Zunächst möchte ich mich herzlich für Eure Beiträge und Kommentare zum letzten #Schreibzeit Posting “Netzwerken oder wie bekommt man mehr Leser?” bedanken. Was ich ganz interessant fand: Viele Eurer Postings starteten mit dem Satz “Damit kann ich nichts anfangen…” und dann habt Ihr Euch aber doch Gedanken gemacht und diese in Worte gefasst. Dankeschön!
Aus Euren Postings und den Kommentaren ergab sich für mich ein neues Thema. Ein Thema, über das ich mir auch erstmal Gedanken machen musste: Mein Blog – ein privates Tagebuch? Schon in der Überschrift habe ich dies für mich beantwortet. Mein Blog ist kein privates Tagebuch, wobei sich hier das Wort “nicht” auf “privat” bezieht. Ein privates Tagebuch ist für mich ein Notizbuch, oder eine digitale Datei, die eben privat ist. Sprich, niemand ausser mir liest meine niedergeschriebenen Gedanken, Gefühle, glücklichen Momente oder Sorgen und Nöte. Sie sind privat. Tagebuch trifft auf jeden Fall zu. Nicht im klassischen Sinne. Eher eine Art Lookbook meiner Erlebnisse, meiner gemachten Dinge, meiner kulinarischen Ergebnisse, aber auch meiner Gedanken, usw.
Als ‘was eigenes’ online ging, wollte ich zwar in der Bloggerszene mitmischen, behielt aber mein öffentliches Geschreibsel im Freundeskreis geheim. Erst mit der Zeit wurde ich lockerer, erwähnte meine schräge Leidenschaft in Gesprächen, setzte meinen Bloglink in meine Emailsignatur. Voraus gingen Gedanken, wie ich meinen Blog weiterhin gestalten würde. Ich fällte damals für mich die Entscheidung, dass mein Blog zwar persönlich, aber niemals all zu privat geschrieben werden sollte. Alles, was ich hier in den vergangenen fast acht Jahren geschrieben habe, würde ich jedem Fremden an der Bushaltestelle erzählen. Alles, was ich hier nie erwähnt habe, habe ich nur meiner Familie und meinen Freunden erzählt.
Trotzdem habe ich immer versucht, alle Texte so persönlich wie möglich zu schreiben. Meine Gedanken und meine Meinung zu diversen Themen flossen in meine Postings ein. Ihr wisst, was Freundschaften für mich bedeuten und was ich von Facebook-Freunschaften halte; ich habe Euch wissen lassen, wenn ich mal wieder leicht orientierungslos durch den Alltag gesteuert bin; Ihr wisst, dass ich nach dem Abi ein Jahr in den USA als Au pair Mädchen gearbeitet habe; ich habe meine Gedanken zum Thema Glücklich-sein aufgeschrieben; ich habe hier schon einen Haufen facts about me in die Welt hinausposaunt. Davor, danach, dazwischen passieren aber noch eine Menge Dinge in meinem Leben, die hier keinen Platz finden, die hier nicht hingehören, die in die Kategorie Privatsphäre fallen. Dass ich trotzdem immer mal wieder mit mir hadere, habe ich am Montag schon versucht in Worte zu fassen.
In vielen Postings habe ich gelesen, dass Blogger “nur für sich” schreiben. Wenn ich gaaaanz ehrlich bin, dann ruft diese Aussage in mir ein gewisses Erstaunen hervor. Warum sollte ich Texte ins Internet stellen, wenn ich sie nur für mich verfasse? Warum notiere ich dieses Texte dann nicht an einem Ort, zu dem nur ich Zugang habe? Gleichzeitig habe ich in fast allen Texten gelesen, dass sich Blogger Aufmerksamkeit, Feedback und Rückmeldungen in Form von Kommentaren wünschen.
Das beißt sich die Katze in den Schwanz. Jemand, der etwas öffentlich tut, egal ob es das Schreiben eines Blogs ist oder Freunde zum Essen einlädt oder die Schule bei einem Ausflug begleitet,… man wünscht sich Feedback. Tolle Fotos! Schöner Beitrag! Sehe ich anders, aber danke für den Gedankenstupser! Danke für die Einladung, war schön bei Euch! Nett, dass wir mal wieder alle zusammen waren! Danke für die Begleitung! Und so weiter und so fort. Wenn man etwas macht, dann löst dies bei anderen Menschen eine Reaktion aus. Meistens zumindest. Und wenn man null Reaktion oder Feedback bekommt, dann ist man vielleicht enttäuscht. Oder entmutigt. Oder unsicher, ob das Handeln richtig war.
Genauso ist es m.E. mit dem Bloggen. Blogger gehen da vielleicht noch einen Schritt weiter, denn sie Handeln nicht nur im privaten Umfeld, nein, sie tun dies so öffentlich, dass jeder Hinz und Kunz dieses Handeln miterleben kann. Natürlich blogge ich irgendwie auch für mich, denn es macht mir einfach Spass. Ich schreibe gerne, ich fotografiere gerne, ich nähe, bastle, zeichne, koche gerne und habe einfach Freude daran, dies auf eine (für mich!) schöne Art und Weise zu präsentieren. Ich habe viele Freundinnen, die ein unglaublich gutes Händchen für Einrichtung haben. Deren Kaffeetafel immer mit viel Liebe dekoriert ist. Die einen coolen und hippen Klamottenstyle haben. Sie bloggen aber nicht. Sie zeigen nicht der ganzen Welt, was sie können. Das tun Blogger. Nur für sich? Wirklich?
Was macht für uns den Reiz aus, unsere Gedanken, Rezepte, Reiseberichte, ect. öffentlich zu zeigen? Schwierige Frage, oder? Ja, es macht Spass… aber ich glaube viel mehr, dass es Spass macht, auf das Gezeigte eine Reaktion zu erhalten. Das macht für mich das Bloggen aus. Ich erhalte eine Reaktion auf meine Postings (mal mehr, mal weniger) von mir teilweise unbekannten Menschen. Wenn ich mit meinen gebastelten Eierkranz durchs Dorf gehe, werden wohl kaum die Leute stehen bleiben und sagen: Tolle Idee! Wenn ich den Kranz aber auf dem Blog zeige, dann schreiben mir fremde Menschen: Tolle Idee!
Der Blogger – das exhibitionistische Wesen? Irgendwie schon. Aber damit ich kann leben, denn es bereichert mein Leben. Abgesehen davon, dass ich dadurch Teil einer schönen Community bin, haben sich durch mein öffentliches, persönliches aber nicht privates Tagebuch viele wundervolle Freundschaften, Bekanntschaften und nicht zu letzt interessante Kooperationen ergeben. Das möchte ich nicht mehr missen. Und deswegen wird es hier auch so persönlich wie möglich und so privat wie nötig weitergehen.
Was bedeutet für Euch Euer Blog? Ist er tatsächlich ein privates Tagebuch? Schreibt Ihr wirklich nur für Euch? Ganz ehrlich? Oder möchtet Ihr vielleicht doch, dass Eure Stimme da draussen gehört und wahrgenommen wird? Ist da vielleicht diese kleine Stimme im Ohr, die einem sagt: Mal sehen, wieviele meinen Post lesen werden und wieviele ihren Senf dazugeben? Und seid Ihr dann eventuell enttäuscht, wenn es weniger als erhofft sind?
Ich gebe ganz ehrlich zu: Bei einigen Posts, die ich hier bisher veröffentlicht habe, war ich anschliessend enttäuscht, dass die Resonanz (für mich) mittelmäßig war. Wiederum war ich schon oftmals erstaunt, dass ich auf bestimmte Posts eine Menge Feedback bekommen habe, weil ich damit wirklich nicht gerechnet hatte. Ich habe auch nach so langer Zeit kein Gefühl dafür, welche Posts meine Leser so begeistern, dass sie dafür in die Tasten hauen.
Das Miteinander und der Austausch auf meinem und auf anderen Blogs motiviert mich weiterzumachen. Mal mehr, mal weniger, eben so, wie es gerade passt. Und ich bin sehr dankbar, dass ich hier ein ‘öffentliches’ Tagebuch habe, in welchem ich selbst hin und wieder blättern und mich an Vergangenem erfreuen kann. Und nur ich weiss, was danach, dazwischen, davor sonst noch so passiert ist. Tagebuch ja. Privat nein.
Ich weiss, dass einige #Schreibzeit-Mitmacherinnen dieses Thema schon angeschnitten haben, trotzdem wäre ich gespannt darauf, wie Eure Gedanken dazu sind.
Liebe Grüße, Bine
Edit / Oktober 2019: Ihr Lieben, auf Grund des neuen Cookie-Datenschutz-Regelung-Dingsbums habe ich das Link-Tool vorerst aus diesem Beitrag gelöscht. Ich bedaure dies sehr, kann es aber leider nicht ändern.
