Als ich neulich mein Posting zum Short Stories Thema I love to blog vorbereitete, machte ich mich auf in die Vergangenheit. In meine persönliche Blogvergangenheit. Ich klickte wahllos zurück und las Postings, die ich vor Jahren geschrieben habe. Dabei dachte ich so manches Mal Gott, was haste denn da geschrieben? Oder Ach Du heiliger Strohsack- wie konntest Du nur so stark Deine Fotos überbearbeiten? Ich schämte mich ein bisschen… aber dann dachte ich mir So what?- dies ist ein Tagebuch. Da sieht man eben eine Entwicklung und das ist gut so.

So manches Mal dachte ich aber auch: Oh, wie schön, was Du damals erlebt hast! Oder Mensch, das sind ja wirklich schöne Ausflugs- Urlaubs- Reisefotos! Oder Den Text haste gut geschrieben! An einigen Postings blieb ich förmlich kleben und so habe ich nebenbei, auf einem Notizblock eine kleine Liste meiner liebsten Postings aus fast sieben Jahren was eigenes erstellt.
Im Mai 2011 fragte Frau Pimpi, im Rahmen ihrer damaligen Fotoaktion nach Zeichen der Liebe. Ich weiss noch ganz genau, wie ich damals, an diesem Tag im Mai mit den Kindern, auf dem Heimweg vom Kindergarten, über die Kirchwiese lief und Blümchen pflückte. Zu Hause legten wir sie im Garten in eine Herzform.

Laut meiner Statistik ist das DIY-Anleitungsposting für das Kürbis Nadelkissen, dicht gefolgt vom Cabochon-Ring, der absolute Dauerbrenner auf was eigenes. Überhaupt werden hier die DIY Anleitungen am häufigsten aufgerufen. Das freut mich und beschämt mich zu gleich, denn ich weiss, dass Leser (und da beziehe ich mich als Blogleserin natürlich ein!) einfach gerne Tutorials und Anleitungen lesen und dadurch etwas lernen wollen. Ich selbst komme aber leider nur selten dazu, ein Foto-Tutorial zu verfassen. Die Zeit. Ihr kenn das! Manchmal setzt mich das etwas unter Druck… ich müßte eigentlich, ich sollte mal wieder… und dann denke ich mir: Nee, geht jetzt nicht. Mach Dir keinen Stress. Mir persönlich gefallen ja die angemalten Kaffeetassen am liebsten. Die nutze ich immer noch und sie haben schon unzählige Male den Gang in die Spülmaschine überlebt!
In der kulinarischen Abteilung wird die Kinderriegel-Torte (die ja eigentlich ein schnöder Marmorkuchen ist) am häufigsten angeklickt. Gleich danach kommen die köstlichen Raffaelo Muffins, dabei stehe ich ja eher auf herzhafte Kost. So freue ich mich dreimal mehr über Eier in Senfsoße, ein deftiges Pastagericht, gefüllte Zucchini oder einen frischer Salat.
Der Grund warum ich eher was Süßes als was Herzhaftes poste ist ganz simpel erklärt: Kuchen wird selten sofort gegessen, wenn er aus dem Ofen kommt. Bis zum Kaffeeklatsch bleibt genügend Zeit alles vor die Terassentür zu schleppen und dort Bilder zu machen. Bei herzhaftem Essen, also Mittag- oder Abendessen- treibt mich der Kohldampf gleich an den Tisch oder meine Familie stöhnt Oh nee, nicht erst wieder stundenlang Fotos machen, wir essen jetzt! Jetzt!
Wovor ich übrigens keine Scheu habe, ist mich hier selbst zum Hans Wurst zu machen und einfach mal zuzugeben, wenn hier ein Macarons Desaster passiert oder etwas einfach nicht mein Fall ist – z.B. Cake Pops!

Neben DIY-Posts, kulinarische Berichte, Erlebtes und Gesehenes und natürlich Gelesenes (hach, Bücher!) mag ich ja persönlich am liebsten meine Gedankenschnipsel-Postings. Beiträge, in die ich ganz viel Herzblut, persönliche Gedanken, meine Meinung und Gefühle stecke und oftmals mehrere Tage dran arbeite. Die Liste führt mein “Outing-Posting” Wer ist eigentlich diese Bine? an, dicht gefolgt von Ich schreibe, weil ich gerne schreibe und Die Sache mit den Facebook-Freunden. Diese drei Postings blasen ja auch ins gleiche Horn- es geht um mich, um meinen Blog und um das, was ich hier preis gebe! Persönlich am Herzen liegt mir ein Posting vom April 2013: Staune, Homo Creativus!
Ob ein Posting bei meinen Lesern auf Interesse stößt, dass ist für mich immer noch eine spannende Geschichte. Trotz Statistiken habe ich das einfach nicht im Gefühl. Bei einigen veröffentlichten Postings erwartete ich mehr Rückmeldungen, als ich erhielt und so verhält es sich auch umgekehrt. Das Thema Blogs, Kommentieren auf Blogs, persönliche Blogs, private Blogs, Konsum-Blogs, Blog-Sterben, Blog-Müdigkeit,… poppt in letzter Zeit immer mal wieder auf. Kritische Beiträge, die fragen, wo das denn alles noch hinführen soll? Unglückliche Kommentare, dass sich die Bloggerlandschaft verändert habe, dass es zu viel Einheitsbrei und Konsumwut auf den den Blogs geben würde, dass alles um uns immer schnelllebiger von statten ginge, mehr auf Insta ein Bildchen zack- gepostet wird, als tiefsinnige persönliche Blogbeiträge geschrieben würden. Auf der anderen Seite hecheln viele den Themen Achtsamkeit, Entschleuniging, Nachhaltigkeit und gesunde Ernährung hinterher, die auch immer mehr in Zeitschriften aufgegriffen werden. Was denn nun?
Wollt Ihr wissen, was mir dazu einfällt? Jeder soll nach seiner Façon glücklich werden! Ich picke mir raus, wen oder was ich lesen will. Auch ich mag persönliche Blogs, auf denen mir ein Blick in den Alltag und ins Oberstübchen der Blogschreiberin gewährt wird. Da wird mein Voyeurismus befriedigt, da darf ich mal hinter verschlossene Türen schauen. Aber ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass mich Hochglanz-Magazine mit unnachahmbarem Perfektionismus und eben solche Hochglanz-Blogs kalte lassen würden. Natürlich schaue ich mir dann und wann auch mal einen durchgestylten Blog an (wobei ich das Motiv von perfekt manikürten Händen, die einen Teller mit Kuchen in der Hand halten, tatsächlich nicht mehr sehen kann. Nichts für Ungut!), dann denke ich bewundernd Wow! hat die toll gemacht! Wie lange sie wohl dafür in der Küche stand und danach fotografiert hat??! Ob Sie ihre Kinder so lange im Keller eingesperrt hat? und dann gehe ich in meine die Küche und koche einen Pott Milchreis für meine Lieben, statt einer dreistöckige Erdbeer-Mascarpone-Biskuit-Torte mit essbaren Blüten. Beim nächsten Mal entdecke ich aber auf genau solchen super Blogs eine tolle DIY Idee oder bewundere eine farblich abgestimmte Fotocollage und denke mir: G***, das musste auch mal versuchen!
Ich nehme mit, was ich mitnehmen will. Das tue ich nicht nur beim Bloglesen, sondern auch beim Lesen einer Zeitschrift – Modestrecken werden meist im Schnelldurchlauf geblättert und plötzlich springt mir eine Werbung ins Auge, die mich inspiriert – zum Nachmachen, Kaufen oder nur zum Schwelgen. Oder in einem Nippeskram-Geschäft, beim Lesn einer Geschichte, auf einer Messe, in der Natur. An manchen Blumen gehe ich achtlos vorbei, für andere schmeisse ich mich mit der Kamera auf den Boden, um sie zu fotografieren.

Ich finde, man sollte Blogs und die Menschen dahinter nicht verteufeln, die Kooperationen eingehen, die höchsten Wert auf perfekte Bilder legen, die Kurse belegen um noch besser zu werden. Genauso wenig nehme ich es mir heraus, Blogger gedanklich abzumahnen, nur weil ihre Bilder schlecht belichtet und ihre Texte Tippfehler haben. Jeder Blog hat mehr oder weniger Leser und das Recht darauf, die Kooperation einzugehen, die sie/ er für richtig hält; jeder Blogleser hat die Auswahl, das zu lesen und anzuschauen, was sie/ er mag. Außerdem sollte das “Blog-Sterben” nicht überbewertet werden. Es muss nicht per se was mit dem Bloggen an sich zu tun haben. Vielleicht liegen die Gründe dafür im familiären, beruflichen, privaten… in Bereichen, über die diese Bloggerin vielleicht nicht schreiben möchte?
Zwei sehr inspirierende Postings mit vielen Kommentaren haben neulich Indre und Mel veröffentlicht. Die Diskussionen in den Kommentaren sind interessant und absolut lesenswert. Was man davon mitnimmt… auch das bleibt wieder jeder Bloggerin selbst überlassen!
In diesem Sinne- ich wünsche Euch ein wunderbares Wochenende! Liebe Grüße, Bine
