Wir checken morgens immer, ob wir abends beide zu Hause sind. Ist das der Fall, treffen der Mann und ich uns vor der Glotze. Unbedingt! Auf jeden Fall!
Wir sind Modern Family – süchtig.

Eigentlich war Modern Family ja meine Serie. Meine bügel-fotos-bearbeiten-nähen-Serie, also Tätigkeiten, bei denen ich mein Hirn entspannt ausschalten und mich nebenbei unterhalten lassen kann.
Es war ein Fehler, dass ich dem Mann von Jay und Gloria, Claire und Phil, Mitch und Cam erzählt habe. Hätte ich nicht tun dürfen, denn eines Tages sagte er: ich will auch. Was hätte ich denn tun sollen? Das Netflix-Abo kurzer Hand kündigen? Ähm, nein! Die Zicke spielen und es ihm verbieten sollen? Nein, diese Fähigkeit muss ich mir für wichtigere Situationen aufheben. Also schaute er die erste Staffel zum ersten und ich zum zweiten Mal und damit war klar – das ist jetzt unsere Abend-Serie.
Ihr wisst ja, dass ich eigentlich auf historische Geschichten stehe, z.B. von Elisabeth und Claire oder die Hebammen-Mädels. Aber bei der modernen Familie war ich gleich gefangen. Sie sind einfach die besten. Super lustig, super unterhaltsam und überhaupt nicht kitschig-amerikanisch. Denn obwohl es sich hier um eine Comedyserie handelt, gibt es nicht dieses nervtötende Geklatsche, wie früher bei der Prince of Belaire oder Friends – was ich übrigens beides nie gesehen habe. Aus genau diesem Grund. Ich war eher Team Roseanne. Wurde da geklatscht? Ich kann mich nicht erinnern.
Modern Family – verrückt, liebenswert, chaotisch.
Jay Pritchett (formly known as Mr. Al Bundy) ist der Chef der Sippe, der Patriarch. Er ist der Papa von Claire und Mitch und der Opa von Haley, Alex, Luke und Lilly. Durch seine zweite Ehe mit der wahnsinns und um einige Jahre jüngeren Frau Gloria ist er ausserdem der Stiefpapa von Manny. Jay ist sowas von cool, eigentlich total unnahbar und emotionslos und doch Papa und Opa durch und durch. Seine Sippe hält er zusammen mit einer ordentlichen Portion Sarkasmus.

Claire, die mich mit ihrem Perfektionismus und ihrer zappeligen Art, manchmal etwas nervt, ist mit Phil verheiratet, der wohl als Kind zu heiß gebadet wurde. Also Marke liebenswerter Idiot. Ihre drei Kinder können gar nicht unterschiedlicher sein. Haley, das bildhübsche Blödchen, Alex, die eher unscheinbare super-Schlaue mit bissig schwarzem Humor und Luke, der seinem Papa in nix nachsteht, tollpatschig auf der ganzen Linie. Herrlich!

Auf der anderen Seite sind da Mitch, Jays Sohn und sein Partner Cam, eine Drama-Queen durch und durch. Während Mitch der nüchternde Anwalt und damit Ernäher der Familie ist, ist Cam eine Diva, die sich gerne verkleidet und sich rund um die Uhr um die adoptierte Tochter Lilly kümmert.
Besonders gern mag ich es, wenn die Darsteller zwischendurch eine Art Interview geben. Im Augen-rollen sind sie richtig richtig gut!

Ich liebe sie alle, aber Gloria ist der Hammer. Sie wirkt mit ihrem kolumbianischen Akzent manchmal etwas hilflos – aber sie hat’s faustdick hinter den Ohren und kann sehr gut mit einer Waffe umgehen.

Meine allerliebste Episode ist “Folgen Bedenken und Hirne verrenken” (Staffel 6, Folge 16). Claire steckt am Flughafen fest. Sie hatte einen blöden Streit mit ihrer Tochter Haley, die nicht auf ihre Nachrichten reagiert. Daraufhin telefoniert Claire abwechselnd mit ihrer kompletten Familie über Videoanruf. Einfach genial! Die komplette Folge spielt sich auf Claires Laptop ab.

Alles dreht sich nur um diese 11 Personen. Drei Generationen, eine Patchwork-Familie: Sie lieben und sie hassen sich, sie verbringen jeden Feiertag zusammen, fliegen gemeinsam in die Ferien und wuppen allein oder zusammen den Alltag. Es dreht sich nur um sie – manchmal tauchen Freunde oder Phils Papa auf – aber die meiste Zeit geht es um ihr Leben, ihre Jobs, einem kaputten Trockner, ein neues Spielehaus für den Garten, um das Entrümpeln des Kellers, …
Die Art und Weise, wie sie miteinandern umgehen, der teilweise bissige Humor sind für mich Unterhaltung pur.
Wer kennt sie und liebt sie so wie ich?
Liebe Grüße, Bine
