Corona Alltag, Rückblick

Das war mein Oktober – Alltag mit angezogener Handbremse. Jeden Tag ein neuer Rekord. Winter is coming.

Nach einem mehr oder weniger lockeren September habe ich das Gefühl, dass wir alle durch den Oktober mit angezogener Handbremse navigierten. Im Mai schrieb ich „Aufbruch, Rückzug, Verwirrung, Unsicherheit“ – ähnliche Gefühle begleiteten mich auch durch den Oktober.

Das war mein Oktober - Alltag mit Handbremse. Jeden Tag ein neuer Rekord. Winter is coming | Meine Monatsrückblick Kolumne | waseigenes.com

Unbeschwertes Beisammen sein fehlt mir.

Am 1. Oktober treffe ich zwei Freundinnen in einem Hürther Restaurant. Es ist so schön die beiden wiederzusehen, aber ich fühle mich da nicht richtig wohl. Es ist so warm und stickig, kein geöffnetes Fenster, nach meinem Empfinden zu viele Menschen. Werde ich langsam paranoid?

Am Abend darauf: Mädelsabend mit ein bisschen Tanz auf der Terrasse. Eigentlich dürfen wir nicht singen, nicht tanzen und schon gar nicht schunkeln. Wir tun es trotzdem – aber natürlich absolut Corona-konform, nur ein bisschen, mit viel Abstand und leisen Tönen und es tut so gut. Ich vermisse unbeschwertes Zusammensein.

Eine Reise mit Anspannung & Begeisterung Anfang Oktober.

Ein paar Tage später fliege ich nach München. Ja, ich habe lange hin und her überlegt, ob ich die Einladung wirklich annehmen soll. Auch, welches das kleinere Übel ist? Flugzeug oder Bahn? Ich wappne mich mit Masken und Desinfekionsspray, springe auf die Seite, wenn mir andere entgegenkommen. Es ist wie in einem Sience Fiction Film. Der Flughafen leer, das Flugzeug nicht mal zu Hälfte gefüllt, in München überall Polizei-Kontrolle.

Trotz allem – es war ein toller Trip, ich habe viel gelernt, bin im Sojafeld rumgeturnt, habe nette Menschen kennen gelernt und seit 100 Jahren mal wieder Frau Müller getroffen. Mei, war des schee. Und dann empfinde ich Erleichterung, als ich wieder in unserem beschaulichen Hürth zu Hause bin.

Karneval, der Verrückte auf der anderen Seite und mein Super Diva Statement.

Anfang Oktober bittet die Interessengemeinschaft Gastro die Kölner am 11.11. zu Hause zu bleiben und auf gar keinen zu feiern. Ich finde es super, dass einige Gastronomen sich bereit erklären, dass sie am 11.11. erst gar nicht ihre Läden öffnen. Dass sie nur zwei Wochen später gesagt bekommen, dass sie sowieso den ganzen November schließen müssen, dass ahnt da noch niemand.

In den USA geht die Farce weiter. Nachdem der Idiot aus dem Krankenhaus zurück ist, verkündet er, dass die Corona Hilfspakete erst nach seinem Wahlsieg beschlossen werden. Stattdessen gibt er Gas die Stelle am Supreme Court zu besetzen. Ich hoffe inständig, dass er die Wahl nicht gewinnen wird.

Ich fahre derweil in den Stoffladen und nähe mir ein Super Diva Shirt.

Am Freitag, den 9.10. ist letzter Schultag vor den Herbstferien. Wir starten in die freie Zeit mit einem Familien Kinoabend und Popcorn. Den Film „Enola Holmes“ kann ich Euch wärmstens empfehlen! Mollie möchte auch Popcorn.

Mein Oktober Mantra: Bleibt gesund.

Am 12.10.20 wird der Inzidenzwert von 50 rauf und runter diskutiert. Er ist aktuell das Maß aller Dinge, wird er überschritten, wird ein Gebiet zum Risikogebiet erklärt. Laschet appelliert an unsere Vernunft. Weitere Einschränkungen, höhere Bußgelder, Maskenpflicht in öffentlichen Bereichen folgen. Köln liegt jetzt der Wert jetzt bei 59,7.
Frankreich meldete am Wochenende fast 27 000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden, Restaurants uns Bars müssen schließen. In anderen Nachbarländern sieht’s nicht besser aus.

Bleibt gesund – das sagen wir uns alle dauernd gegenseitig. Aber gesund zu sein bedeutet noch viel mehr. Es ist ein Zustand des körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens … und bedeutet eben nicht nur, keinen Schnupfen, keine Grippe, keinen Virus oder sonst was zu haben, sondern sich einfach wohl und gut zu fühlen. Also optimistisch und zufrieden zu sein (und zu bleiben), Freude am Leben zu haben. Eben ein gewisses Wohlbefinden zu spüren. Das ist grad mein Mantra und das wünsche ich Euch auch von Herzen!

Mitte Oktober fahre ich mit einer Freundin zum zweiten Mal in diesem Jahr in die Uni Klinik zum Blutspenden. Vorher gönnen wir uns noch einen Milchkaffee in Sülz. Das Spenden an sich macht mir gar nix aus, aber am Nachmittag fühle ich mich, als hätte mir jemand den Stecker gezogen. Ich bin müde und schlapp.

Wir machen es uns schön.

16.10.2020 – jeden Tag ein neuer Rekord. Mittlerweile über 7.300 Neuinfektionen. Das Kino im Nachbarort schließt auf unbestimmte Zeit. Das Beherbergungsverbot kommt und wird in vielen Städten gerichtlich gekippt. Was für ein Hin und Her. Wer soll da noch durchblicken? Mutti appeliert eindringlich: bleibt zu Hause!

Es sind immer noch Herbstferien. Wir fahren in den Baumarkt, kaufen Material und schwingen am Wochenende den Pinsel. Ich habe das Bedürfnis, es uns hier einfach schön zu machen. Die vier eigenen Wände werden immer wichtiger. Am Tag darauf sind wir seit einer Ewigkeit mal wieder beim Kinderarzt, der Sohnemann hat eine U-Untersuchung.

Ein paar Tage später fahren wir… na, wohin? Richtig! Das Kind braucht einen neuen Schreibtisch. Nach einigen Stunden Möbel gucken, diskutiren und entscheiden, sind wir alle vier froh, als wir endlich wieder an der frischen Luft sind. Fix und alle gönnen wir uns eine Belohnung in der L’Osteria. Dort ist es um diese Zeit recht leer und mittlerweile stehen Plexiglaswände zwischen den Tischen.

22.10.2010 – 11.287 Neuinfektionen und die Regale sind schon wieder leer. Kein Toilettenpapier, kein Mehl, kein Zucker. Herrje! Im Radio wird eindringlich gesagt, dass wir nicht hamstern sollen und auch nicht müssen. Ich gebe aber zu: ich fühle mich mit unserer Vorratshaltung gerade ganz wohl.

Geburtstagskaffee bei Freunden im Garten mit leckeren Cheesecake Brownies. Das Rezept findet Ihr hier.

23.10.2020 Letzter Ferientag. Die 14 Tage sind wie im Fluge vergangen. Leider konnten wir ja in diesem Jahr nicht nach Holland. Deswegen fahren wir am Freitag ins Bergische Land und laufen den Milchwanderweg. Zu gerne wären wir irgendwo eingekehrt – aber nein, das fühlt sich aktuell einfach nicht gut und richtig an.

24.10.2020 Frau Reker warnt die Kölner, es sei 5 vor 12! Ich habe die Kölner Oberbürgermeistern noch nie so angepisst sauer gesehen. Die Lage spitzt sich zu. Man liest von privaten großen – richtig großen – Parties, an denen sich viele Menschen anstecken.

Ich fröhne derzeit meinen Leidenschaften: Nähen und Lesen. Wenn ich an einem Buchladen vorbei komme, muss ich rein gehen. Ich kann da nix gegen tun und ich kaufe fast immer was.

Das Rumgeeiere hat ein Ende – Teil-Lockdown, Schluss mit lustig.

Die Kinder sind wieder in der Schule. Ich treffe eine Freundin Köln und nur drei Tage später beschließt die Regierung den Teil-Lockdown im November. Kein Sport, keine Gastro, keine Freizeitangebote. Diese Entscheidung spaltet die Gesellschaft. Die einen begehren auf und schreien rum, sie würden das alles nicht verstehen. Die anderen sind dankbar und erleichtert.

Meine persönliche Meinung: ich leide mit all denjenigen, die sich mit Hygienekonzepten in den letzten Monaten so viel Mühe gegeben haben, die Heizstrahler und Wolldecken angeschafft haben, die alles richtig gemacht haben und denen jetzt einfach alles genommen wird!

Ich bin aber erleichtert, dass es für den November eine klare Richtung gibt. In den letzten Wochen habe ich bei so vielen Alltagsentscheidungen rumgeeiert – Dürfen wir das? Sollen wir das? Ist das moralisch vertretbar?

Jetzt geht es nur darum, dass wir uns weniger bewegen, weniger andere Menschen treffen. Wieder mehr zu Hause bleiben.

Beim Friseur trage ich nicht nur mein fertiges neues Sweatshirt, sondern auch meine Pril-Blumen Maske. Darauf bin ich schon so oft angesprochen worden.

Am 31.10.2020 ist nicht Halloween, sondern Weihnachten. Über 19.000 Neuinfektionen. Mutti Merkel hatte im September in einer Pressekonferenz gesagt, dass wir Weihnachten bei täglich 19.200 Neuinfektionen stehen würden. Diese Prophezeiung ist jetzt Ende Oktober schon eingetreten.

Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern Punkt zwölf! – das warnen viele Intensiv-Mediziner. Während es in den letzten Wochen immer hieß, dass wir genügend Betten haben, scheint sich das langsam zu ändern. Die Krankenhaus-Chefs haben mittlerweile Angst, dass sich ihre Ärzte und Pfleger anstecken könnten… mir macht das mittlerweile schon ein bisschen Angst.

Am letzten Tag im Oktober fahren wir nach Königswinter, genießen die letzten Sonnenstrahlen und Kaffee und Pommes im Biergarten.

Und was war im Blog im Oktober los?

Es gab viel zu futtern. Ein knuspriges Croque mit Schinken, Käse und Banane. Absolutes Soul-Food: einen French Toast Auflauf mit Schattenmorellen. Einen schnellen Kastenkuchen mit Äpfeln, Marzipan und Zimt. Einen herzhaften Auflauf mit Wirsing und Kürbis. Eine Quiche mit Möhren, Zucchini und Hähnchenbrust und einen Apfelkuchen verkehrt.

Ich habe aber auch ein schnelles DIY mit Makarmee und Kürbissen gezeigt, ein tolles Buch und einen ganz tollen Film hier vorgestellt.

Nun haben wir also den 1. November. Der Monat wird ruhig werden, das ist jetzt schon klar. Meine Gemütswelt schwankt dauernd zwischen Entspannung und Anspannung.

Ich wünsche Euch von Herzen, dass Ihr gut durch diese Zeit kommt. Macht es Euch gemütlich, lest Bücher, schaut gute Filme oder Serien, haltet Kontakt zu Euren Liebsten über Telefon, Whatsapp oder Video-Call, haltet durch!

Liebe Grüße
Bine

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2 Comment

  1. Reply
    Nikki
    4. November 2020 at 14:36

    I really like to read your blog to practice my German reading skills :-) Nice to see what you did in October, hopefully the COVID-numbers will descend in both the Netherlands and Germany, so we can visit eachothers country’s again.

    1. Reply
      Bine | was eigenes
      5. November 2020 at 06:42

      Dear Nikki,
      thanks for your kind comment! :-)

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