Ich wusste ja schon Ende März, dass der April nicht viel anders sein würde. Abstand halten. Kontaktsperre. Keine Ausgangssperre (was geht es uns doch gut!)! Wir waren zu Hause.
Nur zum Lebensmittel einkaufen und für die morgendlichen Mollie-Runden haben wir das Haus verlassen. Hin und wieder habe ich die Kinder genötigt morgens mit mir und Mollie durch den Wald zu laufen. Böse Mama.
“Ganz Deutschland blickt auf ein Dorf” titelt der Kölner Stadtanzeiger. Die Uni Bonn nimmt Heinsberg unter die Lupe. Eine Mund-Nase-Masken-Pflicht gab’s Anfang April noch nicht, aber, dass es so kommen würde, das bahnte sich langsam an. Also weiter nähen.
Mittlerweile sind Osterferien. Eigentlich wären wir vier in der ersten Woche nach Wien gereist. Städtetour. So, wie wir im letzten Jahr in Zürich und im Jahr davor in Paris waren. Jetzt sind wir zu Hause.
Ein paar Tage später ist dann Ostern. Das Wetter ist bombastisch. Familientreffen sind gestrichen. Wir färben Eier, spielen Tischtennis, hängen die meiste Zeit im Garten ab.
Das alljährliche Traditionsfoto des geschmückten Ostereier-Baumes knipse ich zum ersten Mal aus einer anderen Perspektive. Der Hof hat geschlossen, nur der Hofladen ist geöffnet, an den Baum kommt man nicht mehr so nah ran. So sah der Baum in den vergangenen Jahren aus:
2019 – 2018 – 2017 …
Meine Familie ist im Zauberwürfel-Fieber. Die brachte dieses Jahr der Osterhase. Algorithmen werden gelernt und dann wird die Zeit gestoppt. Überhaupt wird gespielt – am liebsten Rommé und Sky-Jo. Und dazu gibt’s auch was Leckeres zu trinken. Für die Erwachsenen mit, für die Kids natürlich ohne Alkohol.
Bitte nicht schimpfen, erst lesen: Wir haben noch ein kleines Depot an Plastikstrohhalmen, die wir noch nutzen. Nicht gut für die Umwelt, ich weiß, aber das Paket jetzt einfach so wegzuschmeißen, dass wäre auch bescheuert.
Auch wenn sich ein Tag wie der andere anfühlt, täglich werden neue Entscheidungen getroffen, neue Maßnahmen bekannt geben. Der Parkplatz am See ist jetzt gesperrt. An jeder Ladentüre hängen mittlerweile Verhaltensregeln, ich stehe 20 Minuten in einer Schlange vor dem DM. Verrückte Welt.
Bloß nicht bekloppt machen lassen. Weitermachen, unser Leben leben. Mit Einschränkungen, die uns doch eigentlich nicht weh tun. Das Wetter ist schön, wir dürfen uns draußen bewegen, wir kochen, backen, freuen uns über die ersten Erdbeeren und leckeren Spargel und bestellen hin und wieder bei Restaurants unserer Stadt, die vor dieser Krise kein to-go-Essen angeboten haben.
Meine Tochter backt an Ostern alleine Mamas Käsekuchen. Überhaupt – und das hatte ich schon im März erwähnt – lernen die Kinder gerade ganz andere, ganz neue Dinge. Backen, Kochen, Spülmaschine anstellen, Emails formulieren,…
Sie lernen für`s Leben,
um mal die positive Seite dieser Situation zu erwähnen.
Am letzten Osterferien-Wochenende müssen wir dann doch mal unsere vier Wände verlassen. Wir fahren in den Schwarzwald zur Beerdigung meiner Schwiegermama. Verrückt, schräg, traurig, aber auch lustig.
Wir fahren über leere Autobahnen, halten an verlassenen Tankstellen mit abgesperrten Restaurants, übernachten mit Sondergenehmigung in einem sonst leeren Hotel, nehmen unser eigenen Speisen und Getränke, Geschirr und Besteck mit.
Die Beerdigung im Friedwald ist – wenn man das so sagen darf – wunderschön, fast schon magisch und das anschließende Picknick mit der engsten Familie dann auch lustig und schön.
Es war toll einen kleinen Teil der Familie zu sehen und Zeit miteinander zu verbringen. Auch, wenn wir uns nicht gedrückt, nicht geküßt und immer versucht haben, möglichst viel Abstand zwischen uns zu halten.
Die lange Autofahrt tat meinem Rücken nicht gut. Am Montag kann ich mich kaum bewegen. Am Dienstag muss ich zum Arzt. Der Mann fährt mich und holt Schmerzmittel in der Apotheke.
Mama liegt flach, deswegen radelt der Sohnemann zum Rewe und kauft Zutaten für ein leckeres Club Sandwich ein. Meine Kinder sind Club Sandwich-Master. Hier gibt es das Rezept für Euch.
In der Woche startet dann auch wieder das Home Schooling. Die ersten Test-Videokonferenzen finden statt. Die Abiturienten können wieder zum Unterricht in die Schule gehen. Die Politiker diskutieren Lockerungen und warnen vor Leichtsinn.
Am nächsten Tag habe ich einen Frauenarzt Termin. Zum ersten Mal sitze ich mit einer Maske im Wartezimmer. Noch ist es keine Pflicht, aber es ist gewünscht. Ich komme mir doof vor, denn andere Patientinnen tragen keine Maske.
Petrus beschert uns immer noch schönstes Wetter – das nutzen wir mit dem Rad aus.
Mollie ist diese ganze Situation völlig egal.
Die Maskenpflicht wird immer mehr disktutiert. Mittlerweile heißen diese selbst genähte oder gebastelte Masken Community Masken. Immer mehr Freunde und Verwandte fragen mich, ob ich ihnen eine Maske nähen könnte. Es fühlt sich ein bisschen nach 2016-15-14-13-… an, als ich noch für meinen damaligen Dawanda Shop genäht habe und jeden Tag zum Briefkasten gelaufen bin.
Ich probiere ein neues Schnittmuster aus. Anja hat auf ihrerm Insta Account eine Video-Anleitung eingestellt und bietet das Schnittmuster zum kostenlosen Download an.
Wir essen häufig draußen und schmeißen den Grill an und ich habe dafür eine leckere Tomatenbutter (Rezept hier) gemacht. Und dann drehen wir eine Runde über’s Feld, vorbei an den Bienenstöcken. Ich freue mich schon auf den hiesigen Honig.
Und dann, am Montag, den 27. April ist es offiziell: Maskenpflicht in allen Geschäften. Verwandte, Freunde und wir vier sind versorgt, deswegen nähe ich eine Wimpelkette für den Garten. Die zeige ich Euch demnächst nochmal ausführlicher.
In der letzten April Woche ticken die Uhren dann etwas anders als zuvor. Die Kinder haben einen straffen Arbeitsplan, jeden Vormittag Video Konferenzen mit unterschiedlichen Fachlehrern und Abgabetermine. Der Mann konferiert mit den Kollegen per Video und auch ich habe mittlerweile feste Termine mit verschiedenen Freundinnen-Kreisen und meiner Chor Gruppe. Aus allen Zimmern hört man dauernd Gespräche, Geplapper, Gelächter.
Wenn ich die Bude saugen möchte, muss ich vorher fragen, wer wann eine Konferenz hat ;-)
Wir haben uns eingegroovt, haben einen neuen Tagsrythmus und im Kalender stehen ganz andere Termine, als noch vor acht Wochen. Aber das ist okay. Uns geht gut, wir kommen damit klar und wenn ich ehrlich bin, dann mag ich dieses Leben gerade. Zumindest einen Teil davon.
Zu Essen gab es im April u.a. leckere Lasagne und Frankfurter Grüne Soße mit Kartoffeln und Eiern. Die Kräuter für die Soße brachte mir meine Schwägerin mit in den Schwarzwald. Lecker!
Und was war auf dem Blog so los? was eigenes entwickelt sich zum food Blog, aber auch das ist okay, spiegelt gerade unser Leben und unseren Alltag wieder. Es gab:
- Leckeren Rhabarberkuchen mit Joghurt
- Würzige Tomatenbutter
- Köstlicher Eierlikörkuchen {das Leben muss ja weitergehen}
- Mohnkuchen mit Puddingschicht und
- fluffiges Kartoffelbrot
Ich habe viel gelesen im April und Euch davon berichtet:
- Kranichland (ganz toll)
- Die Nachtigall (toll)
- Der Zopf (geht so toll)
- Dazwischen lese ich übrigens immer mal wieder ein Buch aus der Reihe “Die sieben Schwestern”.
Und dann habe ich mich noch wahnsinnig gefreut, dass mein Pinterest Account wieder da ist! Ich habe ihn fast zwei Wochen aufgeräumt und ausgemistet und auch gleich ein paar Gruppen-Boards für deutsche Bloggerinnen und Blogger erstellt. Wer mitpinnen möchte – z.B. auf meinem Pasta Board oder auf dem Nachtisch Board, der schreibe mir eine Email.
Und ich habe daraufhin noch ein Plädoyer für Blogs geschrieben. Denn unsere Blogs gehören uns. Social Media Plattformen liegen nicht in unserer Hand und wenn uns die Inhaber den Saft abdrehen, dann gucken wir dumm aus der Wäsche.
Nun haben wir also den 1. Mai 2020. Ich vermute, dass dieser Monat so weitergeht, wie die vorherigen. Hier und da wird es Lockerungen geben, aber Abstand halten wird nach wie vor wichtig sein. Auch glaube ich, dass die Kinder wohl keinen regulären Unterricht mehr vor den Ferien haben werden. Wie lange wir wohl Community Masken tragen müssen, das weiß ich natürlich nicht, aber ich denke, dass es lange so bleiben wird.
Alle fragen sich, wann es wieder wie vorher sein wird? Ich glaube, es wird nie wieder so sein, wie vorher. Wahrscheinlich ist das die neue Normalität. Ricarda hat dazu kürzlich einen, wie ich finde, sehr schönen Text veröffentlicht.
Ihr Lieben, haltet durch und lasst Euch nicht unterkriegen.
Liebe Grüße
Bine










































