Ich stecke in einem Dilemma. Genauer, in einem Einrichtungsdilemma. Auf der Suche nach einem bestimmten Stil, nennen wir ihn mal meinen Stil, finde ich: nichts. Der Grund ist ein ganz einfacher. Viele Einrichtunsgideen, -bilder und -reportagen, die ich im Internet oder in Zeitschriften sehe, gefallen mir, finde ich wundervoll und vielleicht auch beneidenswert. Aber, es ist nicht mein Stil. Viele (nicht alle!) dieser Ideen, Vorschläge, Anregungen, Beispiele von Wohnzimmer, Esszimmern, Küchen, Schlafzimmer und Hausfluren passen nicht in unsere vier Wände. Sie spiegeln einfach nicht das reale Leben wieder.
Das Leben mit zwei Kindern, einem Haufen Schuhe, einer Menge Jacken, zwei Schulranzen, die immer dort stehen, wo sie nicht stehen sollen, einem Hund, der sich draussen nicht die Pfoten abputzt, der obendrein noch Haare verliert, einer Küche, in der nicht nur gekocht und hübsche Wald- und Wiesenblumen auf dem Tisch drapiert werden, sondern in der gelebt, gegessen, gebastelt wird, in der Hausaufgaben gemacht werden, to-do-Zettel an den Küchenschränken kleben, ein Hundenapf steht, der immer kleine Wasserpfützen um sich versammelt. Sorry about the mess, but we live here. Diesen wahren Spruch liest und sieht man immer wieder. Meist jedoch in stylisch eingerichteten Wohnzimmern, in denen auf gar keinen Fall die Sofakissen plattgedrückt in der Ecke liegen oder auf dem Boden rumfliegen, weil gerade drei bis fünf Kinder darauf rumlungern und Wii spielen.
Prinzipiell mag ich es schlicht, aufgeräumt, mag weisse Möbel, helle Wände, dazu bunte Accessoires. Aber, ich mag auch Farben. In meiner ersten eigenen Wohnung musste mein damaliger Freund und heutiger Mann mir seinen ersten Liebesbeweis erbringen, in dem er mir meine Zimmerdecke blau anstrich. Später, in der gemeinsamen Wohnung wurde unsere Küche leuchtend gelb gestrichen. Noch später, eine Wohnstätte weiter, erfreute ich mich an einer knallroten Wand im Wohnzimmer, einer blauen Wand in der Küche und drei grünen Wänden im Schlafzimmer. Mittlerweile ist das Wohnzimmer wieder ganz weiß, Küche und Schlafzimmer durften bleiben.

Seit zehn Jahren schlafe ich umgeben von grünen Wänden. Das reicht mir nun langsam, etwas anderes muss her. Und jetzt komme ich zu meinem Dilemma, denn ich kann mich nicht entscheiden, was ich will. Vertraue ich angesagten Zeitschriften und noch angesagteren Fotos von Schlafzimmern auf Pinterest, dann sollten wir unser Schlafzimmer schleunigst weiss, maximal grau streichen, die bunte Bettwäsche entsorgen, schicke weiße Bettwäsche einkaufen, einen schwarz-weissen Teppich unters Bett legen, schlichte dicke Kissen auf dem Bett verteilen und immer frische Blumen auf dem Nachttisch- der am besten noch retro-vintage-super-cool-selbst-aufgemöbelt ist, stehen haben. Aber. Das. Ist. Nicht. Mein. Stil. Oder zumindest nur teilweise.
Ich hätte viel lieber ein wenig Farbe um mich herum. Vielleicht ein beruhigendes Blau. Oder ein leuchtendes Gelb. Oder doch wieder ein frisches (frischeres) Grün?
Früher habe ich mir über die Einrichtung unserer vier Wände nicht so viele Gedanken gemacht. Mein Mann und ich mögen weiße Möbel- auch schon, als es noch keine Blogs und kein Pinterest gab. Wir mögen es schlicht und geradlinig, wenig Schnick-Schnack. Und wir mögen Farbkleckse. Hier eine blaue Wand, dort ein paar gelbe Kissen auf dem Sofa. Aber in den letzten Jahren ist es mir immer schwerer gefallen, eine Entscheidung zu treffen, wenn es darum ging, ein neues Möbelstück zu kaufen oder ein Zimmer zu renovieren. Das Trend-Diktat ein Haus vornehmlich in schwarz und weiß einzurichten, welches ich eine zeitlang recht verlockend fand, gefällt mir heute nicht mehr. Insbesondere dann, wenn auf den Bildern, die da gezeigt werden, scheinbar niemand wohnt.
Ein ähnliches Problem besteht aktuell im Esszimmer. Dort steht ein großer Holztisch mit sechs Stühlen. Die Wahl fiel damals auf dieses Ensemble, weil sich der Tisch wunderbar weit ausziehen läßt und somit der ganzen buckeligen Verwandtschaft zu Taufen, Einschulungen, Kommunion und anderen Festtagen genügend Platz bietet. Trotzdem passt es nicht mehr dahin. Ich hätte gerne etwas Leichteres, etwas Helleres. Designer Stühle? Ja, da hätte ich den ein oder anderen auf meiner Wunschliste. Aber gleich acht davon… Hmpf! Lederstühle mag ich nicht. Ein Trödelmarkt-Sammelsurium an Stühlen kommt dem Mann nicht ins Haus. Also, was tun? Was ist gerade in, was sieht schick aus, was ist praktisch und erschwinglich und was will ich eigentlich?
Damit ich mich langsam mit einer anderen Farbe im Schlafzimmer anfreunden kann, habe ich neulich eine alte Schulkarte neben unser Bett aufgegangen. Wenn ich morgens wach werde, schaue ich erstmal auf Australien, Neuguinea und Neuseeland. Das gefällt mir. Und vielleicht male ich die Wand dahinter blau an. Die Bettwäsche darf dann auch bleiben, genauso wie der alte Sony Wecker, der mich schon aus dem Bett geschmissen hat, als ich noch zur Schule ging.
Und vielleicht kommt ja irgendwann wieder die Zeit, in der Redakteure nicht mehr nur Häuser und Wohnungen zeigen, in denen kaum Leben statt findet, auf denen man aus der Schule mitgebrachte Sandberge auf dem Flurboden sieht und auf denen auf dem Schuhschrank im Flur kein einzelner, fein dekorierter Schlüssel liegt, sondern vier Schlüssel, zwei Handys, ein Papierflieger, sieben Steine aus dem Wald, eine Hundeleine und und und.
Den Spagat zwischen hübscher und moderner Einrichtung, die gleichzeitig auch praktisch ist, in der sich leben und wohlfühlen läßt, finde ich enorm schwierig. Wie ist es bei Euch? Habt Ihr Farben an den Wänden? Seid ihr eher trendig eingerichtet oder habt Ihr einen ganz persönlichen Stil oder sind Euch die Einrichtungstrends schnuppe? Geht es Euch wie mir oder fällt es Euch leicht schnell zu entscheiden, wie ihr ein Zimmer einrichtet?

Als ich vor einigen Wochen das neue Wohnbuch Wohnen macht glücklich* von Will Taylor, der im Netz als “Mr Bright Bazaar” bekannt ist, erhielt, blättere ich gleich darauf los. Auch wenn nicht alle gezeigten Zimmer meinen Geschmack entsprechen, ich mag Wills Stil und Blick die Welt zusehen. Nämlich bunt und farbenfroh. Nichtsdestotrotz habe ich mich doch länger auf den Seiten aufgehalten, deren Zimmer eher durch ihre Schlichtheit und ruhige Farben bestechen. Nicht zu viel Nippeskram, nicht zu viel oller Kram, klare Linien, mit einigen bunten Farbtupfern. Das mag ich.
Das Buch gibt eine Menge Anregungen Farben in den eigenen vier Wänden zu integrieren. Es hat mir gefallen und mich inspiriert mal in andere Richtungen zu schauen. Will findet: Farben sind unsere Freunde! Da kann ich ihm nur zustimmen. Als erfahrener Interieur-Blogger und König der Pins, fordert Will den Leser auf, mehr zu experimentieren und dadurch einen eigenen Farbstil zu finden.
Ich finde es super, fast schon mutig, dass er in einer scheinbar weiss-grau-schwarzen Welt dazu aufruft, Farben ins Haus zu holen!
So. Und ich mache mich jetzt auf die Suche nach einer frischen neue Farbe für unser Schlafzimmer.
Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende! Liebe Grüße, Bine
*Affiliatelink. Ein herzliches Dankeschön an Callwey für die Zusendung!
