Neun Jahre. Kurzer Blick zurück: Bine, 32 Jahre alt, verheiratet, eine Tochter (2), schwanger mit dem Sohnemann, sitzt in ihrem Büro (damals noch in der oberen Etage, denn das eine Kinderzimmer war ja noch frei), hört EinsLive und surft durch’s Netz. Ich frage mich, wo mein alter Glasschreibtisch ist? Wann und warum habe ich den jemals entsorgt? Der war schon schön, aber auch sehr anfällig gegen Patschehändchen und Fingerabdrücke. Ich landete auf einem Blog, ohne zu wissen, was ein Blog ist. Er nahm mich gefangen, hielt mich fest, ich las, stundenlang, tagelang, bis ich es auch wollte. Ich will bloggen! Also meldet ich mich bei google an, dachte kurz über einen Namen nach und hatte dann was eigenes.
Geheim hielt ich meine Leidenschaft, ich hab’s schon ein paar mal hier erzählt. Ich wollte nur dabei sein, mitmachen, mich unter diese freundliche Gemeinschaft von Frauen mischen, die genähte Sachen zeigten und von ihrem Leben erzählten, ihr dekoriertes Haus, ihren gebackenen Kuchen zeigten. Immer tiefer geriet ich hinein, kommentierte und wurde auf meinem Blog besucht. Wildfremde Frauen hinterließen Kommentare, freundlichen Zuspruch. Irre! I r r e!

Mit den Jahren wurde ich mutiger, zeigte mich, wurde bekannter im Netz als Bine, als Frau was eigenes, als Frau Hoppenstedt. Der Blog wurde populärer und wurde auf anderen Seiten als einer der DIY Blogs Deutschlands tituliert. Ich fand’s total doof, denn es stresste mich. Ich bin ein DIY Blog, ich muss neue, coole, noch nie dagewesene DIY Ideen entwickeln, umsetzen, zeigen. Dieser Stress Gedanke hielt zum Glück nicht lange an, denn schon bald besann ich mich auf das, was ich will: schreiben und tun, was mir Spass macht. Meinen kleinen Gemischtwarenladen mit Texten, Fotos und Ideen füllen, die ich gut finde. Das Rad kann und will ich nicht (mehr) neu erfinden. Wozu auch?
Vielleicht kreuzt irgendwann mal wieder eine Idee meinen Geist, wie das Leseherz. Ja, das ist auf meinem Mist gewachsen und nein, ich wusste nicht, dass es sowas offensichtlich vorher nicht gab. Erst im Nachhinein habe ich nach so einem Kissen gegoogelt und festgestellt- okay, Bine, coole Idee. Hätteste mal als Ebook verkaufen sollen, dann könntest Du jetzt auf den Malediven Cocktails schlürfen.
was eigenes ist ein großer Blog. Das bekomme ich oft gesagt. Tolles Kompliment. Aber das heißt nicht, dass ich nicht andere Blogger bewundere und beneide für ihre einzigartigen Fotos, ihre humorvollen oder einfühlsamen Texte, für ihre genialen DIY Idee. Immer wieder habe ich in den letzten neun Jahren mir Ideen bei anderen abgeguckt. Wie sie ihre Motive legen und knipsen, ihre Bilder bearbeiten, ihre Texte schreiben. Ja, ich habe am Erfolg dieses Blogs gearbeitet und ja, es gab eine Zeit, da habe ich mich überarbeitet… aber das ist lange her.
Ich habe viel gelernt. Ich weiß heute was SEO ist. Ich kann einige html-Zeilen lesen, verstehen und kurzerhand umschreiben. Ich kann meine Kamera bedienen, habe mein Näh-, Stick- und neuerdings auch Plotter-Fähigkeiten ausgebaut. Neuerdings übe ich handlettering! Ich bin ein verantwortungsbewusster Mensch, der gerne im Team arbeitet (aber leider kein Team hat), ein gepflegtes Erscheinungsbild hat, sehr kommunikativ ist und stets lösungsorientiert arbeitet. Wollen Sie mit mir zusammenarbeiten?
Anfang 2015 entschied ich Kooperationen einzugehen. Die Jahre davor habe ich hier und da mal ein Gewinnspiel veranstaltet, vor mehr hatte ich Angst. Angst vor Verurteilungen und bösen Kommentaren meiner Leser. Vor der Veröffentlichung meines ersten Werbeposts habe ich mir fast in die Hose gemacht. Und dann? Alles gut. Keine Verurteilungen, keine bösen Kommentare. Es funktionierte. Eine meiner liebsten Bloggerfreundinnen schrieb mal: Bine ist die einzige, die über Tütensuppen schreiben kann, ohne Haue zu bekommen.
Ja, es macht mir Spass mit kleinen und großen Unternehmen zu kooperieren. Gemeinsam Ideen auszutüfteln, etwas herzustellen und einen Text zu schreiben, der zu 100% aus meinem Herzen kommt. Mel Buml sagte mal in einem ihrer Vorträge, dass man ca. 80% eigenen Content und 20% Kooperationspostings auf dem eigenen Blog veröffentlichen darf, kann, soll.
2015 habe ich 147 Artikel veröffentlicht. 23 davon waren Kooperationspostings. Also Artikel, für die ich ein Honorar erhalten habe. 2016 habe ich bisher 123 Artikel veröffentlich. 28 davon wurden honoriert. Die 80/20 Regel ist nicht das Gesetzt, aber eine guter Richtwert für mich (danke Mel!).
Dass ich nicht all meine Leser mit Werbepostings vergraule, das zeigt mir meine Blogstatistik. Butter bei die Fische- 2014 wurden hier täglich knapp 3.200 Seiten aufgerufen, 2015 schon 4.400 und aktuell täglich über 5.000. Monatlich schwanken die Zahlen ganz schön stark.
Im Juni dieses Jahres zählte mein Blog z.B. rund 130.000 Seitenaufrufe. Im gerade eben verflogenen November über 200.000. So soll es ja auch sein, oder nicht? Ob das nun exorbitant, gutes Mittelmaß oder eher so la la ist, das kann ich gar nicht deutlich sagen, denn in der Bloggerwelt wird nicht viel über Zahlen gesprochen. Eigentlich ist es auch wurscht, denn ich persönlich freue mich über das Wachstum meines Blogs.
Wie schon geschrieben: ich kooperiere gerne mit Unternehmen. Ich habe meine Regeln- keine Gastartikel von Dritten, keine Linktauschs, keine nachträglichen Verlinkungen (über solche Anfragen kann ich mich aufregen!), immer hübsch das Wörtchen “Werbung” vorweg und alle Links auf no-follow gesetzt. Manchmal häufen sich die Anfragen. Gerade vor den Sommerferien und vor Weihnachten. Da gerate ich schonmal in Stress, denn noch eine meiner Regel lautet: niemals zwei Werbepostings hinter einander. Dazwischen möchte ich was eigenes veröffentlichen. Wenn ich drüber nachdenke, dann halte ich mich selbst für ein bisschen gaga! Schliesslich sind die Werbeposts auch was eigenes. Ich sach nur Lebkuchenhaus– was für eine Herausforderung! Oder das Thema regionale Lebensmittel. Ja, für diese Artikel erhielt ich ein Honorar. Für meine Arbeit, meinen Text, meine Recherche, meine Fotos und für ganz viel Herzblut und Bine-Gedanken.
Ich glaube, dass die Ablehnung oder das Entsetzten (gegen)über bezahlten Posts nicht mehr so groß ist, wie es vor ein paar Jahren einmal war. Ich für meinen Teil bewundere andere Bloggerinnen, die wirklich gute Werbeposts schreiben und damit ja auch zeigen: man möchte mit ihnen zusammenarbeiten. Das ist doch ein tolles Kompliment.
Ich arbeite seit 2014 mit meinem ganz persönlichen Blogplanner- oder, und das hört sich doch noch viel professioneller und cooler an: mit meinem Redaktionsplan. In eine Numbers-Liste (für nicht Mac-Fetischisten: das ist eine Art excel-Liste), trage ich in die Wochen-Reihen meine geplanten Postings ein. Hier habe ich schon ausführlich drüber geschrieben. Ich plane also. Und ich schreibe spontan. Und ich schiebe ganz oft Postingideen von eine in die nächste Woche. Ich führe meinen persönlichen, aber nicht privaten Blog, recht professionell. Er ist mittlerweile ein großer Teil meines monatlichen Einkommens und das freut mich.
Die meisten Klicks bekomme ich übrigens mittlerweile durch Pinterest. Und von dort genau: auf meine Rezeptpostings. Von wegen DIY Blog! Aber einen Foodblog schreibe ich auch nicht. Dennoch, das meist aufgerufene Posting hier (Statistik seit Mai 2013!) ist das Waffelteig Rezept. 147.408 mal wurde es schon angeklickt. Der Deutsche isst also gerne Waffeln. Mit 114.023 Aufrufen kommt gleich danach das Leseherz (Oh, Malediven!). Auf Platz 8 rangieren die Schönen Wörter. Also doch kein DIY Blog, kein Food Blog, sondern ein Gemischtwarenladen. Schön. Genaus so mag ich es.
Neun Jahre sind eine lange Zeit. Ich blättere gerne in meinem Blog zurück und lese alte Artikel. Erinnere mich, schmunzle, grinse, träume.
Als neulich die Blogst Konferenz in Hamburg statt fand, habe ich von zu Hause aus die Instagram Stories in meinem Feed verfolgt. Dort hörte und las ich, dass wir Blogger gar keine Blogger mehr sind, sondern social influencer. Hört sich ganz schön cool an und doch fühle ich mich damit (noch) nicht so richtig wohl. Passen mir diese influencer Schuhe? Ist es nicht vielmehr so, dass ich einfach nur Spass daran habe ein Instagram Bild hochzuladen? Wen sollte ich beeinflussen wollen, wenn ich ein Foto von Mistelzweigen zeige? Das tue ich, weil ich das Bild schön finde und eine Geschichte dazu schreiben kann (“für mehr Liebe!”). Natürlich bin ich mir bewusst, dass ich, wenn ich über Tütensuppe, über regionale Speisen, über Fertigteig und Kochboxen schreibe eine sog. Markenbotschafterin bin und somit auch ein social influencer. Vielleicht bin ich aber auch nur zu alt, mich mit diesem Begriff anzufreunden. Ich tu’s einfach, ohne groß drüber nachzudenken. Ich tu`s, weil ich es gut finde und weil es zu mir passt.
Was ich ebenfalls noch lernen muss, ist das veröffentlichen bewegter Bilder. Ja, man liest und hört es überall: Zeige Dich, rede mit Deinen Followern, gebe Enblicke hinter die Kulissen! Video ist das Zauberwort. Schon vor Jahren wollte mich ein Freund dazu drängen, dass ich meine Anleitungen als Video veröffentliche. Nä! Niemals! Dann müßte ich ja erstmal mein Kellerbüro richtig aufräumen, war meine Antwort.
Mittlerweile gibt es Instagram Stories. Ich komme mir da manchmal immer noch doof vor, aber andererseits macht es mir auch Spass und meinen Followern offensichtlich auch. Heute morgen schrieb mir jemand: Wenn ich morgens lachen will, schaue ich Deine Stories (Huhu, M.!) Das freut mich! :-)
Wahrscheinlich ist es wie mit dem Profilbild oder der Über mich Seite. Damals, als ich den Mut aufbringen musste, mich endlich auf dem Blog zu zeigen.
Heute, Bine, 41 Jahre alt, immer noch (glücklich) verheiratet (das ist ja heute fast schon leider eine Seltenheit), Mama zweier Schulkinder, sitzt in ihrem Kellerbüro, hört mittlerweile lieber WDR2 und surft immer noch gerne durch’s Netz. Die Bloggerlandschaft ist gewachsen. Einige machten für immer ihre Türen zu, viele viele neue kamen hinzu, andere wurden mit mir alt. Die Gemeinschaft ist gewachsen und Interessen und auch Freundschaften haben sich verschoben. Ich blicke auf eine wundervolle Zeit zurück und freue mich auf alles, was da noch kommt.
Ich möchte mich heute von HERZEN bei Euch bedanken. Ihr seid es, die mich hier täglich besuchen, die hin und wieder einen Kommentar hinterlassen (ich weiss… die liebe Zeit! Wir würden alle gerne mehr kommentieren, schaffen es aber oftmals nicht!), die meine Fotos teilen, die auf dem anderen Kanälen Herzen und Daumen-Hoch vergeben. Ohne Euch gäbe es das alles hier nicht. DANKE!
Ich schicke leicht melancholisch-aber-glückliche-Grüße von meinem Schreibtisch in die Welt, Eure Bine
PS.: Dass ich heute zwei Artikel veröffentliche, liegt daran, dass ich dann doch nicht so professionell, sondern eher chaotisch bin! Und einen Masterplan habe ich auch nicht. Aber ein tolles Notizbuch, welches mir das Gefühl gibt, einen zu haben. *grins*
