten März Woche nehme ich an einem Blumen Workshop in Köln teil. Auch hier ist Corona schon Thema, aber irgendwie noch weit weg. Ich lerne nette Frauen kennen, die alle aktiv in diesem Internet sind. Die wenigsten bloggen, die meisten posten nur auf Instagram. Ich bin jedenfalls stolz auf meinen selbst gebundenen Kranz.

Am Wochenende darauf bin ich mit den Chor-Mädels zwei Tage in Bad Honnef. Stimmbildung, Kennenlernen, Karaoke, eine kleine Wanderung, Etagenbett und eine Menge Spaß. Ich glaube, ich war das letzten Mal vor 30 Jahren in einer Jugendherberge.
Im Nachhinein sagen wir uns, dass wir mit dem gewählten Termin Glück hatte; dass dies das letzte Wochenende war, an dem man noch tun und lassen konnte, was man wollte.

In der Woche darauf trudeln die ersten Absagen per Mail hier ein. Der Abschlussball der Tanzschule, das Messdiener Treffen, die Veranstaltung im Drachenmond Verlag in Leverkusen, wo ich so gerne hin wollte, dann sogar die Sonntagsmessen, es macht sich Verunsicherung breit. Herr Wiehler wird an diesem Tag in der Presse zitiert: Das ist eine ersten Lage, und diese Lage könnte sich weiter zuspitzen.

In der Woche fahre ich zum Stoffgeschäft – ohne zu ahnen, dass bald alle Läden geschlossen sind. Hätte ich doch nochmal Gummiband und Schrägband gekauft.

Meine Tochter und ich besuchen ein kleines Flötenkonzert von ihrer Freundin in der Musikschule. Hier und dort geht es nur im ein Thema. Dürfen wir uns bei der Begrüßung noch drücken? Noch nah kommen?

Und dann kommt das, was wir schon geahnt hatten, was kommen musste: Am Freitag, den 13. März stehen zwei Schulkinder vor der Türe, die irgendwie fassungslos, aber da auch noch ein bisschen schelmisch und aufgeregt von der Schulschließung erzählen. Die Schulrucksäcke sind prall gefüllt mit allen Unterlagen für die Hauptfächer. Ab jetzt wird zu Hause gelernt. Jetzt sind schon Ferien. Drei Wochen vor den eigentlichen Osterferien. Aber eigentlich sind keine Ferien. Alles komisch.

Das darauf folgenden Wochenende, an dem ursprünglich sieben Termine im Kalender standen, ist plötzlich komplett leer. Es wurde alles abgesagt.

Am ersten „freien“ Tag wird der Sohnemann 12. Wir feiern zu viert. Oma und Opa haben wir ausgeladen, den Kindergeburtstag habe ich abgesagt.
Seine besten Kumpels backen ihm eine sauleckere Biskuitrolle. Noch ist keine Kontaktsperre, noch dürfen wir uns sehen.

Deutschland sperrt derweil die Grenzen zu einigen Nachbarländern.

Wir müssen uns erstmal sortieren. Müssen realisieren. Weitere Terminabsagen trudeln ein, ich selber nehme den Hörer in die Hand und sage alles ab, was nicht nötig ist, was nicht abgesagt wurde. Wir machen es uns gemütlich, machen den Garten schön.
Ein paar Tage später lädt eine Freundin zum Kaffee unter freiem Himmel ein. Fünf Frauen sitzen auf Abstand und reden über das, was da gerade passiert, was wohl noch kommen wird.

Das Land appelliert erneut an seine Bürger den Abstand zu wahren, Spielplätze sind mittlerweile geschlossen, Köln schließt alle Restaurants.

Immer mehr Maßnahmen werden von oben ausgerufen und empfohlen. Ich habe keine Angst, ich bin nicht panisch, aber ich folge den Anweisungen. Und ich fühle mich überhaupt nicht wohl, wenn ich das Haus verlasse und Lebensmittel einkaufe. Abstand halten, nicht ins Gesicht fassen, denke ich die ganze Zeit. Ich schreibe Listen. Einkaufslisten, so dass ich nur höchstens einmal die Woche einkaufen gehen muss und To-Do-Listen für die Kinder.

Die Mollie-Runden morgens sind dagegen eine pure Freude. Frische Luft, Freiheit, wenige Menschen.

Dann am 18. März 2020 Muttis Ansprache im TV. Wir müssen die Verbreitung des Virus verlangsamen, sie über Monat strecken, Zeit gewinnen.

Die erste Woche ist rum. Eigentlich wären wir an diesem Wochenende mit meinem Eltern und weiteren Familienmitgliedern in Bad Neuenahr, um dort den 50. Hochzeitstag von Oma und Opa zu feiern. Das haben wir aber schon vor zwei Wochen abgesagt. An dem Tag besuchen wir sie natürlich auch nicht. Stattdessen Videotelefonie.

Der Schlüssel zum Glück steckt von innen. Mein Plotter hat diesen Spruch ausgeschnitten und ich habe ihn auf den Spiegel im Gäste WC übertragen. Kann man so oder so verstehen, passt zur aktuellen Lage.

Am Sonntag, den 22. März verhängt NRW ein Kontaktverbot. Treffen von mehr als zwei Personen ist verboten. Frau Merkel ist zu Hause in Quarantäne.

Ein paar Tage später hat der Mann Geburtstag. Wie gewünscht backe ich ihm einen Mohnkuchen, den ich ab sofort ins Familien-Backbuch schreiben soll (wenn ich denn eines hätte). Das Rezept muss ich noch runtertippen, kommt bald.

Da wir den Tag nicht mit Freunden feiern können, haben sie sich was super Tolles ausgedacht: eine Fotogirlande mit Happy Birthday-Grüßen hängt am Morgen am Garagentor. Ihr seid die Besten!

Statt eines Geburtstagsessen im Restaurant, holen wir uns das Restaurant-Essen in die Küche. So brauche ich nicht kochen, die Kinder nicht aufräumen und wir unterstützen obendrein unser liebstes lokales Restaurant. Mittlerweile hat nämlich alles zu. Kneipen, Restaurants, Friseure, Klamottenläden… .

Am Nachmittag – das Wetter ist traumhaft – fahren wir mit den Rädern nach Köln und gönnen uns ein leckeres Eis. Es fühlt sich wie Sonntag an. Die Straßen, der Lindenthalgürtel sind quasi menschenleer, aber vor der Eisdiele steht ruhig und geduldig eine Menschenschlange, dazwischen große Abstände. Es darf immer nur einer in die Eidiele rein.

Wollen will ich nicht, aber ich muss und möchte. Mit dem Rad fahre ich zum Einkaufszentrum, wohl wissend, dass alles geschlossen hat. Ich hoffe aber, dass ich noch Gummiband in der Drogerie bekomme. Fehlanzeige.
Die Stimmung ist spooky. Alle Geschäfte haben geschlossen, bestimmte Regale sind wie leer gefegt, mein Rad steht ziemlich einsam bei den Fahrradständern.

Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Der Sohnemann sieht mittlerweile aus wie ein Monchichi, deswegen greift das Tochterkind kurzerhand zur Schere rückt der Matte zu Leibe.

Die Tante meines Mannes arbeitet für einen Pflegedienst und bittet mich, dass ich ihr und ihren Kollegen eine Mund-Nasen-Maske nähe. Ich krame Stoffe und alles, was ich an Gummiband und Schrägband da habe, raus und lege los. Anleitungen gibt es zu genüge im Netz.

Was die Kinder in dieser Zeit alles so lernen – Emails an ihre Lehrer formulieren und schreiben, an Videokonferenzen mit der Klasse teilnehmen, sich organisieren und strukturieren, Mittagessen kochen, spülen und abtrocknen, nähen, Haare schneiden… und und und. Man kann dieser Zeit ja auch was Gutes abgewinnen. Wohl wissend, dass es uns verdammt gut geht.

Seit über zwei Wochen turnen wir hier also zu viert rum, was bedeutet: jeden Mittag kochen. Hin und wieder poste ich eine kleine Inspiration bei Instagram. Zum Beispiel Weißkohl mit Kartoffeln und Hack. Oder Nudeln mit Erbsen und Serrano Schinken. Oder Spaghetti Carbonara.

Ich werde diese unwirklichen März Wochen niemals vergessen. Ich bin weit weg von Panik und halte auch nichts von Verschwörungstheorien, aber ich befürchte, dass dieser Zustand noch eine ganze Weile andauern wird.
Und auch wenn ich mir mein altes Leben wieder zurück wünsche – ich genieße gerade unsere familiäre Nähe und auch diese ruhigen Tage und Abende. So langsam gewöhne ich mich an die viele Freizeit….

Und was war so auf dem Blog los?
Ich habe Schüsselhauben genäht, ein Blumenbild gestickt und Kleiderbügel umstrickt.

Ich habe Euch drei DIY Ideen zum Selbermachen rund um Ostern, Holz und Farbe gezeigt. Eierbecher, Anhänger für den Osterstrauch, kleine Osterhasen, Tischdeko.

Drei DIY Ideen rund um Ostern: Eierbecher, Anhänger, kleine Osterhasen. Basteln mit Holz und Farbe, waseigenes.com

Ich habe Nusskuchen (ohne Mehl) und Quiche Lorraine à la Bine gebacken und das Rezept für Kartoffelstampf mit Endiviensalat mit Euch geteilt.

Ich habe ein bisschen von unserem Alltag, von Sorgen, Glück und Humor erzählt und ich habe Euch mein aktuelles Pinterest Problem geschildert.

Leider leider ist mein Konto nach drei Wochen immer noch gesperrt. Neuigkeiten dazu gibt es noch keine. Ich bin am Ende mit meinem Latein.

Nun haben wir also April. Den 1. April 2020.
Eigentlich wären wir vier diesen Monat für drei Tage nach Wien gereist. Eigentlich wäre am kommenden Freitag der letzte Schultag vor den Ferien. Und eigentlich würden wir Ostern bei meiner Schwester feiern.

Die Termine für die kommenden drei Wochen habe ich schonmal aus dem Kalender gelöscht. Mal sehen, wie es weitergeht.

Liebe Grüße
Bine

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7 Comment

  1. Reply
    Myriam
    1. April 2020 at 09:41

    Puh, wenn man das nochmal so liest – Gänsehaut. Dabei gewesen und trotzdem unglaublich.

    Danke für diesen Rückblick – zwar deiner, aber mit Sicherheit so oder sehr ähnlich bei vielen.

    Liebe Grüße & bleib gesund,
    Myriam

  2. Reply
    Ines
    1. April 2020 at 10:15

    Obskure Zeit gerade. Als ich die Teilnahme an einer Feier für Mitte März abgesagt habe, war der Gastgeber sllen Ernstes beleidigt.

    Der Urlaub aus der ersten Märzwoche kommt mir vor, als sei er Monate her.

    Was ich merke? Ich mag im Grunde nur wenige Menschen wirklich in meiner Nähe haben. Das sind noch weniger, als mir vorher schon klar war.

    Alles Gute für Euch!

  3. Reply
    Heike
    1. April 2020 at 12:05

    Brauchst du Gummiband?
    Ich hab wirklich große Mengen klassisches Hosengummi “ geerbt“! Schicke ich dir gern- wenn du magst.
    Liebe Grüße Heike

    1. Reply
      Bine | was eigenes
      1. April 2020 at 12:29

      Ich danke Dir für das tolle Angebot, liebe Heike.
      Ich vernähe gerne Schrägband und habe auch noch Gummiband da.
      Wenn es eng werden sollte, dann würde ich mich per Mail bei Dir melden.
      Liebe Grüße, Bine

  4. Reply
    Claudia
    1. April 2020 at 17:21

    Eigentlic wären wir am 15.3. für eine Woche in die Sonne geflogen. Haben uns glücklicherweise am 14.entschieden alles sausen zu lassen und bleiben, da das Auswärtige Amt erst am 16. endlich mal reagiert hat, auf unseren Kosten sitzen. Dafür mussten wir nicht ausgeflogen werden.
    Eigentlich hatten wir über Ostern ein Wochenende Berlin gebucht…..hier kommt wegen Storno des Hotels wenigstens die Kohle zurück.
    Eigentlich wollten wir an Ostern die Schwiegereltern im Pflegeheim besuchen…..geht nicht und sie sind enttäuscht.
    Eigentlich wollten wir im Mai über meinen Geburtstag 2 Wochen nach Griechenland….fällt nun auch flach, auch hier bleiben wir auf unseren Stornokosten sitzen.
    Eigentlich sollte ich jeden Tag ins Büro und sitze jetzt im Homeoffice……auch mal schön, aber mir fehlen die Kollegen.
    Eigentlich habe ich langsam die Nase voll von dem ganzen Corona Schxxxx.
    Eigentlich wünsche ich aber mir und euch, dass wir alle gesund bleiben und mit gehörigem Abstand durch den ganzen Mist kommen und uns bald alle wieder ins Leben stürzen können.
    Bleibt gesund!

  5. Reply
    San
    1. April 2020 at 19:11

    Ich habe mich noch nicht aufraffen können einen März Rückblick zu verfassen und auch wenn das etwas „hart“ zu lesen war, so ist es doch gut aufgeschrieben zu haben, wie wir diesen Monat empfunden haben… hier war das nämlich ähnlich… am Anfang des Monats hatte man das schon auf dem Schirm mit dem Corona-Virus, aber erst zur Mitte hin kamen dann wirklich auch krasse Einschränkungen hinzu, die uns dorthin gebracht haben, wo wir jetzt sind.

    Danke für deine Zusammenfassung der gemischten Gefühle…

  6. Reply
    Dani
    2. April 2020 at 18:24

    Krass oder? Das ging alles so schnell mit dem Corona. Bis auf die Tatsache, das ich kein Klopapier kaufen kann, läuft hier eigentlich alles normal ab – nur das eben die Lokalitäten und bestimmte Geschäfte zu haben. Aber so sind wir Norddeutschen halt :D Ach ja, Klebestreifen gibts hier auch :D

    Liebste Grüße
    Dani

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