Besonders schön finde ich es immer, wenn ich mit Frauen, die ich eigentlich schon ziemlich lange kenne, plötzlich auf das Thema Lesen und Bücher komme und dann merke: die ist genauso verrückt wie ich. Man redet über so vieles. Über die Kinder, über Termine und Klassenfahrten, über Diäten und Einrichtung, über politische Ereignisse und Nachrichten, über das Leben im allgemeinen. Und dann erwähnt man ein Buch. Oder die andere erwähnt ein Buch und schon ist man mittendrin im Austausch über Gelesenes. Das Allerbeste daran ist, dass man tolle neue Buchtipps bekommt, auf die man sonst nie gestoßen wäre. So war es bei S., die mir Anna und Anna* ans Herz legte.
Es geht zum einen um die junge Anna, die zu Beginn des Buches 11 Jahre alt ist. Sie hat einen besten Freund, der Jan heisst und weil sich seine Eltern eines Tages trennen, zieht Jan mit seiner Mutter nach Amsterdam. Anna findet das doof und ist todtraurig. Sie und Jan schreiben sich Briefe, besuchen sich gegenseitig. Irgendwann sind sie keine Kinder mehr. Sie verlieben sich ineinander, aber sie sind getrennt und dazu noch so jung. Eine Fernbeziehung fast unmöglich.
Die ältere Anna ist die Oma der jungen Anna. Sie weiss ganz genau, was in ihrer Enkelin vorgeht. Auch die beiden schreiben sich Briefe, wenn Oma nicht da ist und wenn doch, dann haben sie einen gemeinsamen geheimen Briefkasten im Haus. Oma-Anna hat ihr linkes Bein verloren. Ausserdem ist sie Witwe, hat aber Kontakt zu einer alten Liebe. Ihrem Bein, ihrer alten Liebe und ihrer Enkelin schreibt sie regelmäßig ihre Gedanken per Brief.
So werden Briefe durch die Welt und innerhalb des Hauses verschickt. Und keinmal war ich verwirrt. Im Gegenteil. Zwischen den Zeilen der beiden Annas wird eine wundervolle Geschichte gestrickt: Eine Familiengeschichte, eine Liebesgeschichte, eine Geschichte, um das Erwachsenwerdens und eine Geschichte, die von Verlust und Ängsten erzählt. Ich bin ein großer Fan von Romanen, die in Briefform geschrieben sind. Ihr auch? -> Absolut empfehleneswert*!
Du und ich und all die Jahre*. Hach, ein schöner Titel oder? Ihr ahnt bestimmt schon, worum es geht. Natürlich um zwei Menschen, die all die Jahre zusammen sind und es eigentlich doch nicht sind. Neben Briefromanen, mag ich es auch sehr, wenn Geschichten auf zwei Zeitebenen erzählt werden. So ist es bei diesem Roman.
Nicole ist mit Dom verheiratet und plant im Dezember 2011 ihre gemeinsame Reise nach New York, auf die sich sich wahnsinnig freut. Die beiden wollen in New York Silvester feiern. Dann kommt der erste Rückblick. Nicole ist nun 13 Jahre alt. Sie muss Silvester zu Hause feiern und lernt dort Julian kennen, der von seinen Eltern verdonnert wurde, zu dieser Party mitzukommen, weil er mal wieder Blödsinn angestellt hat. Nicole und Julian sind ab diesem Zeitpunkt unzertrennlich und feiern jedes Jahr Silvester zusammen. Sie haben ein schönes Ritual: an jedem Silvester erzählen sie sich gegenseitig ihre guten Vorsätze. Beide sind ausserdem noch mit Alex befreundet und zu dritt verbringen die drei ihre Jugend, ihre Teenager Zeit, ihr Studium. Die Geschichten aus der Vergangenheit sind leichtlebig und so locker erzählt. Die drei lassen keine Party aus, leben in kleinen Studentenbuden, schwören sich ewige Freundschaft.
Auf einer Silvesterparty lernt Nicole eines Tages Julians Cousin Aidan kennen. Aidan ist um einiges älter als Nicole, die völlig fasziniert und hingerissen von ihm ist. Sie werden ein Paar. Sie trennen sich. Sie können nicht ohne den anderen. Sie können nicht miteinander. Nicole zieht einen Schlussstrich und heiratet Dom. Jahre später gerät ihr Leben wieder komplett aus den Fugen. Sie ist unzufrieden mit ihrem Job und auch mit ihrer Ehe. Dom versucht alles, um diese zu retten, begeht aber selbst einen großen Fehler.
Es hat mich nicht mehr losgelassen, dieses Buch. Abend für Abend wollte ich wissen, wie Nicoles Leben weitergeht. Amy Silver schreibt sehr klar und deutlich, aber auch locker und geschwätzig. Leichte Kost, die genau das Richtige für Leser ist, die auf Beziehungsgeschichten und -verstrickungen stehen. Man muss nicht viel nachdenken und nicht viele Namen behalten. Eine feine und leichte Lektüre*, die man eigentlich um Silvester herum lesen sollte. ;-)
Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende, hoffentlich mit einem guten Buch!
Liebe Grüße, Bine
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