Abschied von der Grundschule –
Sie werden viel zu schnell groß. Wachsen aus ihren Klamotten raus, wachsen über sich hinaus, wachsen an ihren Aufgaben. Kaum sind sie auf der Welt, geht die Reise los… jeden Tag lernen sie Neues- greifen, lächeln, brabbeln, sitzen, krabbeln, laufen.
Es folgen unzählige erste Male und irgendwann auch letzte Male. Zum letzten Mal Babyschwimmkurs, zum letzten Mal Krabbelgruppe.
Am diesem Tag im Mai , bevor der Sohnemann seinen ersten Kindergartentag haben sollte, traf mich die Erkenntnis wie ein Blitz, dass ich ab morgen nie wieder ein Kind tagsüber um mich haben würde. Ich wurde plötzlich ganz melancholisch, wollte diesen einen Tag mit ihm genießen, aufsaugen, bewahren. Ich erinnere mich noch, dass ich ihn damals in den Fahrrad-Kindersitz setzte und mit ihm zum Tulpenfeld radelte. Wir bestaunten die wunderschöne Pracht an bunten Blumen und ich musste ihn immer wieder an mich drücken. Was wir sonst noch an dem Tag taten, weiß ich nicht mehr, aber dieser kleine Ausflug ist mir in guter Erinnerung geblieben.

Dann ging’s los mit der täglichen Routine.
Jeden Morgen wecken, aufstehen, mit mir an der Hand zum Kindergarten laufen- wohlgemerkt mit drei Jahren. U3 Gruppen waren da erst langsam im Kommen. Drei Jahre später Abschied nehmen, zusammen feiern, ein bisschen weinen, nur Gutes für die Zukunt wünschen, weiterziehen.
Grundschule. Anfangs begleitete ich ihn da noch am Morgen und freute mich, wenn ich am Schultor andere Mamas traf, mit denen ich noch ein bisschen quatschen konnte. Irgendwann lief er alleine morgens los…
Nun sind auch diese vier Jahre vorbei. Gestern nahmen wir wieder Abschied. Ein endgültiger Abschied, der uns alle sehr bewegt. Mich mit Worten und Taten, ihn ganz in sich gekehrt. Seltsame Gefühle, die in einem hochkommen, wenn man vor Menschen steht, die man schon so lange kennt, die man so oft gesehen hat, die man in die Arme schließt, danke sagt, auf bald, vielleicht, alles Gute!
Klar, das alles habe ich schon beim älteren Tochterkind “durchgemacht”- und doch ist es ganz anders. Bei ihren Verabschiedungen im Kindergarten und in der Grundschule war ich traurig, ergriffen, sentimental, aber ich wusste- in wenigen Wochen sehen wir uns alle wieder. Es ging weiter, eines meiner Kinder, ging ja noch in den Kindergarten, bzw. in die Grundschule.
Ein endgültiger Abschied fühlt sich anders an.
Endgültige Abschiede sind anders. Sie zeigen auch mir, dass ich älter geworden bin, dass eine kleine Ära zu Ende gegangen ist, dass ich nun nicht mehr Grundschulmama bin, keine Laternen mehr basteln muss, keinen Dienst in der Schulbücherei mehr schieben werde, keine Ideen für die Karnevalskostüme mit den anderen Mamas besprechen muss. Es gibt kein Klassentier mehr und beim Sportfest muss ich nun auch nicht mehr in der matschigen Sandgrube Weitsprünge messen. Auf der weiterführenden Schule ist alles anders. Auch toll und gut, aber eben anders. Wir sind dem muckeligen, heimiligen, warmen Raum der Grundschule, dem Klassenzimmer mit den beklebten Fenstern, den links und rechts Schildern neben der Tafel, entwachsen.
Kinder wachsen – nicht nur körperlich. Plötzlich muss man sie nicht mehr füttern und nicht mehr an der Hand halten, wenn man über die Straße geht. Auf einmal gehen sie alleine shoppen, braten sich ein Spiegelei, verabreden sich, … werden selbstständig.
Während man sie eine zeitlang rund um die Uhr um sich hatte, ist der Job der Mama irgendwann nur noch ein Teilzeitjob. Hallo und Tschüß- so schnell kannste gar nicht gucken, wie die schon wieder durch die Türe sind.
Das soll so sein, das ist ja das Ziel der Erziehung, des Familienlebens- wir begleiten sie anfangs ganz intensiv und hautnah und irgendwann brauchen sie uns nicht mehr ständig an ihrer Seite.
Ach, wenn sie doch nochmal klein wären.
Ich erinnere mich, dass ich früher oft gedacht habe Ach, wenn sie doch laufen könnte. Ach, wenn er doch alleine ins Auto steigen könnte (und ich den Brummer nicht dauernd auf dem Arm tragen muss, neben Windeltaschen, Maxi Cosi, usw). Wenn sie doch alleine zum Sport fahren könnten (und ich mich nicht immer zweiteilen muss, weil alle zur gleichen Zeit in eine andere Richtung müssen). Ach, wenn sie doch… und dann tun sie es, können sie es, machen sie es einfach… und ich denke Ach, wenn sie doch nochmal so klein wären. Wo ist die Zeit geblieben?
Meine Mama hat früher immer gesagt, “man sieht die Kinder immer schon groß”, man wünscht sich dauernd den nächsten Schritt. Und dann sind sie da, sind sie geschafft, die vielen Schritt bis zur Selbstständigkeit und wir fragen uns: wann ist das denn alles passiert und warum geht das so verdammt schnell?
Lauter Gedanken, die in den letzten Wochen – bei jedem erneuten kleinen Abschied- in mir hochkamen. Das ist ganz normal und es geht den meisten Mamas so. Es ist der Lauf der Dinge, es ist das Leben – wir Erwachsenen haben das alles schon oft genug miterlebt. Ich freue mich, dass es für ihn weitergeht, dass er bald mit seiner großen Schwester (wieder) morgens zu großen Schule radeln wird.
Als ich die Viertklässler gestern mit ihren Patenkindern aus den ersten Klassen auf der Kirchwiese sah, wie sie ihre blauen Luftballons in den Himmel haben steigen lassen, da war mir schon klar, dass es Zeit ist, dass sie reif sind für den nächsten Schritt. Diese kleinen großen Kinder, die so erwachsen neben den I-Dötzchen stehen und sie in den Arm nehmen und trösten.
Und trotzdem zeigt es mir auch, dass wir die Zeit mit unseren Kindern intensiv genießen sollten. Jede Zeit, jede Phase, die da kommt und wieder geht. Denn die fliegen viel zu schnell an uns vorbei.
Mama-Herzschmerz-Gefühle, die auch kommen und gehen. Kennt Ihr das?
Liebe Grüße
Bine
