“Also, jetzt stellt Euch mal vor, Ihr schreibt einen Blog…”
“Ach? Tue ich doch. Was soll ich mir da vorstellen?”
“Warte! Stellt Euch vor, Ihr schreibt einen Blog. Aber! Ihr schreibt den völlig anonym!”
“Wie meinst Du das?”
“So ohne Impressum und so?”
“Ohne Profilbild? Mit Nickname?”
“Ja, genau. Total anonym. Kein Mensch weiß, wer Du bist. Wer da schreibt!”
“Und?”
“Das geht nicht. Es gibt eine Impressumpflicht! Das weißt Du doch!”
“Ja, Mann! Deswegen habe ich gesagt: stellt Euch vor! Wir unterhalten uns jetzt im Konjunktiv.”
“Konjun…was?”
“Möglichkeitsform!”
“Also, ich würde zu allererst auf allen Blogs, die kein Impressum haben, kommentieren, dass sie kein Impressum haben und, dass das Pflicht ist!”
“Ich würde da gleich eine Abmahnung hinschicken! *giggel*”
“Echt. Das würdste machen? Fiese Möpp!”
“Ich würde mehr aus dem Leben schreiben. Mehr die Realität erzählen. Ein Bild unseres unaufgeräumten Wohnzimmers zeigen und jammern, dass ich immer hinter meiner Familie herräumen muss!”
“Genau! Nicht immer vorher aufräumen, bevor man ein Foto für Instagram schießt!”
“Ja klar! Bei Dir ist es doch immer aufgeräumt. *tsss*”
“Ja- cool-einfach mal zeigen, wie es wirklich ist! Das wäre revolutionär!”
“Das gibt’s doch schon. Da schreiben die Leute dann immer drunter -für mehr Realität- oder so.”
“Ich glaube, ich würde mehr politische Themen aufgreifen. Das traue ich mich nicht. Hab Schiss vor den Reaktionen.”
“Echt? Du machst Dir über Politik Gedanken?”
“Ja klar. Du nicht?”
“Ähm. Nee. Nicht so richtig. Ist mir egal was die machen. Kannste doch eh nix dran ändern!”
“Ich könnte mich ja tierisch über diese Böhmermann Geschichte oder die Panama Papers aufregen!”
“Also, wenn ich eine Million hätte, würde ich auch versuchen so viel es geht bei Seite zu schaffen!”
“Pfui! Das hätte ich nicht von Dir gedacht!”
“Siehste- deswegen schreibe ich sowas auch nicht. Ich blogge ja auch nicht, dass mein Sohnemann gestern zwei Stunden Playstation gespielt hat, während ich mit Johanna telefoniert habe. Wenn das sein Lehrer liest!”
“Der Lehrer Deiner Kinder liest Deinen Blog?”
“Ich glaube schon. Bin mir nicht sicher.”
“Nee, Politik ist nix für mich. Ich würde lieber freche Kommentare auf anderen Blogs hinterlassen!”
“Boah, bist Du fies!”
“Gehen Euch nicht diese Postings auf den Keks, die irgendwie unehrlich rüber kommen?”
“Sind wir nicht alle unehrlich auf unseren Blogs?”
“Was soll das denn heißen?”
“Ach komm- Du weisst, was ich meine. Habt Ihr die Schulprobleme Eurer Tochter in den Griff bekommen?”
“Nee.”
“Und? Schreibst Du darüber in Deinem Blog?”
“Nee. Natürlich nicht. Ist mir zu peinlich! Und viel zu privat!”
“Und Du? Was ist mir Dir und Deinem Mann? Hast Du nicht neulich erzählt….?”
“Das geht niemanden was an!”
“Alles Schein und Sein. Friede Freude Eierkuchen!”
“Wer sollte das lesen wollen? Will doch alles keiner lesen. Schulprobleme. Eheprobleme. Geldprobleme….”
“Jetzt mal das doch nicht alles so schwarz!”
“Sie hat recht!”
“Meinste? Meinste, es interessiert meine Leser, wie es mir wirklich geht?”
“Jeder hat Probleme.”
“Mich nerven Blogs, auf denen es Werbung gibt!”
“Ahhh… das Gejammer um Werbung auf Blogs ist ja sowas von 2013!”
“Mich stört das gar nicht. Jeder, wie er will!”
“Ich stehe gerade in Verhandlung mit einem großen Unternehmen. Die wollen mit mir zusammenarbeiten. Ist das cool oder ist das cool?”
“Ich bekomme nie solche Anfragen.”
“Also ich lese ja so gerne diesen einen Blog. Die schreibt immer so lustig und zeigt immer Bilder von ihrer Familie und was die alles Tolles machen…..”
“Ach, hör doch auf! Ich verwette meinen Hintern darauf, dass es bei denen auch mal ordentlich rappelt!”
“Es gibt keine Familie, in der immer alles rund läuft.”
“Sehe ich auch so.”
“Ja, wahrscheinlich habt Ihr Recht. Aber ich mag das. Am liebsten lese ich den Tortenblog. Waaaahnsinn, was die für tolle Torten zaubert. Das würde ich auch so gerne können. Und die ist sooo hübsch und hat eine tolle Figur!”
“Klar. Die kotzt ihre Torten bestimmt alle wieder aus!”
“Das stimmt nicht! Die verschenkt die immer an Freunde und Kollegen. Würde ich auch machen. Zu viel Torte essen macht fett.”
“Ich backe ja auch für mein Leben gerne…. und ich esse das auch alles… mmmhhh!”
“… wie man sieht!”
“Ey!!! Aber Du hast ja recht. Ich habe zu viel auf den Rippen. Fühle mich grad so unwohl. Deswegen zeige ich mich auch nie auf meinem Blog. Und auf Bloggertreffen gehe ich total ungern….”
“Trotzdem lese ich solche Blogs gerne. Lenkt ab von meinen eigenen Problemen.”
“Das stimmt auch wieder. Manche Bloggerinnen schreiben so schön und zeigen sooo schöne Fotos. Da taucht man für ein paar Minuten in eine andere Welt!”
“Also lassen wir alles beim Alten?”
“Müssen wir. Es gibt ja die Impressumpflicht.”
“Scheiße!”
“Ist vielleicht auch ganz gut so. Themenwechsel: wie geht es Deinem Papa. Ist er noch im Krankenhaus?”
“Ach,… gestern Nachmittag war ich bei ihm…”
